Erste Prignitzer Zumba-Party : Lockere Hüfte und Rhythmus im Blut

Schwitzen für die Reportage: „Prignitzer“-Volontärin Susann Matschewski powerte sich bei der Zumba-Party aus.
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Schwitzen für die Reportage: „Prignitzer“-Volontärin Susann Matschewski powerte sich bei der Zumba-Party aus.

Wenn Instruktoren stundenlang eine ganze Sporthalle nach ihrer Pfeife tanzen lassen, nennt sich das Zumba-Party / Spaß machte es trotzdem

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26. März 2014, 22:50 Uhr

Leuchtend pinke Frottee-Stirnbänder gepaart mit neongelber Radlerhose und fescher Palme auf dem Kopf kann ich bei einem forschenden Blick in die Menge tatsächlich nicht erkennen. Zum Glück – hab’ ich mir doch genau diesen albtraumhaften Achtzigerjahre-Aerobic-Chic bei meinen Mitstreiterinnen heute Abend ausgemalt. Wer das Video zu „Call on me“ kennt, weiß, was ich meine. Weiter komme ich mit meinen Gedanken nicht, denn schon gehen die Lichter aus, durch die Dunkelheit zucken nun bunte Laserstrahlen. Dazu ohrenbetäubende Discomusik. Jetzt bin ich mittendrin. Startschuss für die erste Prignitzer Zumba-Party im Top Fit Aktivpark in Wittenberge.


Drei Stunden mit den „Drill-Instructors“


Oder noch nicht ganz. Erstmal stehen 105 Frauen – und ein Mann – dicht gedrängt in der Badminton-Halle und warten darauf, dass der Moderator, nach seiner lautstarken Begrüßung endlich mal fertig wird und wir sporteln dürfen. Vor uns liegt ein Zumba-Marathon. Wir sind bereit, drei Stunden lang nachzumachen, was uns – ein wenig salopp ausgedrückt „Drill Instructors“, ausgebildete und zertifizierte Zumba-Trainerinnen – auf der Bühne vortanzen. Freiwillig? Ja, freiwillig. Schließlich soll die körperliche Tortur nicht nur massig Kalorien verbrennen, sondern auch noch großen Spaß machen, so die Verheißung. Viele sind zum ersten Mal dabei, ich auch. Was ich schon weiß: Für hüftsteife Bewegungslegastheniker ist Zumba nichts. Der Fitnesstanz kommt ursprünglich aus Kolumbien. Dort haben die Menschen Feuer im Blut. Das lässt sich von den Deutschen nun wirklich nicht behaupten.

Wie zum Beweis kommt das erste Lied, zu dem wir uns nun bewegen wollen, von Jennifer Lopez. Die kommt doch aus Kolumbien. Oder war’s Puerto Rico? Egal. Die vier Zumba-Profis stürmen die Bühne. Und los geht’s: Wir gehen auf der Stelle, klatschen dabei in die Hände. Check. Jetzt die Arme zur Seite strecken, sie abwechselnd nach links und rechts schwenken, dabei weiter auf der Stelle treten und dabei den Körper um die eigene Achse drehen. Auch das geht noch ohne Probleme.

Allerdings rächt es sich so langsam, dass ich mich feige in die hinterste Ecke gestellt habe. Von hier aus kann ich kaum erkennen, was vorn auf der Bühne passiert. Bei der nächsten Übung sehe ich nur noch ein paar Arme und Beine, ab und zu taucht ein Kopf auf. Ich kann mich nur an meiner Vorderfrau orientieren, die aber der Übung offenbar nicht ganz folgen kann. Oder sie sieht genauso wenig wie ich. Jedenfalls wirkt sie ein wenig hilflos, wie sie da von links nach rechts und wieder zurück hüpft und dabei mit den Armen rudert.

Aber beim Zumba geht es gar nicht darum, die teils komplizierten Choreografien eins zu eins zu kopieren, wie mir die Zumba-Trainerinnen in der Pause erklären. „Zumba ist keine Tanzstunde. Der Spaß an der Bewegung steht im Vordergrund“, stellen sie klar.

Irgendwie schaffe ich es dann aber doch, mich ein paar Meter weiter nach vorn zu mogeln. Jetzt kämpfe ich zwar alle paar Minuten mit einer älteren Dame um die wenigen Quadratmeter Platz, dafür habe ich einen besseren Blick auf die Bühne. So langsam macht das Ganze richtig Spaß. Es fühlt sich manchmal sogar so an, als könnten meine Bewegungen auch von außen ganz gut aussehen.

Der Hüftschwung gelingt hin und wieder, genauso oft aber auch wieder nicht. Zumba ist eben Übungssache. Je öfter man es macht, desto eher bekommt man die Shakira-Hüfte. Regelmäßiges Training sei außerdem nicht nur gut für Kondition und Koordination, sondern verbessert auch die Rücken- und Rumpfmuskulatur, lerne ich von den Profis. Schaden kann’s also nicht.

Eineinhalb Stunden nonstop Tanzen sind schon ’rum. Eine Pause musste ich noch nicht einlegen. Ich bin stolz auf mich. Bin ich doch nicht gerade die typische Sportskanone. Um meine Kondition ist es sogar ziemlich schlecht bestellt. Zumba strengt definitiv an. Ich finde es aber nicht so kräftezehrend, dass ich das Gefühl habe, gleich vor Schwäche tot umzufallen. Gleichzeitig bin ich aber auch nicht unterfordert. Mein Top klebt zumindest schon am Rücken.


„Ich kann nicht mehr, aber es fühlt sich gut an“


Die Musik steppt durch die Stile, von lateinamerikanischen Rhythmen über Hip-Hop bis zur Schlagermusik ist alles dabei. Bei Helene Fischer singen alle mit. Nicht unbedingt mein Ding, aber ich kann eh nicht mehr aufhören zu tanzen. Selbst zwischen den Songs ist Stillstehen kaum möglich. Ich mache Sport und merke gar nicht, dass ich Sport mache. So sollte das immer sein.

Nach einer halben Stunde Pause geht es in die zweite Halbzeit. Langsam aber sicher zeigen sich bei mir dann doch Ermüdungserscheinungen und ich mache immer öfter nur noch halbherzig mit. Die Trainerinnen erweisen sich aber als gute Motivatoren und lassen den „Drill Instructor“ ’raushängen. Sie sehen genauso verschwitzt und rotgesichtig aus wie wir alle, trotzdem sind sie noch voller Energie. Kein Wunder, denke ich, im Gegensatz zu uns wechseln sie sich auch ab und können zwischendrin mal durchatmen. Trotzdem spornen uns ihre Power-Auftritte an durchzuhalten.

Aber irgendwann reicht es dann wirklich. Die Luft ist raus. Nach eine Zugabe ist gegen 21 Uhr Ende. Wir applaudieren. „Ich kann nicht mehr“, stöhnt jemand links von mir. Ich auch nicht. Aber es fühlt sich gut an. Den Zumba-Hype kann ich jetzt nachvollziehen. Ich ertappe mich dabei, wie ich überlege, wann sich das nächste Mal Gelegenheit dazu bietet. Denn Zumba macht tatsächlich Spaß. Nur müssen es nicht jedes Mal drei Stunden sein.

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