Landwirtschaft : Markt diktiert Milchpreis

Am 1. April endet nach 31 Jahren die Milchquote. Prignitzer Erzeuger sehen das relativ gelassen.
Am 1. April endet nach 31 Jahren die Milchquote. Prignitzer Erzeuger sehen das relativ gelassen.

Quotenregelung endet am 1. April / Prignitzer Bauern erwarten leichten Anstieg der Produktion

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24. März 2015, 08:00 Uhr

Ende März fällt nach 31 Jahren die Milchquote. Bauern dürfen dann so viel Milch produzieren, wie sie möchten. In der Prignitz rechnen Landwirte mit einem leichten Anstieg der Produktionsmenge.

„Wir stehen hinter dem Auslaufen der Quote“, sagt Christina Stettin, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes. Das Datum war lange bekannt, so dass sich die Erzeuger darauf einstellen konnten. Andere Branchen in der Landwirtschaft unterliegen auch dem freien Markt, jetzt müssen sich auch die Milchbauern dem Wettbewerb stellen.

Dem widerspricht Lothar Pawlowski als Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Karstädt nicht. Mit 1350 Kühen und einer jährlichen Milchmenge von 13 Millionen Kilogramm gehört er zu den größten Produzenten in der Region. Einen Rückgang der Produktion erwartet er nicht.

„Ich gehe mindestens vom gleichen Niveau, eher von einer moderat steigenden Menge aus“, sagt er. Es gebe keine Anzeichen, dass Landwirte die Milcherzeugung einstellen. „Wer das wollte, hat das längst in den vergangenen Jahren gemacht“, so Pawlowski.

Den Wegfall der Milchquote hält er für überfällig. Sie hatte keinen Einfluss auf den Preis: „Im Januar 2014 erhielten wir 40 Cent für den Liter, in diesem Jahr nur 29 Cent“, nennt er ein Beispiel. Während der Milchkrise 2008/09 sei der Preis sogar auf 20 Cent gefallen, trotz der Quote.

Zwei Faktoren nehmen erheblichen Einfluss auf den Preis: Die Verhandlungen mit dem Einzelhandel und in noch stärkerem Maße die mit dem Ausland. „Das ist ein wichtiger Aspekt, der Absatz von Milchprodukten im Ausland stabilisiert den Preis“, erklärt Pawlowski.


Keine Angst vor dem freien Markt


„Für uns ändert sich gar nicht so sehr viel“, sagt auch Karsten Krüger, der in Bendelin 300 Milchkühe hält. Wichtiger als jede Quote sei der Preis und diesen würden nach wie vor die Molkereien diktieren. Derzeit liege er relativ stabil auf einem niedrigen Niveau knapp unter 30 Cent. Tiefstpreise wie vor einigen Jahren von 25 und 19 Cent seien glücklicherweise nicht zu befürchten.

Dennoch bleibe das Milchgeschäft hart. „Wenn ich investieren möchte, wäre ein Preis von mindestens 40 Cent nötig“, sagt Krüger. Sollten die Preise jetzt aber leicht steigen, würde das gewiss die Milcherzeuger ermutigen, mehr Milch auf den Markt zu bringen. In diesem Fall befürchtet er eher einen Preisverfall. Insofern hatte die Milchquote tatsächlich einen regulierenden Effekt.

Karsten Krüger ist Mitglied im Bauernbund Brandenburg und dessen Geschäftsführer Reinhard Jung erklärt: „Das Ende der Milchquote sehen wir nicht positiv, haben aber auch keine Angst.“ Bedingt durch ungesunde Wachstumsschritte, vor allem in Nordwestdeutschland, werde viel Milch auf den Markt kommen und die Preise drücken, vermutet er.

Aber speziell für Prignitzer Milcherzeuger sei die Situation weniger angespannt, da sie gute Voraussetzungen hätten. Als Beispiele nennt Jung genügend Fläche, um das Futter selbst zu erzeugen und den organischen Dünger zu verwerten. In anderen Teilen Deutschlands müssten Bauern Futter zukaufen, was ein erheblicher Kostenfaktor sein könne.

Jungs Kritik zielt in eine andere Richtung: Im Namen der Milcherzeuger fordert der Bauernbund Brandenburg von der Politik ein Ende der „sittenwidrigen Meierei-Verträge“, wie Jung sie bezeichnet. Darin würden Milcherzeuger zur Ablieferung verpflichtet, ohne dass ihnen ein Preis zugesichert werde. Das sei sträflich. Jeder der etwas auf dem Markt verkaufe oder einen Vertrag schließe, weiß, was er bekommt. Höchste Zeit, dass dies auch für Milchbauern gelte, meint Jung.  

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