Schulbücher für die Prignitz : Lokale Buchhändler bleiben außen vor

Karin Steinberg von der Buchhandlung „Lesezeichen“ in Wittenberge ist mit der Auftragsvergabe nicht zufrieden.
Karin Steinberg von der Buchhandlung „Lesezeichen“ in Wittenberge ist mit der Auftragsvergabe nicht zufrieden.

Hiesige Läden haben bei weiterführenden Schulen das Nachsehen, weil der Landkreis andere Lieferanten für Schulbücher nutzt

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11. August 2016, 21:00 Uhr

Das Vorgehen des Kreises bei der Auftragsvergabe für Schulbuchlieferungen stößt bei hiesigen Buchhändlern auf Unverständnis. Dem Kreis sind die weiterführenden Einrichtungen, also zum Beispiel Gymnasien und Oberstufenzentren, unterstellt. Brauchen diese neue Bücher, werden sie nicht über örtliche Händler bezogen, sondern von weit her. „Das kann ich nicht verstehen. So unterstützt man doch nicht die lokale Wirtschaft“, meint Eva-Maria Lätzsch, Inhaberin der Stern-Buchhandlung in Wittenberge. Dass Großhändler billiger seien als ein Geschäft in der Prignitz, könne nicht der Grund sein. „Es gibt ja die Buchpreisbindung.“

Anders läuft es bei den Schulbuchbestellungen für die Grundschulen. „Diese unterstehen den Gemeinden. Und die Stadt Wittenberge bestellt abwechselnd bei den Händlern im Ort“, erzählt Eva-Maria Lätzsch.

Als ungerecht sieht Karin Steinberg von der Wittenberger Buchhandlung „Lesezeichen“ die Vergabe an. „Den Buchhandlungen in der Prignitz geht es nicht gut, eine in Wittenberge musste schon schließen. Und jetzt die Vergabe in einer begrenzten Ausschreibung nach Hamburg“, kritisierte sie. „Der Landkreis sollte sich stärker bemühen, die heimischen Unternehmen zu berücksichtigen. Da gibt es schon Möglichkeiten, dass solche Aufträge in der Prignitz bleiben. Schließlich geht es nicht nur um die Erstversorgung zu Beginn des Schuljahres, sondern auch um diverse Nachbestellungen in den folgenden Monaten.“

Laut Annette Löther, Sprecherin des Landkreises, erfolgt die Ausschreibung für Schulbuchlieferungen gemäß einer Vergabeverordnung bundesweit. „Gewonnen hat eine Buchhandlung aus Hamburg“, erklärte sie auf Redaktionsanfrage. Ob sich auch hiesige Läden an der Ausschreibung beteiligt haben, könne sie nicht sagen.

Unzufrieden ist auch Buchhändlerin Claudia Frentzel vom Geschäft „Kapitel 15“ in Perleberg mit dem Vorgehen des Landkreises. „Das schadet den heimischen Unternehmen, wir brauchen diese Aufträge und Kunden“, betonte sie. Man könne nicht immer nur klagen, dass es zu wenige Geschäfte und Angebote in der Stadt gebe, wenn das Geld auf diese Weise abfließe. „Und so gut läuft es in Perleberg auch nicht“, konstatierte sie mit Blick auf schließende und leerstehende Läden, von denen einige dann zu Büros umgenutzt werden. Claudia Frentzel sieht die Entscheidung des Landkreises auch als Belastung für sich und andere Buchhändler. „Wir haben massiv mit dem Trend zu E-Books und den Bestellungen im Internet zu kämpfen. Deshalb habe ich nach Geschäftsübernahme auch selbst Bestellmöglichkeiten über das Internet aufgebaut. Die Vergabe der Buchversorgung für die weiterführenden Schulen nach Hamburg hilft da nicht weiter. Zumal ich auch den Sinn nicht verstehe, die Bücher sind preisgebunden und auch mögliche Rabatte sind vom Börsenverein des deutschen Buchhandels festgeschrieben“, so Claudia Frentzel.

Der Gesetzgeber habe die Vergabe so vorgegeben, um „Hoflieferanten zu verhindern“, sagte Cornelia Steffen, Geschäftsführerin Buchhandlung Steffen GmbH, die auch in Pritzwalk vertreten ist. „Das lief alles nach Recht und Gesetz, da können wir nichts machen.“  
 

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