zur Navigation springen
Der Prignitzer

18. November 2017 | 22:51 Uhr

Linden: In Reetz, da gehts doch nicht

vom

svz.de von
erstellt am 22.Feb.2013 | 08:41 Uhr

Reetz | Die Karnevalssaison ist vorbei, doch so manchem Reetzer sei ohnehin nicht zum Lachen. Denn das Motto des ansässigen Faschingsclubs "In Reetz, da geht’s" treffe nicht zu, wenn es um die alten Linden an der Reetzer Ortsdurchfahrt geht. Neu aufgeflammt ist die Diskussion darüber, als Reetzer unlängst im "Prignitzer" von der Fällung der 44 Linden in der Wittenberger Johannes-Runge-Straße lasen. "Die Straßenmeisterei setzt hier auf die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer und deren Eigentum. Die Verkehrssicherheitspflicht wird hier ernst genommen, und das ist richtig so", heißt es in einem Schreiben an unsere Redaktion.

Die Linden in Wittenberge, Bäume mit einem Alter von rund 70 Jahren, fallen allerdings nicht aus Verkehrssicherungsgründen, sondern im Zuge des Ausbaus dieser Straße. Damit verbunden ist nämlich die Erneuerung des gesamten Rohrleitungssystem, das unter den Bürgersteigen und teilweise der Fahrbahn verläuft. Das Wurzelwerk der Bäume sei in die jetzigen maroden Leitungen gewachsen. Es wird befürchtet, dass die Bäume die Baumaßnahme nicht überstehen. Ebenfalls wegen des vorgesehenen Straßenausbaus wurden die alten Zierkirschen in der Berger Friedensstraße gefällt. Die Bäume seien brüchig, ihre Wurzeln hätten Entwässerungsrohre beschädigt, Gehwegplatten gebrochen oder Granitborde verschoben.

In beiden Fällen hat die zuständige Behörde beim Landkreis die Fällgenehmigung erteilt. In Reetz hat sie sie vor gut einem Jahr versagt. Damals hatte das Amt Putlitz-Berge im Auftrag der Gemeinde Gülitz-Reetz einen Fällantrag gestellt. Dem voraus gegangen war bereits 2011 eine Unterschriftensammlung, mit der 70 Anwohner eine Fällung, zumindest aber ein deutliches Einkürzen der Bäume gefordert hatten. Die laut Dorfchronik 1899 gepflanzten Linden stehen ohnehin nur noch auf einer Seite der Ortsdurchfahrt, die auf der gegenüberliegenden fielen bereits 1959 einem Sturm zum Opfer.

Seitdem sind über 50 Jahre vergangenen, die Bäume seien nicht besser geworden. "Die Schräglage und die Risse in den Linden und damit die Gefahr für die Einwohner wird von Jahr zu Jahr größer. Hinzu kommt noch, dass durch die starke Wurzelbildung die Straßenentwässerungsleitung fast zu ist. Bei einem starken Regenschauer wird das Regenwasser zu einem Fluss und fließt die Dorfstraße ’runter und spült dabei die Pflastersteine aus", heißt es in dem Brief. Damit werde die 1930 gebaute Dorfstraße, "die ohnehin nicht für die heutigen 40-Tonner gebaut ist, also durch Regenwasser zusätzlich belastet".

Das Gutachten, das der Landkreis 2011 von einer Fachfrau aus Neuruppin erstellen ließ, zweifeln Reetzer Anwohner an, denn "von zwei im Kreis ansässigen Gartenbaubetrieben wurde der Rückschnitt bzw. die Fällung einiger Linden vorgeschlagen". Doch deren Meinung passe der unteren Naturschutzbehörde nicht, weshalb sie "für viel Geld ein neues Gutachten in Auftrag gegeben " habe. Dies sei aber ohne technische Hilfsmittel "nur mit Hilfe von drei Fotoapparaten" erstellt worden, lautet die Kritik aus Reetz. Kritisiert wird ebenso die Gemeindevertretung von Gülitz-Reetz mit dem Bürgermeister an de Spitze, die sich "nicht für die Interessen bzw. Forderungen, die durch die Unterschriftensammlung bekräftigt wurden, einsetzten. Der nicht erfolgte Widerspruch gegen die Entscheidung der unteren Naturschutzbehörde ist dafür Beweis genug", heißt es in dem Schreiben. Bürgermeister Thomas Breitlauch hatte seinerzeit dem "Prignitzer" gegenüber geäußert, dass man nicht in Widerspruch gehe, weil das Unterfangen keinen Erfolg verspreche. Das habe ein Gespräch mit der unteren Naturschutzbehörde ergeben. Den betroffenen Anwohnern bleibe nur der Weg der Klage.

Bernd Lindow, zuständiger Sachgebietsleiter der unteren Naturschutzbehörde, hatte sich nach der Ablehnungsentscheidung aber auch gesprächsbereit gezeigt, denn eine verwaltungsrechtliche Diskussion zum Thema Reetzer Linden über die Presse halte er für wenig sinnvoll. Und auch unsere Redaktion hatte in einem Kommentar gefordert, endlich miteinander zu reden. Dazu scheint es aber nicht gekommen zu sein, jedenfalls beanstanden das die Reetzer in ihrem Schreiben. Bis heute haben sie auch nach eigenen Angaben keine Auskunft dazu erhalten, wer im Schadensfall die Kosten trägt. "Mit der Auskunft des Bürgermeisters, wir seien beim KSA (Kommunaler Schadensausgleich, Anm. d. Red.) versichert, sind die Reetzer Bürger nicht einverstanden." Der KSA selbst habe auf entsprechende Nachfrage "die Versicherungsbedingungen nicht ausgehändigt. In Reetz versteht man nicht, warum "mit zweierlei Maß gemessen" werde, andernorts großzügig die Säge angesetzt werden dürfe, nur nicht an den alten Linden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen