Lotte Lehmann gehörte die Bühne

Die Faszination, die von Lotte Lehmann ausging, die spüre er noch heute, so Thomas Moser, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feierte.  Fotos: Doris Ritzka
Die Faszination, die von Lotte Lehmann ausging, die spüre er noch heute, so Thomas Moser, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feierte. Fotos: Doris Ritzka

Kammersänger Thomas Moser über die Operndiva: „Ich hatte das große Vergnügen, in einer Meisterklasse mit ihr Oper zu machen“

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14. August 2015, 10:47 Uhr

Kaum fällt der Name Lotte Lehmann, sprudelt es nur so aus ihm heraus. Thomas Moser, der mit lyrischen Partien im Ensemble der Wiener Staatsoper begann und Weltkarriere als Heldentenor machte, kannte die Operndiva noch persönlich. Ja, ein wenig auch ihretwegen sei er nun schon das vierte Mal bei der Sommerakademie als Dozent dabei – nicht wegen Perleberg und auch nicht wegen der Akademie. Vielmehr habe er im Leben Menschen getroffen, die ihm sehr geholfen, von denen er viel gelernt habe. Und irgendwie sei da immer ein Gefühl, er stehe in ihrer Schuld. „Obwohl, ich habe dafür bezahlt“, fügt er ein und ein herzhaftes, ansteckendes Lachen erfüllt den ganzen Raum.

Thomas Moser, ein Sänger, der auf internationalen Bühnen zuhause ist, ist so ganz anders, als man sich einen Künstler dieses Formats vorstellt. Doch wie stellt man sich einen Heldentenor vor? Unnahbar, auf einem Podest, ernsthaft und schwer, wie Opern zumeist nun mal sind. Letzteres mag vielleicht noch hinsichtlich der Statur zutreffen, doch ansonsten scheint er den Humor förmlich gepachtet zu haben. Aus seinem Herzen macht er jedenfalls keine Mördergrube. Frei und fröhlich erzählt er, wie er auf die Operndiva traf.

Durch seinen Lehrer, dem er von der Ostküste an die Music Academy of the West in Santa Barbara letztlich gefolgt war, lernte er die Opernsängerin und Dozentin kennen. Sie inszenierte zu jener Zeit in ihrem Sommerkurs La Bohème und suchte für den Part des Rodolfo einen Tenor. Auf Empfehlung besagten Lehrers lud Lotte Lehmann den jungen Thomas Moser zu sich nach Hause ein. „Ich schellte an der Tür – Gebell von hunderten von Hunden antwortete, doch an der Tür tat sich nichts. Das gleiche ein zweites Mal. Und dann stand, den kleinen Türbogen völlig ausfüllend, eine Frau vor mir und bat mich in den Vorraum.“ Ungeschminkt, die Haare von einem Netz gehalten, Schulterpolster, wie man sie in den 40er Jahren trug, kurzum, vom Äußeren eher eine graue Maus. „Das Funkeln von einem grünen Diamanten spiegelt sich in ihren Augen wider, wenn sie vor ihrem Publikum stand, majestätisch in ihrer langen Robe – das war die Bühnen-Lehmann.“

Die Meisterklasse selbst habe ihm damals nicht viel gegeben, „aber Madame Lehmann. Ausstrahlung und Charisma auf der Bühne, wenn man das überhaupt lernen kann, er habe es von ihr zumindest erfahren. Sie war die Ratgeberin, „Gesang hat sie nicht unterrichtet. Wie man eine Rolle interpretiert, das war ihr Metier“. Kurzerhand nahm sie so den jungen Thomas Moser in den Arm, drehte sich in Richtung Publikum und sagte: „Ich weiß nicht, warum ich den jungen Dingern immer zeigen muss, wie man Liebe macht.“ Und während Moser seine Duett-Partie sang, sprach sie die der Mimi – „in reinstem Italienisch obwohl sie selbst diese immer nur in Deutsch gesungen hat“.

Als Walküre habe er sie noch einmal erlebt, dann nie wieder gesehen. Die Faszination, die von ihr ausging, die spüre er aber noch heute. „Die Bühne gehörte ihr.“

Nach Perleberg sei er gekommen, weil man ihn gefragt habe. Inzwischen hat er zum vierten Mal angehende Gesangsprofis unter seinen sprichwörtlichen Fittichen. „Das Klientel hier ist noch sehr gemischt. Es gibt aber zweifelsohne noch mehr junge Sänger, die an der Akademie teilnehmen sollten, denen aber das Geld fehlt.“ Die Unterstützung der Stadt und der Sponsoren sei toll, „es fehlt einfach noch ein Engel, der sagt, ich bezahle die Kursgebühren für fünf bis sechs Leute“. Je mehr von jenen, die die Lehmann-Akademie absolvierten, auf den großen Bühnen ihren Weg gehen, um so mehr werde die Akademie ausstrahlen, ist sich Thomas Moser sicher.Die Akademie mit anderen Einrichtungen zu vergleichen, das wolle er nicht. „Alles was ich sonst kenne, ist lange etabliert und schwimmt im Geld. Die Leute, die hier als Dozenten arbeiten, sind alle erste Sahne. Bessere Ratschläge werden die Teilnehmer nicht bekommen, nur teure.“

Das Niveau der Schüler sei von Jahr zu Jahr höher. „Und wenn man mich auch im nächsten Jahr möchte, bin ich wieder da.“  

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