Unmut vor dem Baustart : Lenzener äußern Bedenken gegen Biogasanlage

Bauherr Osters & Voss lud Bürger am Freitag zum Gespräch

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23. März 2014, 22:00 Uhr

Läuft das Vorhaben zur Errichtung der Biogasanlage in Lenzen nach Plan, können bereits in den nächsten Wochen die Baufahrzeuge anrollen. Darüber informierte der Bauherr, der Landwirtschaftsdienstleister Osters und Voß aus Groß Gottschow, am Freitag auf der Burg Lenzen. Das Unternehmen hatte eingeladen, um den Bürgern die geplante Anlage vorzustellen und sich den Fragen zu stellen, um gegebenenfalls vorhandene Ängste und Ressentiments abzubauen.

Zunächst referierte Dr. Henner Paskarbies, Geschäftsführer der Biogas Osters & Voss Verwaltungs GmbH, zu den technischen Details der Anlage. So sollen am Standort im Gewerbegebiet Lange Felder pro Stunde rund 700 Kubikmeter Biogas produziert werden, was einer Energiemenge von 66 000 Megawattstunden und damit dem jährlichen Bedarf von rund 2000 Einfamilienhäusern entspricht. Zur Bereitstellung von elektrischer Energie und notwendiger Prozesswärme entsteht zudem ein Blockheizkraftwerk mit einer Leistung von 600 Kilowatt, das bei 8500 Betriebsstunden im Jahr über den Eigenbedarf hinaus rund fünf Millionen Kilowattstunden Strom ins Netz einspeist.

Die Anlage ist auf eine Verarbeitung von rund 70 000 Tonnen Biomasse pro Jahr ausgelegt, wobei knapp 60 Prozent auf Mais- und Zuckerrübensilage entfallen. Weitere Rohstoffe sind Rindergülle, Rinderfestmist sowie Gras- und Getreidesilage. Die Lagerung soll überwiegend dezentral bei den über Lieferveträge an der Anlage beteiligten Landwirtschaftsbetrieben in Schilde, Schönberg, Cumlosen, Lanz und Lenzen erfolgen. „Die Versorgung soll nahezu ausschließlich in Voll-Voll-Fahrten erfolgen, das heißt, ein Lkw bringt eine Ladung Rohstoffe und transportiert auf der Rücktour die Gärreste zum Landwirt zurück, die dieser dann als Dünger verwendet“, erklärt Paskarbies. Acht Touren seien pro Tag notwendig, um die Anlage am Laufen zu halten.

Mit dem Lieferverkehr hatte Paskarbies bereits den ersten wunden Punkt angesprochen. „Fahren die Laster die ganze Woche hindurch? Und was passiert in der Erntezeit?“ wollte ein Lenzener wissen. „Der Lieferverkehr wird sich auf die Wochentage beschränken, da am Standort auch eine gewisse Lagerkapazität vorhanden ist“, beschwichtigt Henner Paskarbies und verweist darauf, dass der landwirtschaftliche Verkehr in der Erntezeit ohnehin deutlich höher sei und die Fahrten zur Biogasanlage dadurch kaum ins Gewicht fallen.

„Welche Geruchsbelästigung ist zu erwarten? Immerhin liegen in Hauptwindrichtung eine Neubausiedlung und die Bungalows am See“, reißt eine Frau das zweite, brennende Thema an. „Gülle wird geschlossen angeliefert und in die Anlage gepumpt“, antwortet Paskarbies. „Wird Mist umgeladen oder die Silofläche auf dem Gelände angeschnitten, dann sind geringe Geruchsentwicklungen nicht auszuschließen. Allerdings dürfen Sie nicht vergessen, dass der Mist auch bei den Betrieben offen liegt und Geruch entwickelt.“

Kritisch zum Gesamtprojekt äußerte sich Martina Grade von der Biosphärenreservatsverwaltung. „Wir befinden uns hier in einem ökologisch sehr sensiblen Bereich, und da wäre es wünschenswert gewesen, dass der Betreiber in innovativere Technologien investiert“, sagte sie und verwies auf den hohen Anteil an Mais, den die Anlage benötige, die damit verbundene Gefahr weiterer Mais-Monokulturen und die Tatsache, dass es auch Anlagen gebe, die mit mehr Grassilage betrieben würden. Henner Paskarbies betonte, dass es sich bei der Anlage um ein ausgereiftes und betriebssicheres System handle, man aber gerne bereit sei, in weiteren Gesprächen Möglichkeiten zu erörtern, wie sich unter Berücksichtigung der Gegebenheiten vor Ort die ökologische Bilanz verbessern ließe.

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