zur Navigation springen

Hochwasser in der Elbniederung : Löcknitz flutet Felder um Wustrow

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach dem Dauerregen in der vergangenen Woche leiden besonders Landwirte unter den Wassermassen des kleinen Flusses

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Wasser, so weit das Auge reicht. In einigen Niederung zwischen Bernheide und Wustrow hat das Flüsschen Löcknitz nach dem Dauerregen der vergangenen Woche zwischenzeitlich Felder und Wiesen überflutet. Die Böden können kein Wasser mehr aufnehmen, die Abflussgeschwindigkeit des Flusses ist in der Ebene zu gering. Während die Pegel von Stepenitz und Dömnitz schnell wieder unter die Warngrenzen fielen, staut sich nach ein paar Tagen immer noch das Wasser rund um Wustrow.

Landwirt Siegmund Mackel macht gegenüber dem „Prignitzer“ seinem Unmut Luft. „Wir privaten Bauern sind davon akut bedroht“, sagt er. „Keiner macht was, ich weiß nicht, wie es hier weitergehen soll. Wir mussten Rinder retten, die teilweise nur noch auf Inseln standen“, so der Wustrower.

Die Hochwasserwarnungen für die Löcknitz würden von den Behörden ausgespart, es würden keine Überflutungsgebiete ausgegeben, prangert er an. „Der Knackpunkt ist, dass die Löcknitz einfach nicht saniert wird. Wir holen privat Bäume aus dem Fluss.“ Zuletzt habe es 2002 solche Wassermassen auf den Wiesen gegeben, so Siegmund Mackels Sohn Paul: „Man vergisst die Bauern, die Hochwasserprobleme werden von den Behörden ignoriert“. Auch Landwirt Günter Lohr aus Bernheide musste Notmaßnahmen ergreifen. „Ab Sonntagvormittag haben wir Tiere evakuiert, Heuballen von Weiden geholt, die sonst mit dem Höchststand am Sonntagabend abgesoffen wären“, sagt Lohr. Das Problem sei hausgemacht, die Löcknitz werde nicht entkrautet. Auf acht seiner insgesamt 18 Hektar wollte Lohr noch das Gras verheuen, nun bekommt er es nicht weg, die feuchten Böden sind zu weich für das schwere Gerät.

Einige Wiesen rund um Wustrow hatten sich zwischenzeitlich in kleine Seen verwandelt.
Einige Wiesen rund um Wustrow hatten sich zwischenzeitlich in kleine Seen verwandelt. Foto: Paul Mackel

Die Zustände seien nicht unbekannt und auch nicht neu, so Bernd Lindow, Sachbereichsleiter Natur- und Gewässerschutz des Landkreises. „Der Mittel- und Oberlauf haben ein vergleichsweise großes Gefälle, das heißt, es läuft ganz gut bergab. Zwischen Gadow und Wustrow tritt die Löcknitz ins Urstromtal ein, da ist das Gefälle niedriger, die Fließgeschwindigkeit verringert sich, die Stelle bei Wustrow ist eine kritische“, so Lindow. Zusammen mit den Regenfällen von 80 bis 120 Liter auf den Quadratmeter in 24 Stunden seien die Stände nicht verwunderlich.

Seit vergangenem Donnerstag steuerten Mitarbeiter des für den Fluss zuständigen Wasser- und Bodenverbandes Prignitz mit Regulierungen der Wehre dagegen, so Verbandsgeschäftsführer Frank Schröder. „Damit werden wir auf dieser Langsamfließstrecke das Wasser aber auch nur langsam los.“ Zudem müsse das Wasser gestaffelt abgeführt werden. „Wenn wir wild regulieren, hat ein Anlieger am oberen Lauf kurzfristig was davon, dann stehen die Unterlieger aber schlagartig im Wasser.“ Jedoch habe man die Probleme gesehen, so Schröder und werde auf Anregung der Unteren Wasserbehörde des Kreises die Daten des Hochwassers im Sommer auswerten und sich neu über die Wehrregulierung verständigen. Auch über eine Grundräumung denke man nach, heißt: „Dort, wo die Löcknitz so langsam fließt, könnte man Sedimente vom Grund entfernen“, blickt Schröder voraus.

Das wird den Landwirten kurzfristig nicht helfen. Was sie nicht retten konnten, verfaule gerade auf den Äckern, sagt Paul Mackel und wünscht sich Entschädigungen für die Ernteeinbußen. „Bei erheblichen Beeinträchtigungen, die an die Existenz gehen, ist die Politik gefragt zu helfen“, meint Frank Schröder.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen