Neuer Superintendent : „Man kann hier gut leben und arbeiten!“

Oliver Günther lenkt als neuer Superintendent die Geschicke des fusionierten Kirchenkreises Prignitz.
Oliver Günther lenkt als neuer Superintendent die Geschicke des fusionierten Kirchenkreises Prignitz.

Oliver Günther im „Prignitzer“-Gespräch

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26. März 2014, 12:00 Uhr

Im Vorfeld der ersten Synode des fusionierten Kirchenkreises Prignitz sprach Redakteur Hanno Taufenbach mit dem neuen Superintendenten Oliver Günther über anstehende Aufgaben, Personalpolitik und über das Ankommen in der neuen Heimat.

Rund vier Wochen im Amt, knapp zwei Monate in der Prignitz. Fühlen Sie sich bereits heimisch?

Wir sind schon häufiger umgezogen, aber Perleberg ist für meine Familie ein wirklicher Neuanfang. Bisher hatten meine Frau oder ich immer Bezugspunkte in unserer jeweiligen Wohnregion. Das Ankommen hier war schwieriger und ist mehr als nur ein großer Schritt. Es braucht noch Zeit und die müssen wir uns nehmen.

Verraten Sie uns bitte die ersten Aufgaben eines neuen Superintendenten.

Ich möchte zunächst alle Kollegen kennenlernen, die hauptamtlich für unsere Kirche arbeiten. Für sie bin ich ein unbeschriebenes Blatt, ich kann ihnen unvoreingenommen begegnen. Das ist ein guter Anfang für eine Vertrauensbasis. Daneben musste ich bereits mehrere Entscheidungen fällen.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Es ging um Anschaffungen, Aufträge für Handwerker, Anträge aus den Gemeinden, Organisation von Büroabläufen. All das sind Verwaltungsaufgaben. Finanzielle und personelle Entscheidungen werden in Abstimmung mit dem Kreiskirchenrat getroffen.

Was sehen Sie als eine der wichtigsten Aufgaben für die nächste Zeit an?

Den Fusionsprozess der Kirchenkreise fortzusetzen.

Was werden dabei die konkreten Aufgaben sein?

Zunächst die Kreissynode am 12. April. Alle Ämter sind neu zu besetzen, die künftige Synode wird außerdem kleiner sein. Eine Personalentscheidung betrifft die Stelle meines Stellvertreters. Dafür muss ich einen Vorschlag unterbreiten.

Wie beurteilen Sie aus Ihrer Sicht den bisherigen Prozess?

Beide Kirchenkreise haben auf diesem Weg viel geleistet, Berührungsängste abgebaut. Auch bei den anstehenden Personalentscheidungen wird es keine Rolle mehr spielen, welcher Kandidat ursprünglich aus welchem Kirchenkreis kommt.

Was bedeutet die Fusion für die Kirchengemeinden, für die Gläubigen in der Prignitz?

Aktuell sind sie aufgerufen,
an unserer Zukunftswerkstatt mitzuarbeiten. Wir möchten Ideen und Ziele erfahren, die wir dann konkretisieren wollen. Abschließend werden wir entscheiden, was wir davon umsetzen werden. Die Beteiligung bisher ist rege.

Zeichnet sich bereits ein dominierendes Thema ab?

Ja, die Kinder- und Jugendarbeit. Die werden wir stärken und so organisieren, dass sie in der Fläche wirkt. Die Kinder sind nicht nur unsere Zukunft, sondern auch die Gegenwart. Ohne ihre Gesichter sähe die Kirche tatsächlich alt aus.

Ziele und Wünsche kosten Geld. Ermöglicht die Fusion finanzielle Spielräume?

Die Mittelzuweisungen der Landeskirche richten sich nach der Anzahl der Mitglieder in den Kirchenkreisen. Außerdem wird das Vermögen beider Kreise zusammengeführt und wir erzielen gewisse Einsparungen, beispielsweise gibt es ja nur noch eine Superintendentur.

Sie sehen also gewisse Spielräume. Wofür könnten die genutzt werden?

Einerseits, um unseren jetzigen Personalbestand abzusichern. Andererseits für Projekte, die nachhaltig wirken. Dabei denke ich nicht an Baumaßnahmen, die wir aber auch fortsetzen werden.

Mit Marie-Luise Klehmet hat sich gerade erst eine beliebte und verdiente Pfarrerin in den Ruhestand verabschiedet. Ihre Stelle wird nicht neu besetzt. Kein Einzelfall in
der jüngeren Vergangenheit. Muss mit weiteren Streichungen gerechnet werden?

Nein. Dass Frau Klehmets Stelle nicht neu besetzt wird, war geplant. Wir haben jetzt 21 Pfarrstellen im Kreis und wollen diese erhalten. Geht künftig ein Pfarrer in den Ruhestand, wird neu besetzt.

Größere Pfarrämter bedeuten weniger Gottesdienste, der Pfarrer ist seltener vor Ort. Diese Entwicklung in
der Prignitz haben Gläubige mehrfach kritisch angesprochen. Wie bewerten Sie die Situation?

Auf rund 1000 Kirchenglieder kommt in der Prignitz eine Pfarrstelle. In Deutschland liegt der Durchschnitt bei 2000 und in Ballungsräumen bei bis zu 3000 Gliedern pro Pfarrstelle. Ich kann die Kritik und die Sorgen der Menschen verstehen, aber wir sind hier noch immer relativ gut aufgestellt.

Um Stellen zu besetzen, braucht es Bewerber. Die hiesige Wirtschaft spricht von einem Fachkräftemangel. Wie sieht die Kirche das?

In die Prignitz geht man nicht freiwillig. Diese Aussage gibt es tatsächlich und ich muss ihr widersprechen. Diese Region ist ein attraktiver Lebens-, Wohn- und Arbeitsort. Als Pfarrer kann man hier gut leben und gut arbeiten. Das muss unsere Botschaft sein.

Was gab für Sie persönlich den Ausschlag, sich in der Prignitz zu bewerben?

Die ländliche Region, die viele Natur. Die Fusion der Kirchenkreise eröffnet Gestaltungsspielräume. Die Menschen hier sind aufgeschlossen, wenn man etwas bewegen möchte, kann man das auch.

Sie sind mit Ihrer Familie hierher gezogen. Kann Ihre Frau hier ebenfalls gut arbeiten?

Sie ist Grundschullehrerin und arbeitet derzeit zur Vertretung in Karstädt. Zum nächsten Schuljahr hat sie einen Versetzungsantrag gestellt. Unsere zwei Kinder gehen in den Kindergarten.

Danke für das Gespräch.

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