20 Jahre Awo-Treff in Perleberg : Mehr als ein „Gute-Laune-Tempel“

Ute Prill (l.) ist 2015 20 Jahre hauptamtlich dabei, Margot Böhringer (r. ) schon von Beginn an. In ihrer Mitte: Ursula Stegemann, die der Awo-Begegnungsstätte das Laufen beibrachte, zudem als gute Finanzerin und hervorragende Kuchenbäckerin geschätzt wurde.
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Ute Prill (l.) ist 2015 20 Jahre hauptamtlich dabei, Margot Böhringer (r. ) schon von Beginn an. In ihrer Mitte: Ursula Stegemann, die der Awo-Begegnungsstätte das Laufen beibrachte, zudem als gute Finanzerin und hervorragende Kuchenbäckerin geschätzt wurde.

Rund 10 000 Besucher zieht es alljährlich in die Awo-Begegnungsstätte / Diese Woche feiert der Treffpunkt sein 20-jähriges Bestehen

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12. November 2014, 12:00 Uhr

Raus aus der zentral gelegenen Bäckerstraße, rein in die Räume nahe des Beyerteiches, weit außerhalb der Altstadt – das konnte ja nichts werden … Skeptiker gab es vor gut 20 Jahren in Perleberg mehr als genug, als es hieß, dass die ehemalige von der Sowjet-Armee genutzte Liegenschaft in der Quitzower Straße saniert und umgenutzt werden sollte für die Arbeiterwohlfahrt (Awo). Da hätten nicht wenige einen Vogel gezeigt, erinnert sich Gertrud Madaus, damals Geschäftsführerin des Awo-Kreisverbandes. Sie hatte anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Awo-Begegnungsstätte in ihren Erinnerungen gekramt und so manche erstaunliche Anekdote zu Tage gefördert. „Es war schwer und zugleich spannend, etwas Neues aufzubauen“, blickte sie zurück. Bis sich das Haus in der Quitzower zu jenem beliebten Treff entwickeln konnte, wie man ihn heute kennt, waren in der Tat einige hohe Hürden zu nehmen.

Der „Hürdenlauf“ begann bereits in der Bäckerstraße 16, wo die Awo kurz nach der Wende den Treff und die Geschäfte der Volkssolidarität übernahm. Das findige und geschäftstüchtige Team – seinerzeit um Ursula Stegemann – organisierte 15 000 D-Mark aus Aufbau-Ost-Mitteln, um eine neue Heizung zu installieren. Kurz darauf meldete sich der Alt-Eigentümer des Hauses – der Awo-Treff musste sich eine andere Bleibe suchen, erhielt auch das Geld nicht zurück. Man liebäugelte mit der Immobilie in der Quitzower Straße. Ein langer Kampf gegen den Abriss, den viele wollten, begann, und der Kampf um die Finanzierung. Über den Awo-Landesverband, so Gertrud Madaus, wurden dann 400 000 D-Mark Fördermittel locker gemacht, zweckgebunden für 25 Jahre. Auch die Bauarbeiten gestalteten sich erlebnisreich bis abenteuerlich. Alle Wände waren krumm und schief, im Untergrund tauchte eine große Gasleitung auf, von der niemand zuvor etwas wusste …

In der rekordverdächtigen Bauzeit von einem halben Jahr gelang schließlich jedoch ein Kunststück – denn wer kann sich heute noch vorstellen, wenn er im großen, gemütlichen Saal der Begegnungsstätte sitzt, dass das einst ein OP-Bereich war? Dort, wo heute der Tresen steht, befand sich früher eine Kanzel, von der aus die einzelnen OP-Plätze beobachtet werden konnten. „Der Sockel wurde erhalten und der Tresen draufgebaut“, berichtete Gertrud Madaus. Die Besucherzahlen im Treff sprechen unterdessen für sich: Zirka 10 000 Menschen verschiedener Generationen nutzen die Räume alljährlich, wöchentlich also im Schnitt rund 200. Als „Gute-Laune-Tempel“ prägen ihn seit 20 Jahren Margot Böhringer und Ute Prill. Er sei aber viel mehr als das, meint Gisela Nohr, Vorsitzende des Awo-Ortsvereins: „Wer hier Besucher ist, wird weder Isolation noch Einsamkeit erleben“, ist sie überzeugt. Die Medizin, die man in dieser einstigen medizinischen Einrichtung verabreichte, heißt heute: Lebensfreude, Trost, Zuwendung und Fröhlichkeit.

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