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Judenhof Perleberg : „Masel tov – Glückauf“ am 2. Juni

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Mit der baulichen Fertigstellung des Judenhofes ziehen hier sogleich interessante Veranstaltungen ein. Parallel dazu läuft ein Schulprojekt des Gottfried-Arnold-Gymnasiums.

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erstellt am 18.Mai.2016 | 04:45 Uhr

Lange zogen sich die Bauarbeiten hin – und eine Weile wird es auch noch dauern, bis das Gedenk- und Veranstaltungszentrum in der Parchimer Straße – der Judenhof – mit einer Dauerausstellung dann richtig in Betrieb geht. Im Frühling 2017 soll Letzteres der Fall sein, plant der Kulturverein als Träger des Judenhofes.

Nichtsdestotrotz finden ab Anfang Juni hier fortlaufend Events statt, begleitend dazu interessante Projekt, wie Rainer Meißle vom Vereinsvorstand gestern informierte. „Masel tov – Glückauf“ ist der Start am 2. Juni überschrieben. „Das jiddische Masel heißt wörtlich übersetzt ,ein Tropfen von oben’; tov so viel wie ,gut’. Glückauf zielt als Bergmannsgruß nicht auf ein gesundes wieder nach Hause kommen, sondern wünscht, es mögen sich Erzgänge auftun“, erläutert Meißle den Hintergrund des ungewöhnlichen Titels und ergänzt: „Der Kulturverein Perleberg wünscht sich und seinen Besuchern einfach ein gutes Gelingen beim Erschließen neuer Gedankengänge.“

Mit dem 2. Juni beginnt zugleich die Veranstaltungsreihe „Juden in der DDR“. Parallel dazu läuft ein Schulprojekt des Gottfried-Arnold-Gymnasiums – angeregt und betreut vom Judenhof, respektive dem Kulturverein: „Haben Sie schon einmal einen armen Juden gesehen?“ Unter diesem Motto beschäftigen sich die Jugendlichen mit noch immer existierenden Klischees über Juden, nehmen sich der Entstehungsgeschichte von Ressentiments und Feindbildern an, versuchen, etwas über die Lebensumstände von Juden in einer Stadt des Mittelalters herauszufinden und befragen Mitglieder jüdischer Gemeinden nach ihrem Leben in der DDR.

Den Auftakt der öffentlichen Veranstaltungen macht am 2. Juni, 19 Uhr, Konrad Weiß, der bekannte Bürgerrechtler, selbst nicht Jude sondern Katholik, Mitbegründer der Bewegung „Demokratie jetzt“ und Abgeordneter der ersten frei gewählten Volkskammer, außerdem Filmregisseur und Publizist. „In den 1980er Jahren geriet er beim Filmvorhaben ,Dawids Tagebuch’ in Konflikt mit der Staatsräson der DDR, bzw. mit Mitarbeitern der DEFA-Studios, die dafür zuständig waren. Davon berichtet er uns“, so Meißle.

Der Film selbst ist die Geschichte eines jüdischen Jungen, der 1940, ein halbes Jahr nach der Besetzung Polens, beginnt, in seinem Tagebuch die Willkür und Gewalt der deutschen Soldaten mit kindlicher Genauigkeit zu notieren, bis er – er ist gerade mal zwölf Jahre alt – 1942 mit allen anderen Juden des Dorfes nach Treblinka deportiert wird. Sein Tagebuch bleibt zurück, wird 1957 gefunden und veröffentlicht. Er selbst wird in Treblinka ermordet.

Einweihungstermin für den Judenhof war übrigens ursprünglich der 19. September vergangenen Jahres. Nach mehreren Bauverzögerungen sollen die Arbeiten am Gebäude und den Außenanlagen nun Ende Mai abgeschlossen sein.




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