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Der Prignitzer

23. November 2017 | 12:32 Uhr

Letzte Ruhestätte mit geringer Pflege

vom

svz.de von
erstellt am 09.Apr.2013 | 05:28 Uhr

Wittenberge | Der demografische Wandel macht vor dem Friedhof nicht Halt: Ausdruck dessen ist nicht allein die etwa gleich bleibende Zahl der Bestattungen von 250 bis 300 pro Jahr, obwohl die Stadt stetig schrumpft. Auch der Wunsch nach Grabstätten, deren Pflegeaufwand relativ gering ist, steigt. Friedhofsverwalter Ingo Lipinski nennt Gründe dafür, dass der Anteil der so genannten Rasengräber in Bezug auf Bestattungen insgesamt zugenommen hat. "Die Menschen werden älter, die Grabpflege fällt einem schwerer." Das sei ein Grund. Ein anderer: Die Kinder oder die anderen Verwandten sind weggezogen. Es bleibt niemand in der Stadt, der sich um die letzten Ruhestätten der Hinterbliebenen kümmern kann.

Wer sich für ein Urnengrab oder eine Erdbestattung auf dem Rasenfeld entscheidet, kann gewiss sein, dass die Friedhofsverwaltung die Fläche mit eingelassenen Grabsteinen über Jahre in Ordnung hält.

2000 Quadratmeter abgesteckt

Seit 2001 besteht auf dem Friedhof die Möglichkeit, sich in einem Rasengrab - mancher sagt auch amerikanischem Grab - bestatten zu lassen. In den letzten zwölf Jahren fanden auf dem gut 3300 Quadratmeter großen Gräberfeld 800 Elbestädter in Urnen und 120 Wittenberger in Erdgräbern ihre letzte Ruhe. Die Fläche ist damit weitgehend genutzt. "Wir mussten uns auf die Suche nach akzeptablen Lösungen begeben", sagt Lipinski. Gemeinsam haben Friedhofsverwaltung und der dazu gehörende Betriebshof sowie die Mitglieder im Werkausschuss für den Betriebshof besprochen, wie man reagieren will. Das Ergebnis ist derzeit auf dem Friedhof zu sehen: Anstoßend an das Rasengräberfeld ist eine gut 2000 Quadratmeter große Fläche abgesperrt. "Hier breiten wir ein weiteres Rasengräberfeld vor", erklärt Lipinski. Die dafür gewählte Fläche grenzt an die Hinterseite der Parkstraße und gehört seit ewigen Zeiten zum Friedhof. Hauptsächlich in den 40-er Jahren des vorigen Jahrhunderts fanden hier Menschen ihre letzte Ruhe. Vor mehr als 30 Jahren sind die so genannten Ruhezeiten für diese Grabstätten abgelaufen, weiß Lipinski.

Das neue Rasengräberfeld wird - resultierende aus den seit 2001 gesammelten Erfahrungen - nicht als eine große Fläche angelegt, sondern erhält ein Wegkreuz, das mit niedrigem Bewuchs eingefasst ist. "Wir haben auch daran gedacht, dass wir nicht nur Reihengräber anordnen, sondern auch Beisetzungsplätze mit zwei und drei Gräbern vorsehen", sagt Lipinski. Der Friedhofsverwalter betont, dass er gern bereit ist, alle Fragen, die sich im Zusammenhang auch mit den Rasengräbern ergeben, in Ruhe persönlich zu besprechen. Denn wer sich für eine derartige Grabstätte entscheidet, müsse auch wissen, dass er bei der Pflege und Gestaltung kaum individuellen Spielraum hat. Andererseits sind diese Grabstellen im Vergleich zu denen in den klassischen Grabfeldern relativ preiswert.

Auf dem Friedhofsgelände zwischen Parkstraße und Gehrenweg sind seit 1910 Verstorbene zur letzten Ruhe gebettet worden. Das gut 24 Hektar große Gelände wird - auch das eine Folge des demografischen Wandels - nicht mehr in seiner Gesamtheit als Friedhof benötigt. Der Teil zum Gehrenweg nimmt nach und nach Parkcharakter an.

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