Leon: Schule macht wieder Spaß

<strong>Beim  Landschaftspark</strong> Hoppenrade e. V. übernahmen die Jugendlichen das Schleifen und Streichen einer Brücke. <foto> LEB</foto>
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Beim Landschaftspark Hoppenrade e. V. übernahmen die Jugendlichen das Schleifen und Streichen einer Brücke. LEB

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16. Januar 2013, 10:22 Uhr

Quitzow | Leon ist 15 Jahre alt - Schule war bis dato nicht so sein Ding. "Ich habe mich schnell ablenken lassen", räumt er ein. Entsprechend das Zeugnis am Ende der 8. Klasse. Fünf Fünfen, der Rest Vieren, einzig in Kunst stand eine Drei. Wer findet Schule schon toll, wenn es nur schlechte Noten hagelt. Der Frust saß tief - null Bock auf eine "Ehrenrunde" in der 8. Über seine Schule erfuhr der junge Pritz walker vom FLIP-Projekt an der Ländlichen Erwachsenenbildung. Fördern, Lernen, Integrieren, Probieren - so sollte fortan seine Schule funktionieren.

Seit fünf Jahren gibt es dieses Projekt für potenzielle Schulabbrecher. "Für sie ist es zum Teil die letzte Chance, mit der einfachen Berufsbildungsreife einen ordentlichen Schulabschluss zu erreichen", erläutert Projektleiter Franko Kattler. Gemeinsam mit Sybille Gelenk hat er die zwölf Jugendliche ein Jahr unter seinen Fittichen. Zwischen 14 und 17 Jahre sind sie alt, hatten zuvor auf alles andere als Lust, als auf Schule, hatten schlechte Noten, galten als verhaltensauffällig. Die Ursachen sind sehr unterschiedliche, weiß der Sozialpädagoge. Rauswurf aus dem Unterricht wurde provoziert und per SMS sich zu Fun und zum Bummel durch die Stadt verabredet. Andere schwänzten aus Angst, wieder zu versagen oder aber weil sie gemobbt wurden.

Aus sechs Schulen im Landkreis kommen in diesem Jahr die elf Jungen und das eine Mädchen. Jetzt besuchen sie die Friedrich-Gedike-Oberschule in Perleberg, obwohl sie hier nicht einen Tag die Schulbank drücken. "Das ist die Trägerschule für das Projekt, unterrichtet werden die Jugendlichen in der LEB in Quitzow", so Franko Kattler. An zwei Tagen pro Woche kommen die Lehrer zu ihnen und dann stehen für sieben Stunden Mathe, Deutsch, Englisch, Physik, andere Natur- und auch Gesellschaftswissenschaften auf dem Stundenplan. Ein Lehrer, vier Schüler - "da ist man ständig Mode. Aber Schule macht nun auch wieder Spaß", so der 15-jährige Leon. Wann das zuvor der Fall war, daran könne er sich nicht mehr erinnern. Die Zensuren sprechen eine deutliche Sprache - wieder Zweien oder Dreien, im Fach WAT (Wirtschaft, Arbeit, Technik) steht so gar eine Eins. An drei Tagen ist Praxis dran, WAT gehört dazu. Projekte, Exkursionen in Betriebe, aber auch Vereinshilfe ist dann angesagt. Beim Landschaftspark Hoppenrade e. V. halfen sie beim Wegebau, eine Holzbrücke wurde abgeschliffen und gestrichen, in der Perleberger Apfelplantage wurde Totholz ausgeschnitten und natürlich auch bei der Ernte geholfen. Zu der praktischen Ausbildung gehört überdies die Absolvierung eines Freischneidekurses.

Staplerfahren, Motorsäge bedienen - für die jungen Männer vielfach ein Kindertraum, doch auch die Mädchen müssen ’ran. Umgekehrt ist Hauswirtschaft nicht nur Frauensache. Übrigens, Leon hat sich von vornherein dafür entscheiden. "Ich habe Probleme mit der Motorik. Mein Interesse fürs Handwerkliche hält sich da in Grenzen." Denn auch Holzbearbeitung steht zur Auswahl. Aus der Erfahrung heraus wählen etliche Hauswirtschaft, berichtet Franko Kattler, denn Kochen und Backen stehen nun mal auch für leckeres Essen. Doch davor kommt die Arbeit: Einkaufen, Tisch decken, Servietten falten - "die ersten Frühstückstische sahen aus wie Kraut und Rüben. Heute haben sie fast Interhotelniveau", fügt der Sozialpädagoge schmunzelnd an.

Leon wird noch das Folgeprojekt besuchen. Sein Ziel: nach zwei Jahren die einfache Berufsbildungsreife und dann möglichst gleich eine Ausbildung. Verkäufer oder Koch, das könnte er sich vorstellen. Was da auf ihn zukommt, davon kann er sich im Rahmen der vierwöchigen Praktika, zwei in jedem Jahr, ein Bild machen. Und wo Schüler nicht selbst Betriebe finden, da stehen die beiden Sozialpädagogen mit Rat und Tat hilfreich zur Seite. "In erster Linie aber gilt: Selbst ist der Mann bzw. die Frau, denn schließlich müssen die Jugendlichen künftig im Leben ihren Platz zu finden.

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