Letzter Vorhang für die Klehmets

Bevor sich ein letztes Mal der Vorhang am Sonnabend für die Klehmet’s hob.
Bevor sich ein letztes Mal der Vorhang am Sonnabend für die Klehmet’s hob.

Seetzer Dorftheater begeisterte letztmalig mit dem „Jedermann“ in der St. Jacobi-Kirche und denkt über neues Theaterkapitel nach

23-11368046_23-66107915_1416392335.JPG von
19. April 2015, 13:34 Uhr

Zum fünften und damit definitiv letzten Mal hob sich am Sonnabend der Vorhang für „Jedermann – das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“. Und dafür hatte sich das Seetzer Dorftheater mit dem Pfarrerehepaar i. R. Klehmet die Perleberger St. Jacobi-Kirche ausgesucht. „Sie ist wunderschön und zu Pfarrer Tilmann Kuhn, der bei vielen Aufführungen unseres Theaters dabei war, haben wir einen guten Kontakt“, betont Marie-Luise Klehmet. Dass es für sie und ihren Mann der letzte Vorhang ist, das merkt man ihr mit keiner Silbe an. „Eigentlich ist es wie immer, wir sind aufgeregt und warten darauf, dass es losgeht.“ Zeit, groß darüber nachzudenken, dass mit dem Ruhestand nun auch das Theaterspiel in Seetz für sie zu Ende geht, sie werden nach Berlin zur Tochter ziehen, hatte sie noch nicht. „Wahrscheinlich kommt das alles nach“, gesteht die Pfarrerin, die vor 20 Jahren antrat, Klassik aufs Dorf zu holen. Los ging es allerdings eine Nummer kleiner – 1987 mit dem Krippenspiel in Seetz und Sargleben. Der ehrenhalber muss aber gesagt werden, dass die Seetzer schon früher einen Faible für die Bühne hatten, es in den 60er Jahren bereits ein Dorftheater gab, erinnert sich Hans-Georg Wulff, der Darsteller des Jedermann. Jenes sei irgendwann aber eingeschlafen. Die Pfarrerin hatte es so nicht allzu schwer, Hobbyschauspieler um sich zu scharren. Das erste Stück, das sie sich aussuchten, war der „Zerbrochene Krug“. „60 Minuten auf der Bühne – das schaffen wir nie“, aus der anfänglichen Euphorie wurde Angst vor der eigenen Courage. Sie schafften es, jede Menge Applaus war ihr Lohn und zugleich der Ansporn, weiterzumachen.

Komödien waren fortan ihr Metier, mit dem „Jedermann“ hingegen betraten sie neues künstlerischen Terrain. „Versform und die mittelalterliche Sprache – das war schon eine Herausforderung“, gesteht Marie-Luise Klehmet. Die alle aber mit Bravour gemeistert haben. Davon konnten sich die knapp 70 Besucher am Sonnabend in der St. Jacobi-Kirche überzeugen. Und sie erwartete noch ein musikalisches Bonbon. Denn statt Musik aus der Konserve spielte der Perleberger Bläserchor unter Leitung von Dr. Andreas Dräger und an der Orgel saß Johannes Wauer.

Der letzte Vorhang ist gefallen, ist es auch der letzte für das Seetzer Dorftheater, dem mittlerweile Akteure auch aus Garlin, Schwerin und Groß Warnow angehören? „Pfarrerin Klehmet war unser Motor, sie hat es meisterhaft verstanden, jeden einzelnen zu begeistern“, betont Hans-Georg Wulff. Mit ihrem Weggang werde zweifelsohne ein Kapitel geschlossen, aber „vielleicht ein neues aufgeschlagen“, so Wulff. Denn in den nächsten Tagen werde man sich treffen und darüber beraten, wie es weitergeht. Und weitergehen soll es nach Möglichkeit, sind sich die Akteure einig.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen