Lokführer sind heiß begehrt

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01. Juni 2012, 07:53 Uhr

Wittenberge | Hätten Sie vermutet, dass der überwiegende Teil des Rangierdienstes im Überseehafen von Bremerhaven durch eine Wittenberger Firma organisiert und durchgeführt wird? Dabei ist das nur ein Großprojekt der AmE Raillogistik GmbH. Mineralöltransporte für die RBH Logistik Gladbeck oder Fahrten für die SBB Cargo aus der Schweiz gehören ebenfalls seit langem zu den Aufträgen des hiesigen Eisenbahnverkehrsunternehmens. Eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte, die ins elfte Jahr geht.

Der geschäftsführende Gesellschafter Marco Bruß ist kein Mann der großen Worte. Die Mappe mit den Pressebeiträgen über das Unternehmen ist schmal, um nicht zu sagen hauchdünn. Dabei gibt es Vieles über das Unternehmen zu berichten, zum Beispiel über die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen. "Mit zwei Personen sind wir gestartet, haben am 28. Februar 2002 unseren ersten Zug gefahren", sagt Bruß. Seitdem stieg die Mitarbeiterzahl auf 137, erst vor wenigen Tagen wurden drei Kollegen eingestellt. "In unserer Branche sind wir damit die Nummer 2 in Deutschland hinter einer Mannheimer Firma", sagt Marco Bruß.

Wenn ein Auftragnehmer einen Transport von A nach B wünscht, kann er bei der Rail logistik anrufen. "Wir bestellen die Trasse, setzten unsere Lokführer und Rangierbegleiter ein. Kurzum, wir machen das Gesamtpaket", erklärt Eisenbahnbetriebsleiterin Karin Kelm. Die Firma sei täglich 24 Stunden besetzt.

Schnell spürten die vier Gesellschafter, dass die Auftragslage die eigenen personellen Möglichkeiten überstieg. Deshalb begann die Firma, 2007 selbst Lokführer auszubilden. "Den theoretischen Teil übernimmt DB Training in Berlin, die Praxis machen wir selbst", so Karin Kelm. Eine abgeschlossene Berufsausbildung, idealerweise in einem technischen Beruf, seien Voraussetzung für den zehnmonatigen Kurs. "Es handelt sich um eine Allroundausbildung, die nicht nur auf unsere eigene Zwecke zugeschnitten ist", betont Kelm.

Wer am Ende die Prüfungen besteht, halte die Jobzusage fast zeitgleich in Händen. "Wir suchen ständig Mitarbeiter, setzten sie deutschlandweit ein", sagt Bruß. Sehr gern würde das Unternehmen Prignitzer Arbeitslosen eine Chance geben, doch der Zulauf sei dürftig. Jobcenter und Arbeitsagentur würden äußerst selten einen Kursteilnehmer vorschlagen. "Nur eine Handvoll unserer Kollegen kommt aus der Prignitz, der überwiegende Teil aus den ostdeutschen Bundesländern." Ganz andere Erfahrungen mache Raillogistik mit dem Jobcenter Berlin, das sehr zuverlässig Kursteilnehmer schicke.

Marco Bruß bedauert das sehr in Anbetracht der hiesigen Arbeitsmarktsituation , denn gerade ältere Arbeitnehmer hätten durchaus gute Perspektiven. "Unsere Erfahrung ist, das Kursteilnehmer mit 50, teils sogar mit 55 Jahren erfolgreich bestehen und sehr engagiert arbeiten", sagt er. Im März sei ein Kurs für Lokführer mit 15 Teilnehmern gestartet, im Herbst soll ein weiterer folgen. "Wir würden sie alle übernehmen", bekräftigt Bruß. Das Unternehmen bilde außerdem in Bremerhaven Rangierbegleiter aus. "Wir haben einen Betriebsrat, zahlen nach Tarif und wer außerhalb arbeitet, bekommt eine volle Kostenerstattung", skizziert der Geschäftsführer die sozialen Arbeitsbedingungen.

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