zur Navigation springen

Bad Wilsnack : Luther und Wikinger besuchen das Pilgerfest

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bühnenstück und Handwerkermarkt zogen am Sonnabend Hunderte Gäste in den Bad Wilsnacker Goethepark

von
erstellt am 21.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Hoher Besuch hatte sich zum Pilgerfest im Bad Wilsnacker Goethepark angekündigt. Kein geringerer als der Reformator selbst, Martin Luther, war gekommen, um sich ein Bild von der Wunderblutsage zu machen. Und er fand deutliche Worte: „Das ist Verdummung der Menschen. Ich werde diese Machenschaften im Auge behalten und dafür sorgen, dass die Wundermittel vernichtet werden. Dann wird das alles brennen“, schrie er dem Publikum entgegen.

Aus Köln und Peine angereist: Annelie und Eddie Hanselka mit Waltraud Alpert (v.l.) kommen seit Jahren nach Bad Wilsnack.
Aus Köln und Peine angereist: Annelie und Eddie Hanselka mit Waltraud Alpert (v.l.) kommen seit Jahren nach Bad Wilsnack.

Ob es sich so oder so ähnlich zugetragen hätte, wenn Luther einst tatsächlich in Wilsnack vorbeigeschaut hätte, bleibt Spekulation. Doch in der gelungenen sechsten Auflage des Laien-Schauspiels „Wahres und Wunderbares aus Wilsnacks Vergangenheit“ hat Bärbel Mann, aus deren Feder die Stücke stammen, dem berühmten Theologen (in diesem Fall Pfarrerin Anna Trapp) diese Worte mit einem Augenzwinkern in den Mund gelegt. Dem Publikum gefiel es, wie das ganze Stück zu Füßen der Wunderblutkirche. Es ging um Intrigen, Liebe und alles mit einer Prise Humor – die perfekte Mischung für einen launigen Nachmittag. So sahen es auch Annelie und Eddie Hanselka aus Köln und ihre Bekannte Waltraud Alpert aus Peine (Niedersachsen), die zu einer Pilgergruppe gehören. „Es hat uns sehr gut gefallen. Besonders schön war, dass das Lied ,Molly Malone’ gesungen wurde, weil wir es als unser Pilgerlied mal auswendig gelernt haben“, erzählt Eddie Hanelka.

Zu Bad Wilsnack haben sie seit vielen Jahren eine Beziehung, machen hier Urlaub und sind mit einer hiesigen Familie befreundet, weil ein Familienmitglied Wurzeln in Köln hat. „Wir kommen immer Ende Juli, Mitte August.“ Noch eine Woche bleiben sie in Bad Wilsnack, dann geht’s zurück in die Heimat.

Die Wikinger: Robin Riemann und seine Frau Karolin.
Die Wikinger: Robin Riemann und seine Frau Karolin.

Begonnen hatte der Festtag mit dem Pilgern von der Plattenburg nach Bad Wilsnack, gut 50 Leute nahmen teil. Auf dem Handwerkermarkt wurde vieles geboten, von Schmuck über Tongeschirr bis hin zu Körben aus den Händen von Korbmacher Herbert Aukthun aus Pritzwalk. „Für einen großen Korb brauche ich etwa fünf Stunden. Dazu kommt eine Stunde Vorbereitung, denn die Weidenzweige müssen bearbeitet werden“, erklärte der Handwerker, während er die Zweige bog.

Wegen ihrer besonderen Tracht fielen Robin Riemann und seine Frau Karolin auf. „Wir sind Rus-Wikinger. Das ist ein Stamm aus Schweden. Ich trage die Tracht eines wohlhabenden Händlers, was an meinem üppigen Schmuck zu erkennen ist“, erklärt Robin Riemann und deutet auf seine Bernsteinketten. Rus bedeute so viel wie „Ruderer“. Auch wenn sie einige Jahrhunderte zu spät seien, fühlten sie sich beim Pilgerfest sehr wohl, meinen die Legder mit einem Augenzwinkern. Viele Besucher interessierten sich auch für den Prignitztaler, der vor Ort aus Zinn geprägt wurde. Dabei half ein 500 Kilo schwerer Fallhammer, bei dem ein Gewicht von 42 Kilo dafür sorgte, dass das Motiv der Wunderblutkriche eingestanzt wird. Dieses Verfahren wurde früher generell angewandt, um Münzen herzustellen. Der Verkaufserlös der Prignitztaler fließt in die Sanierung der Wunderblutkirche, die am Samstagabend bei einer Bauführung besichtigt werden konnte.  
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen