Rettungsdienst : „Magic Man“ im Notarzteinsatz

Mit 67 Jahren noch voll im Einsatz: „Es macht mir einfach riesigen Spaß, Menschen zu helfen“, sagt Kabali.
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Mit 67 Jahren noch voll im Einsatz: „Es macht mir einfach riesigen Spaß, Menschen zu helfen“, sagt Kabali.

Dr. Frederick Spire-Kabali rettet in der Prignitz Menschenleben – Spiegel-TV porträtierte den Arzt aus Uganda

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07. November 2014, 22:00 Uhr

„Auf seine Patienten wirkt der fremde Mann nicht selten wie ein Wunder. Seine beste Medizin: schwarzer Humor.“ Mit diesen Worten beginnt der zehnminütige Spiegel TV-Beitrag, für den der Journalist Adrian Basil-Müller und sein Kamerateam Dr. Frederick Spire-Kabali 24 Stunden lang während seines Notarztdienstes in der Prignitz begleitet haben.

Eine ältere Dame mit Verdacht auf Herzinfarkt, der schwere Verkehrsunfall auf der B 5 nahe Garlin mit zwei Todesopfern, der Mann mit Atemproblemen, weil er sein Nasenspray falsch einnimmt – Kabali arbeitet die ernsten und weniger ernsten Fälle routiniert ab, scheint das Kamerateam völlig auszublenden. „Es ist wirklich so, dass man in diesen Situationen einfach funktioniert. Ob da Journalisten dabei sind, spielt überhaupt keine Rolle“, sagt der Notarzt im Gespräch mit dem „Prignitzer“.

Die Anfrage, ob ihn Spiegel-TV begleiten könne, habe ihn wirklich überrascht, gibt er zu. Bei einer Zugfahrt nach Hamburg wird Adrian Basil-Müller auf Kabali aufmerksam. „In meinem Zug gab es einen medizinischen Notfall, und weil kein Arzt an Bord war, der hätte helfen können, mussten wir in Wittenberge einen unplanmäßigen Stopp einlegen“, sagt Basil-Müller. Beim Blick nach draußen sei ihm der schwarze Notarzt aufgefallen. „Ein Afrikaner mit Notarztweste, und das in einer sehr ländlichen Region. Das fand ich schon ungewöhnlich und begann zu recherchieren.“

Über den Rettungsdienst des Landkreises kommt der Journalist mit Kabali in Kontakt und begleitet ihn in seiner Schicht am 24. und 25. September. „Das ist sehr dramatisch gelaufen an diesem Tag. Dennoch hat es Kabali geschafft, mit seinem schwarzen Humor Distanz zwischen sich und dem Geschehen zu schaffen. Er ist einfach ein wirklich cooler Typ, der auch gern mit der political correctness spielt. Und es hat mich beeindruckt, wie gut er bei den Menschen, bei seinen Patienten, ankommt“, sagt Basil-Müller.

Frederick Spire-Kabali ist 67 Jahre alt und im Ruhestand. Trotzdem fährt er weiter im Rettungsdienst. „Es macht mir riesigen Spaß, Menschen zu helfen. Ich kann nicht aufhören.“ Geboren wurde Kabali in Uganda als Sohn eines Arztes und einer Krankenschwester. Nach der Unabhängigkeit der einst britischen Kolonie Anfang der 60er Jahre bekommt er ein Stipendium für ein Medizinstudium in der UdSSR, geht nach Charkow in der heutigen Ukraine. Später zieht es ihn nach England, und als Diktator Idi Amin mit einem Putsch die Macht in Uganda übernimmt, wird eine Rückkehr zum Risiko.

Nach Deutschland führt ihn der Zufall. „Ich wollte schon immer mal Westberlin besuchen, und als ich hier war, gab es Probleme mit dem Visum. Ein Beamter, den ich über einen Bekannten kennen lernte, hielt die Probleme für völligen Unsinn und sorgte schließlich dafür, dass ich für Deutschland eine Aufenthaltsgenehmigung bekam.“

Nach der Zeit als Assistenzarzt in Hannover und der Ausbildung zum Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin findet Frederick Spire-Kabali an der Aller-Weser-Klinik im niedersächsischen Verden seine Lebensaufgabe, arbeitet hier über viele Jahre.

In die Prignitz kommt Kabali schließlich über eine Agentur, die Mediziner an Krankenhäuser vermittelt. Zunächst übernimmt er Schichten im Kreiskrankenhaus, arbeitet als Anästhesist und Intensivmediziner. „Dann erfuhr ich, dass Notärzte für den Rettungsdienst gesucht werden. Und heute ist es so, dass ich einspringe, wenn Not am Mann ist und es Lücken im Dienstplan gibt.“

Wenn er nicht gerade mit Blaulicht und Martinshorn in der Prignitz unterwegs ist, pflegt Frederick Spire-Kabali den großen Garten seines Hauses in Verden oder ist mit Freunden unterwegs. „Bowling und Wellness, damit kann ich mir gut die Zeit vertreiben“, sagt er. Von seinen eigenen drei Kindern ist nur eins in die Medizin gegangen, die anderen beiden sind Juristen.

Zum Abschied gibt sich
Dr. Kabali nachdenklich. „Manchmal ist es so, dass Patienten ihre Schmerzen vergessen, wenn sie mich sehen. Ich habe dafür nur eine Erklärung: Es ist schwarze Magie.“ Dann setzt er sein breites, afrikanisches Lächeln auf. Ein echt cooler Typ eben.


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