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Verkehr auf der Landesstraße 137 : Lkw lassen Gläser klirren

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Aus der Redaktion des Prignitzers

In Breetz reisen Urlauber entnervt ab / Anwohner fordern Lkw-Verbot und Straßenausbau / Landesbetrieb macht keine Hoffnungen

von
erstellt am 07.Jan.2015 | 12:49 Uhr

Sie fürchten um ihren Schlaf, ihre Häuser, ihre Urlaubsgäste. Breetzer stöhnen nach Monaten des Stillschweigens wieder laut auf. Sie klagen über den aus ihrer Sicht starken und weiter zunehmenden von Lenzen über Seedorf und Breetz hinüber nach Mecklenburg-Vorpommern. In einem Schreiben an den Landesbetrieb Straßenwesen fordert der Breetzer Horst Oppenhäuser Abhilfe.

„Seit drei Wochen fahren Tag und Nacht große Transporter mit Zuckerrüben ständig durch den Ort, meist in Gruppen von zwei bis vier Fahrzeugen. Diese fahren  gerade in den Nachtzeiten mit überhöhter Geschwindigkeit über die nur notdürftig ausgebesserten Straßen“, schreibt er. In den Häusern seien die Erschütterungen zu spüren.

Der Vermieter von Ferienwohnungen zitiert eine Urlauberin so: „In der Nacht bin ich mehrfach aufgewacht weil das Haus bebte, das Bett wackelte und die Scheiben klirrten.“ Auch während der Feiertage und an den Wochenenden rolle der Verkehr. „Diese Urlauber wollen nicht wiederkommen“, sagt Oppenhäuser.

Bis Ende Januar soll die Verkehrsintensität unverändert hoch bleiben, so Oppenhäuser. Dabei beruft er sich auf Aussagen der Brummifahrer. Seine Forderungen an die Landesbehörde, die er auch im Namen weiterer Bewohner stellt, sind eindeutig: „Ich bitte Sie daher, umgehend die L 137 für den Schwerlastverkehr zu sperren.“

Das wird nicht geschehen. So lautet die gestrige Antwort von Dr. Cornelia Mitschka, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. „Landes- und Bundesstraßen sind dazu da, den überörtlichen Verkehr aufzunehmen und dieser besteht nun mal überwiegend aus Lkw“, sagt sie.

Sie verweist auf das seit Jahren reduzierte Budget für Instandhaltung: „Das ist verdammt gering und wenn dann noch die Straße wenig befahren ist, sind die Aussichten schlecht.“

Nackte Zahlen der Behörde bilden die Grundlage, wofür das wenige Geld ausgegeben werde. Selbst wenn Anwohner von einer für sie hohen Verkehrsdichte oder von einer Zunahme sprechen, habe das im landesweiten Vergleich noch keinen verlässlichen Aussagewert, dämpft sie weitere Hoffnungen.

Der zuständige und von Horst Oppenhäuser am 29. Dezember angeschriebene Mitarbeiter Frank Schmidt zerstört letzte Hoffnungen: „Ein Ausbau ist in absehbarer Zeit nicht vorgesehen.“ Zugleich verweist er auf den Landkreis. Dieser ist zuständig für eine Begrenzung der Tonnage.

Gehwege liegen in Zuständigkeit der Gemeinde, in diesem Fall Lenzen.

Dem winzigen Dorf an der Landesgrenze droht ein ähnliches Schicksal wie Kuhbier an der B 189. Mehr als zwei Jahrzehnte lang hatten die Kuhbierer mit politischer Unterstützung für eine Ortsumgehung gekämpft, bis diese die Ende 2013 übergeben wurde. Das Breetzer Problem ist ebenfalls nicht neu. Schon 2010 und 2013 wandte sich Horst Oppenhäuser an den Landesbetrieb.

In den Schreiben wies er auf Besonderheiten der Ortslage hin. Es gibt keinen Gehweg, die denkmalgeschützten und teils aufwändig sanierten Bauernhäuser stehen nur etwa zwei Meter von der Fahrbahn entfernt. Oppenhäuser sagt: „Die Straße ist weder geeignet für den Schwerlastverkehr, noch ist es nach Fertigstellung der B 195 notwendig, dass die gesamte Verkehrsbelastung des Abschnittes Lenzener Wische von einer ungeeigneten Landesstraße und deren Anwohnern getragen wird.“ Er spielt auf den vollständig sanierten Abschnitt der B 195 zwischen Lenzen und Dömitz an. Diese Fahrstrecke sei auch nur 2,5 Kilometer länger und bei vorschriftsmäßiger Fahrweise sogar eine Minute schneller.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, gab es in der Vergangenheit mehrere Protestaktionen. In Seedorf sperrten Anwohner mehrfach die Straße – allerdings mit bescheidenen Auswirkungen auf den Verkehr. Jetzt wolle Oppenhäuser prüfen lassen, ob und welche Schäden an den Häusern entstanden seien. Zugleich lädt er den Landesbetrieb nach Breetz ein. Der Mitarbeiter könne gerne in der Ferienwohnung schlafen – wenn er dazu kommt.

 

 

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