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IFA-Treffen in Perleberg : Marokko-Tour bleibt ein Traum

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Auferstanden aus längst abgewickelten Betrieben des DDR-Fahrzeugbaus trafen am Sonnabend Trabant, Wartburg, Schwalbe und L 60 aufeinander. Nick Schröder hatte in Perleberg zum ersten IFA-Treffen eingeladen.

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erstellt am 22.Sep.2013 | 08:00 Uhr

Perleberg | Auferstanden aus längst abgewickelten Betrieben des DDR-Fahrzeugbaus trafen am Sonnabend Trabant, Wartburg, Schwalbe und L 60 aufeinander. Nick Schröder hatte in Perleberg zum ersten IFA-Treffen eingeladen und begrüßte 161 Aussteller. "Das ist der Wahnsinn, überrascht uns selbst", sagt er und schlendert entspannt zurück zu seinem RS 09 Geräteträger, an dem Schaulustige stehen.

Neugierig bestaunen sie auf dem Gelände am Schwarzen Weg alte Fahrzeugtechnik und blicken ungläubig unter die Motorhaube eines Trabant 600. Viel hat der Zweitakter mit seinen 23 PS dort nicht zu bieten. Ronny Pilko ist das egal, er liebt seinen Trabi. Vor einem Jahr hat er ihn erworben und noch gleich vier andere dazu. "Sie lieferten mir die Ersatzteile, damit ich diesen einen aufbauen konnte", sagt der Perleberger. Das ist ihm gelungen, auch wenn er den Nostalgiewagen im Alltag nicht nutzen mag.

Neben der schlichten blau-weißen Duroplast-Karosserie steht sein Framo aus den 50er Jahren, auf dessen Anbau sich eine Zapfanlage befindet. "Funktionsfähig", wie der junge Mann betont. Seine Liebe zu den alten Autos teilt Ronny Pilko mit der ganzen Familie. Hier in Perleberg sind sie mit vier Trabis angereist. "Moderne Autos kann jeder fahren, die alten Modelle nicht", verrät Pilko einen Grund für seine Leidenschaft.

Bei Familie Duwe sieht es nach Campingurlaub aus. Allenfalls ihr Stellplatz sollte etwas mehr Fläche haben, denn der L 60 ist nicht nur robust, sondern auch Platz einnehmend. Mit dem Baujahr 1988 dürfte er auf dem Treffen zu den jüngsten Modellen zählen. Seit vier Jahren in Besitz der Duwes verfügt ihr "Familienvan" mittlerweile über Toilette, Dusche, Küche und drei Schlafplätze. "Eine spartanische, aber funktionstüchtige Ausstattung", meint Angelo Duwe.

Allerdings fahren sie damit nicht in den Campingurlaub, sondern nur zu Oldtimertreffen in der Umgebung. Das sei aber eher der fehlenden Freizeit, als dem L 60 geschuldet. "Sein Vorbesitzer war mit ihm bis nach Marokko gefahren. Für uns ist das ein Traum", verrät Sandra Duwe. Der L 60 sei mit seinen 180 PS robust, fahre locker die maximal erlaubten 80 km/h auf der Autobahn und wenn der Motor doch einmal streike, genüge ein Werkzeugkoffer, um ihn zu reparieren. Es sei denn, man bleibt mitten in der Mongolei stecken, wie es derzeit einem L 60-Abenteurer ergeht, von dem Angelo Duwe noch am Morgen in einem Internetforum las. "Wir L 60-Liebhaber sind schon alle ein wenig verrückt", kommentiert der Familienvater das Reiseziel Mongolei."

So weit in die Ferne wollen Duwes gar nicht. Wozu auch, meinen sie und zeigen auf die versammelte IFA-Gemeinde. "Es ist ein wirklich schönes Treffen geworden, nicht so überlaufen." Das habe der Nick Schröder als Veranstalter gut hinbekommen.

Der hört dieses Lob gerne, denn so eine Pilotveranstaltung sei ja auch immer ein Risiko. Die Idee dazu sei über mehrere Jahre gereift, schließlich gebe es ja bereits diverse Oldtimertreffen in der Prignitz. "Aber kein reines IFA-Treffen, und dann haben wir gesagt, dass wir es einfach probieren", so Nick Schröder, der unter anderem in Heiko Brunes als Veranstalter des Devil Traktor Pullings einen Verbündeten fand. Die Fortsetzung im kommenden Jahr sei beschlossene Sache. "Dann wollen wir auch einen Bagger T 174 und aus der Kranreihe den ADK 125 zeigen. Das fehlt heute", blickt Schröder voraus.

Das hören die aus Schwerin angereisten Mitglieder des IFA Mecklenburg-Vorpommern Vereins gern. "So ein Treffen muss wachsen", sagt Jörk Mehlhorn, der zusammen mit seiner Frau Heike und Tochter Claudia im schicken Wartburg Coupe 311 vorfuhr. Als Knirps habe er in diesem Fahrzeugtyp mit genau dieser schwarzen Lackierung gesessen. Für ihn sei das eine so schöne Kindheitserinnerung, dass er dieses Modell unbedingt haben wollte. Fast schrottreif erworben, hat er ihn über Jahre hinweg liebevoll aufgearbeitet, bis er zum heutigen Schmuckstück wurde. Langeweile kommt bei Jörk Mehlhorn aber nicht auf, denn nun steht das Vorgängermodell in der Bastelgarage.

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