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Cantabile-Chor Bad Wilsnack : Männerstimmen: Rar und kostbar

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Wilsnack Cantabile feiert zehn Jahre: Birgit Bockler spricht über ihren Chor, das Talent zum Singen und die großen Oratorien

von
erstellt am 19.Mai.2016 | 21:00 Uhr

Singen ist Weiberkram. Ein Vorurteil, meint Birgit Bockler. „Männer können genauso gut singen wie Frauen.“ Sie machen es nur nicht so häufig und nicht so gern.

Nur so kann sich Birgit Bockler erklären, dass auch ihr Chor Wilsnack Cantabile ein Männerproblem hat: acht Bässe, drei Tenöre unter 56 aktiven Sängern. „Verstehen Sie das bitte als einen fröhlichen Aufruf an Männerstimmen, sich uns anzuschließen“, sagt sie. Ganz gewiss wären die neuen Männer das schönste Geschenk, wenn Cantabile am 5. Juni um 16 Uhr seinen zehnten Geburtstag feiert und zum Jubiläumskonzert in die Wunderblutkirche einlädt.

Wer sich für einen Besuch entscheidet, darf sich auf einen musikalischen Leckerbissen freuen. Da kann Birgit Bockler noch so oft in aller Bescheidenheit betonen, Cantabile sei ein Laienchor. Das stimmt zweifelsohne, aber sowohl Repertoire als auch Qualität setzen in der Prignitz Maßstäbe.

Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach steht zugleich für die Geburtsstunde des Chores. Damals gab es eine Singegruppe um Christian Reißhaus, die das Oratorium gemeinsam mit der Kantorei aufführte. „Es entstand die Idee, unabhängig von der Kantorei als eigenständiger Chor weiter zu machen“, sagt Birgit Bockler, die wenig später dazu stieß.

Während Christian Reißhaus am Klavier für die musikalische Begleitung zuständig ist, animiert Birgit Bockler zum Singen, hat die Gruppe schrittweise zu einem Konzertchor geformt. Die Aufführung des „Messias“ 2004 anlässlich 100 Jahre Kirche Groß Lüben bezeichnet sie als einen „glanzvollen Höhepunkt“. 2008 folgte mit der „Schöpfung“ von Haydn ein weiteres großes Oratorium.

Aber Birgit Bockler möchte Cantabile nicht auf Kirchenmusik reduzieren. Klezmer gehört längst dazu. Nicht minder erfolgreich war der Chor mit seinem Filmmusikkonzert, darunter Stücke aus Kinohits wie Forrest Gump oder Sister Act. Chansons der 20er und 30er Jahre, romantische Werke von Brahms oder Robert Schumann. „Diese Vielfalt hat den Chor belebt, macht den Konzertbesuchern viel Spaß, und wir wollen diese Breite beibehalten.“ Kostproben davon wird es ebenfalls am 5. Juni geben, das Konzert ist eintrittsfrei.

Nachwuchssorgen, schwächelnde Mitgliederzahlen – die für die Prignitz so typischen Schwierigkeiten in der Vereinsarbeit treffen auf Cantabile nicht zu. Im Gegenteil. „Räumlich haben wir zu unseren Proben kaum noch Platz für weitere Sänger, und Frauenstimmen brauchen wir aktuell nicht.“ Wer in eine Lücke springen möchte, findet sich in einem Chor wieder, dessen Mehrheit seit dessen Gründung Mitglied ist. Angst müsse niemand haben. Es muss auch niemand vorsingen, aber in jedem Fall pünktlich zu den Proben erscheinen, sagt Birgit Bockler, die sich selbst nicht als strenge Leiterin sieht, aber die Messlatte auf eine maximale Höhe legt.

„Auch wenn wir Laien sind, wollen wir nie den Anspruch nach oben verlieren“, beschreibt die studierte Lied- und Oratoriensängerin das Ziel und sieht sich selbst in der Pflicht: „Meine Aufgabe ist es, Wege zu finden, die es den Sängern ermöglichen, dieses Ziel zu erreichen. Das ist ein hoher Anspruch an mich selbst.“

Nach dem Jubiläumskonzert warten die nächsten Aufgaben auf Wilsnack Cantabile. Die Ideen gehen Birgit Bockler nicht aus, und da gibt ja auch noch den Traum vom nächsten großen Oratorium: „Elias“ von Mendelssohn Bartholdy. Aber dafür braucht Cantabile Verstärkung durch einen zweiten Chor, ähnlich wie es die Wilsnacker schon für Carmina Burana gemacht haben. Damals kamen Sänger aus Havelberg und Kyritz dazu. In so einer Zusammenarbeit sieht Birgit Bockler Potenzial und wünscht sich, dass die Chöre der Region mehr zueinander finden. 

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