Buchvorstellung : Mammutwerk für die Gartenkunst

Autor Dr. Folkwart Wendland mit den fünf Bänden im Perleberger Stadt- und Regionalmuseum.
Autor Dr. Folkwart Wendland mit den fünf Bänden im Perleberger Stadt- und Regionalmuseum.

Im Stadt- und Regionalmuseum blieb kein Stuhl frei, als Folkwart Wendland sein umfassendes Werk vorstellte

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18. November 2015, 08:00 Uhr

Als Folkwart Wendland im Jahr 1979 mit seinem Vater Folkwin begann, die Geschichte der Parks und Gärten in der preußischen Provinz Brandenburg zu recherchieren, ahnten beide wohl nicht, was für ein riesiges Projekt sie da vor sich hatten.

Ein wahres Lebenswerk sind die 2666 Seiten geworden, die am Montagabend vor vollem Haus im Perleberger Stadt- und Regionalmuseum vorgestellt wurden. In fünf Bänden werden 1069 herrschaftliche Parkanlagen des alten Brandenburgs in den historischen Grenzen der preußischen Provinz vorgestellt. Vater und Sohn haben alle Orte selber besucht und erforscht. Einige der landschaftlichen Anlagen liegen heute zum Teil auf polnischem Gebiet. „Wir haben da auch einen Beitrag geleistet, das während der DDR-Zeit verschüttete Bewusstsein für die Parks, Gärten und Güter ins Bewusstsein zu rücken. Es ist zwar nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten geschrieben, aber wir haben uns bemüht, einen verständlichen Stil zu schreiben“, erklärt der heute 78-jährige Autor Folkwart Wendland. Mit „Wir“ meint er neben sich seinen Vater, der im Jahr 2006 verstarb, aber auch seinen Verleger Dr. Frank Böttcher vom Lukas-Verlag sowie Dr. Peter Bahl, den Vorsitzenden der Landesgeschichtlichen Vereinigung, die das Projekt begleitet und gefördert hat.

Nach dem Einstieg beginnt Band 1 gleich mit den 101 fundierten Darstellungen von Prignitzer Gärten. Bürgermeisterin Annett Jura jubilierte bei der Präsentation: „Ich fühle mich wie ein Kind, das auf das Weihnachtsgeschenk wartet. Besonders gespannt bin ich, was sich aus unseren Ortsteilen wie etwa Dergenthin oder Wüsten-Buchholz in dem Buch findet.“ Das Buchprojekt war nicht nur zeit-, sondern auch kostenintensiv, für den Lukas-Verlag sogar das größte seiner Verlagsgeschichte, und nur über Spenden von Privatpersonen und das Engagement von Stiftungen und Vereinen zu realisieren. Besonders die Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg e.V. hat sich hier engagiert. Deren Vorsitzender Dr. Peter Bahl bemerkte: „Gärten sind hoch empfindliche Gesamtkunstwerke und gehören zur historischen Entwicklung des ländlichen Raumes. Für Brandenburg wird das Thema zumeist mit Blick auf die Potsdamer Residenzgärten um Sanssoucie abgehandelt.“ Kein Werk habe dies für ganz Brandenburg bisher so umfangreich dargestellt, wie das der Wendlands.

Zudem leiste es damit einen enormen Beitrag für die deutsche und polnische Denkmalpflege. Die „Gärten und Parke in Brandenburg“ sind zunächst als 1000er-Auflage erschienen, die jeweils fünf Bände eines Exemplars wiegen zusammen 15 Kilo und kosten 420 Euro. Sicherlich nicht für jedermann erschwinglich. Aber die Landesgeschichtliche Vereinigung hat dem Stadt- und Regionalmuseum ein Freiexemplar gestiftet, in dem Hobbyforscher, Museumsbesucher und Gartenfreunde ab sofort stöbern können. Neue Buchprojekte habe er nicht mehr, sagt der studierte Geologe Folkwart Wendland, der nach der Wende lange im Landesumweltamt Brandenburg gearbeitet hat. „Das hat wirklich so viel Kraft gekostet, dass ich nichts Größeres mehr machen werde.“  

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