Resümee nach Brand bei Austrotherm : „Man muss Entscheidungen treffen“

Der Brand bei Austrotherm rief 160 Feuerwehrmänner auf den Plan.
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Der Brand bei Austrotherm rief 160 Feuerwehrmänner auf den Plan.

Lars Wirwich ist erst 27 – Als Wittenberger Ortswehrführer hatte er beim Großeinsatz auf dem Gelände das Kommando über 160 Kameraden

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05. August 2016, 21:00 Uhr

Seinen Urlaub hatte sich Lars Wirwich sicher anders vorgestellt. Doch als am 27. Juli auf dem Firmengelände von Austrotherm ein Blitz einschlug und die draußen gelagerten Dämmplatten in Brand gerieten, funktionierte er einfach nur.

„Ich habe mich in den Einsatzwagen gesetzt und bin losgefahren. Im Bentwischer Weg habe ich schon die riesige schwarze Qualmwolke gesehen und konnte die Meldung an die Einsatzleitstelle präzisieren“, schildert Wirwich die ersten Minuten. Der Fall weitete sich zum größten Einsatz der vergangenen Jahrzehnte in der Region aus (wir berichteten). Wirwich alarmierte immer mehr Kräfte nach, weil er schnell erkannte, dass die Wittenberger Kameraden diesen Brand nicht allein unter Kontrolle bringen könnten. Letztlich kämpften gut 160 Feuerwehrmänner und 41 Einsatzfahrzeuge gegen die Flammen, sogar aus Sachsen-Anhalt rückten Blauröcke an. Und mittendrin Lars Wirwich, der mit nur 27 Jahren als Einsatzleiter alle Kräfte zu koordinieren hatte. „In diesem Moment muss man anfangen Entscheidungen zu treffen“, sagt er rückblickend. Selbstkritisch schiebt er hinterher, dass einige Entschlüsse auch falsch gewesen wären, wie zum Beispiel die Positionierung einiger Fahrzeuge. „Dann muss man reagieren und darf nicht lange warten. Wichtig ist, dass die Summe der Entscheidungen positiv ist.“ Das gelang dem jungen Mann, der seit 16 Jahren ehrenamtlich in der Feuerwehr Wittenberge tätig ist. Wirwich lobt seine Kollegen, die sich allesamt in ihrer Freizeit dem Brandschutz widmen. „Ich habe von vielen Seiten gehört, dass auch Berufsfeuerwehren unseren Einsatzablauf gelobt haben“, erzählt Wirwich. Doch vor Ort sei er nicht allein gewesen. Er habe bei der Einsatzleitung viel Hilfe gehabt. „Der Chef der Perleberger Wehr ist ein Funkspezialist. Das hat enorm geholfen.“ Der Einsatzort war in verschiedene Abschnitte mit einer jeweiligen Funkfrequenz eingeteilt, die Einsatzführung hatte eine gesonderte Frequenz. So wurde ein Durcheinander in der Kommunikation vermieden. „Das war eine gute Sache, die wir für die Zukunft übernehmen werden“, blickt Wirwich voraus. Seit dem Brand gibt es eine Art Grundgerüst für solch große Lagen, immerhin hat allein Wittenberge 80 sogenannte Schwerpunktobjekte. Dazu gehören Schulen, Kitas, Hotels, aber auch das Rat- und das Kulturhaus.

Noch immer ist ihm bewusst, wie brenzlig die Situation für die Produktionshalle von Austrotherm war. Die Flammen kamen dicht an das Objekt heran, einige Türen begannen sich wegen der großen Hitze zu verformen. „Wir haben uns schnell dazu entschlossen, das hintere Lager aufzugeben und uns auf die Halle zu konzentrieren. Denn bis zum Schluss war nicht klar, ob wir die Halle halten könnten.“ Mit 12 000 Liter Wasser in der Minute wurden die Paletten in unmittelbarer Nähe zur Halle gekühlt, damit die Flammen nicht auf sie übergriffen. Schließlich ging die Taktik auf, das Gebäude blieb im Großen und Ganzen unbeschadet. Wenn er etwas Positives aus dem Unglück ziehen wolle, so wäre es, „dass jeder wusste, was zu tun ist. Auch die Zusammenarbeit mit den Wehren der Altmark hat sehr gut geklappt“.

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