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Linkes Lager stört rechten Aufmarsch erheblich

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

700 Beamte sichern Kundgebung in Wittenberge und Gegenveranstaltungen / Mehrere Festnahmen

Die Polizei spricht von einem erfolgreichen Einsatz während einer Neonazikundgebung in Wittenberge. Sowohl die Versammlung der Rechten als auch Gegenveranstaltungen konnten weitgehend gesichert werden. Zu Zwischenfällen kam es dennoch.

Der folgenschwerste ereignete sich noch vor dem Beginn des rechten Aufzuges durch vermummte Teilnehmer des Spazierganges für Toleranz. „Auf der Perleberger Straße kam es zu einem Angriff auf die begleitenden Brandenburger Polizeibeamten“, sagte Toralf Reinhardt, Pressesprecher der Polizei. Die Polizisten wehrten sich, zogen ihre Schlagstöcke.

Mutmaßlich in dieser Rangelei wurden zwei Teilnehmer des linken Spektrums leicht verletzt, so Reinhardt. Sie hätten sich zunächst der Identitätsfeststellung und einer möglichen ärztlichen Behandlung entzogen und liefen weg. Allerdings meldete sich kurz darauf ein leicht Verletzter im Klinikum. Er stellte Anzeige gegen Polizeibeamte wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt.

Im Horning kam es nach Schilderungen der Polizei zu einem weiteren Angriff auf Beamte. Ein offensichtlich aus dem linken Spektrum stammender Versammlungsteilnehmer griff die Beamten mit einer Fahnenstange an. Mehrere Polizisten rangen ihn nieder. Der Mann schrie und wehrte sich. Er wurde vorläufig festgenommen und die Fahnenstange als Beweismittel sichergestellt. Bereits zuvor hatte die Polizei einen Böllerwerfer aus dem linken Spektrum zeitweise in Gewahrsam genommen.

Spontane Versammlungen vereitelten den Ablauf des geplanten Aufzugs. Mehrfach stockte dieser, wurde umgeleitet. Zwar konnte eine später angereiste Gruppe von Teilnehmern durch polizeiliche Begleitung vom Bahnhof aus noch an der Versammlung teilnehmen, aber letztendlich einigten sich Polizei und Anmelder, den Aufzug abzukürzen.

Das Bündnis Nazifrei bewertet den Polizeieinsatz kritisch. Der Erfolg der Blockaden wurde mehrmals überschattet von dem „unverhältnismäßig brutalen Vorgehen der Polizei“, wie zum Beispiel das Stoppen des „Spaziergangs für Toleranz“ mit Pfefferspray und Schlagstockeinsatz, heißt es in der Presseerklärung.

Das Bündnis „Wittenberge Nazifrei“ zeigt sich zufrieden mit diesem Tag. „Wir sind sehr erfreut darüber, dass so viele Menschen unserem Aufruf gefolgt sind. Wir möchten an dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle aussprechen, die heute in Wittenberge auf die Straße gegangen sind“, so der Sprecher des Bündnisses, Thomas Müller.

Die Polizei spricht von mehr als 20 Anzeigen, fast ausschließlich gegen Mitglieder des linken Spektrums. Zwei Anzeigen wurden gegen Teilnehmer des rechten Aufzuges wegen Verstoßes gegen das Vereinsgesetz aufgenommen.
Sichergestellt wurden u. a. zweimal Reste von Pyrotechnik, 14 rohe Eier, ein Springmesser, ein Paar Quarzhandschuhe und eine Sturmhaube, acht Tütchen mutmaßliche Drogen und eine Hanfmühle. Bei Teilnehmern des Aufzuges rechts wurden zwei Transparente mit Bezug zum „Volkstod“ sichergestellt.
Seiten 8 und 9

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erstellt am 06.Apr.2014 | 15:18 Uhr

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