Matthias Platzeck über Kleiderordnung, Gebietsreform und Wiederwahl

<strong>Ein  entspannter Matthias Platzeck:</strong> Der brandenburgische Regierungschef  genoss die Atmosphäre auf dem Prignitzer Unternehmerball.
Ein entspannter Matthias Platzeck: Der brandenburgische Regierungschef genoss die Atmosphäre auf dem Prignitzer Unternehmerball.

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17. März 2013, 06:00 Uhr

Wittenberge | Man kann ihn in Wittenberge beinahe als Stammgast bezeichnen: Ministerpräsident Matthias Platzeck. "Prignitzer"-Redakteurin Petra Ferch sprach Freitagabend am Rande des Unternehmerballs mit ihm.

Herr Platzeck, Sie sind das fünfte Mal beim Unternehmerball. Treffen die Prignitzer ihren Musikgeschmack so gut oder tanzen sie so gern fern von Potsdam?

Matthias Platzeck (lacht): Also, ich bin gern nicht in Potsdam. Das sage ich auch ganz freimütig. Ich bin immer froh, das Land im wahrsten Sinne des Wortes befahren zu können. Und wo hat man schon die Gelegenheit, über 200 Menschen, noch dazu aktive, engagierte, zu treffen und das Ganze in gelöster Atmosphäre. Ich habe jedes Mal gemerkt, ich lerne eine Menge, man hat Freude, es macht Spaß und man hat den Abend in guter Erinnerung. Das ist Grund genug zu kommen.

Werden da auch gute Geschäfte gemacht, obwohl eigentlich getanzt werden soll?

Ich meine, wenn Lutz Lange den Abend mitorganisiert, kommt man da nie drum ’rum. Gespräche gibt es natürlich immer am Rande. Wir haben schon Abende gehabt, wo wir mehr als drei Stunden miteinander in unterschiedlichsten Runden geredet haben. Aber das ist ja auch der tiefere Sinn eines solchen Abends.

Wer legt bei Ihnen zu Hause die Kleiderordnung fest: Sagt das Ihre Frau oder sind Sie da selbstbewusst?

Selbstbewusst - weiß ich nicht, aber auf jeden Fall selbstständig. Meine Frau ist selbst berufstätig und auch oft nicht da, und ich mach’ das schon im Prinzip allein, aber wir sind geschmacklich nicht so weit voneinander entfernt. Manchmal sagt sie, ich wäre ein bisschen farbenblind. Da mag was dran sein.

Gehen Sie allein einkaufen, mit ihr zusammen oder lassen Sie ’ranschaffen?

Ich geh’ selbst einkaufen, und zwar einmal im Jahr. Bei mir ist das sehr, sehr einfach. Ich habe einen festen Kleiderladen in meinem Wahlkreis im Norden der Uckermark, und die Besitzerin weiß mittlerweile schon, was geht und was nicht. Manchmal dauert das nur eine halbe Stunde. Das ist aber, glaube ich, auch so typisch Mann. Einmal richtig und dann erst mal wieder gar nicht.

Können Sie sich denn an einem Abend wie heute so richtig vergnügen oder sind Sie in Gedanken noch immer beim Tagesgeschäft?

Ich bin, wenn ich ehrlich bin, ein frohgemuter Mensch, irgendwie haben die Großeltern die Gene so gelegt. Es gibt auch Situationen, in denen Leute fragen: "Mensch, du bist ja immer noch fröhlich", und ich sag’: "Da kann ich nichts dran ändern." Von daher kann ich mich schon entspannen. Und eigentlich habe ich das auch nie getrennt. Entweder macht man seine Arbeit gern - dann macht man sie auch, oder man macht sie nicht gern - dann sollte man lieber aufhören. Ich mach’ es gern.

Es gibt ja eine Menge, das im Moment nicht so gut läuft. Auch für Sie als Ministerpräsident und Aufsichtsratsvorsitzender. Gibt es Tage, an denen man am liebsten alles hinschmeißen würde?

Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es diese Tage nicht geben würde. Manchmal steht es auch mir bis hier. Aber ich muss auch sagen, ich habe seit 1990 allen fünf Landesregierungen angehört, und ich habe wirklich schlimmere Zeiten erlebt. Insbesondere die ersten Jahre nach der Wende, als alles zusammenbrach und viele Menschen keine Hoffnung mehr hatten. Damit sind die Probleme, die wir heute haben, nicht zu vergleichen.

Haben Sie die wunderschönen Aufbauten von Ihnen und Klaus Wowereit bei den Karnevalsumzügen am Rhein nicht umgehauen?

(lacht) Also, nach Mainz muss man es erst mal schaffen.

Auch an Abenden wie diesen, lässt man den Blick schon mal über die Kreisgrenzen schweifen. Wie ist der Stand in Sachen Kreisgebietsreform?

Wir haben uns vorgenommen, mit genügend Zeit für Debatte, für Problemdarstellung und Wahrnehmung das Ganze zu gestalten. Ich bin der festen Überzeugung, wir werden 2020 oder spätestens 2030 nicht mehr 14 Landkreise in Brandenburg haben können. Und mir wäre sehr lieb, wenn da auch etwas von unten wächst und Gebietskörperschaften von sich aus sagen, ja wir machen etwas miteinander. Aber es wird am Ende, wie schon so oft, wahrscheinlich wieder ein Gesetz geben müssen, in dem die Struktur des Landes festgelegt wird.

Es ist ja schon viel darüber gesprochen worden - manchmal und vielleicht auch zu früh auch öffentlich. Birgt das nicht auch immer die Gefahr, dass man zu viel zerredet?

Wissen Sie, Frau Ferch, wir haben in einer Demokratie immer diese Schwierigkeit: Wann beginnt man zu reden, wie lange redet man drüber, und ist es gut, so viel darüber zu reden? Oder macht man einfach einen Beschluss und sagt, wir ziehen das jetzt innerhalb eines halben Jahres durch? Die erste Variante ist anstrengend und birgt in sich auch oft Potenzial für Verunsicherung. Trotzdem finde ich es wichtig, sich Zeit zu nehmen, offen und klar und transparent zu reden. Natürlich auch immer mit dem Risiko, dass es mal ein Missverständnis geben kann. Damit müssen wir leben. Das gehört zur Demokratie.

2014 wird in Brandenburg wieder der Landtag gewählt. Stehen Sie als Ministerpräsident weiter zur Verfügung?

Das wird die Zeit zeigen, und das hängt auch nicht nur von mir ab, sondern von meiner Partei. Ich kann nur versuchen, weiter gute Arbeit zu leisten. Wenn meine Partei sagt, wir möchten, dass Du nochmal antrittst, dann tue ich das mit Begeisterung. Wenn sie zu anderen Schlüssen kommt, kann ich auch damit leben.

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