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Ein Wandermärchen : „Meckern ist ja auch nur ein Symptom“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Hamburgerin durchradelt die Republik, um Land und Leute besser kennenzulernen.

svz.de von
erstellt am 17.Okt.2014 | 12:00 Uhr

„Du bist Deutschland!“, schallte eine Werbekampagne vor einigen Jahren heiß diskutiert durch die Medien. Provokativ empfand das auch die Hamburgerin Anna Magdalena Bössen. Die „Diplom-Gedichte-Sprecherin“, wie sie sich selbst nennt, wollte sich nicht vorschreiben lassen, wer sie zu seine habe und entschloss sich darauf, ihre eigene Antwort zu suchen. „Bin ich Deutschland – und wenn ja, wer sind wir?“, fragt sie nun auf ihrer Tour auf ihrem schwarzen Fahrrad quer durch die Republik. Ihr Ziel: Ein „Wandermärchen“ auf der Suche nach Träumen, Meinungen und Lebensläufen aus ganz Deutschland. Nach Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, erreichte die 34-Jährige gestern die Elbestadt Wittenberge, wo sie in der Pension zur Elbaue „herzlichen Unterschlupf fand.“

„Die Elbe ist besonders, denn dort hatte ich die Idee zu meiner Reise“, erzählt Anna. Der Fluss ist Symbol für die Sprecherzieherin. Er verbinde Ost und West, „Grenzen, die noch immer in den Köpfen der Menschen herrschen. Für den Fluss existieren sie aber nicht“, sagt sie. Anna gesteht aber, dass auch durch ihren Kopf noch vor der Reise Bilder und Klischees schwirrten.

Doch ihre bisherigen Erlebnisse haben sie eines Besseren belehrt. „Da steht man inmitten der Dorfstraße, kämpft verzweifelt mit seinem Navi und schon kommen die ersten an und fragen was los sei und wie man helfen könne“, erzählt sie mit großen Augen.

Über die Gastfreundlichkeit und andere überraschende Wendungen berichtet Anna in ihrem eigenen Blog. Dort können die Leute nicht nur ihre Route verfolgen, sondern auch Hilfe, wie Übernachtungsmöglichkeiten, anbieten. Auf allen möglichen Stationen vor Ort gewährt die Literaturexpertin außerdem Einblicke in ihr Abenteuer und präsentiert Gedichte, die die Republik thematisieren. Darunter auch eine Strophe aus Heinrich Heines „Deutschland, ein Wintermärchen“: „Ein neues Lied, ein besseres Lied, O Freunde, will ich euch dichten! Wir wollen hier auf Erden schon das Himmelreich errichten.“

„Viele Menschen auf meiner Reise frage ich, ob wir Deutschen nicht zu viel meckern“, sagt Anna. Viele – egal, ob Ost oder West– würden ihr das bestätigen. „Doch Meckern ist ja auch nur ein Symptom, dahinter steckt mehr“, ist sie sich sicher. Sie glaubt, wir würden in unserem Land in einem Himmelreich leben, es aber wie ein Jammertal behandeln. „Viele existenzielle Bedürfnisse sind gedeckt, aber hier sind so viele Abenteuer möglich“, meint sie enthusiastisch. Das mache eben einen Teil ihres Zuhauses Deutschland aus. Mehr davon möchte sie im nächsten Jahr mit ihrem Rad im Westen und Süden des Landes erkunden.

 

 

 

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