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Wieder Fehlinformation nach Unfall : Leitstelle unterläuft neuer Patzer

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Drei Todesopfer, eine Schwerverletzte – das ist die Bilanz von dreieinhalb Wochen. Drei Verkehrsunfälle gehen einher mit Entscheidungen der Leitstelle in Potsdam, die von Einsatzkräften kritisch hinterfragt werden.

svz.de von
erstellt am 15.Aug.2012 | 07:26 Uhr

Quitzow | Drei Todesopfer, eine schwer verletzte Frau - das ist die Bilanz von dreieinhalb Wochen. Alle drei Verkehrsunfälle gehen einher mit Entscheidungen der Leitstelle in Potsdam, die von Einsatzkräften kritisch hinterfragt werden. Auch Dienstagabend gab es eine Fehlinformation. Zum Unfall auf der B 5 am Abzweig Schönfeld hat die Leitstelle zunächst nicht die Quitzower Feuerwehr alarmiert. Angeblicher Grund: sie sei nicht einsatzfähig gemeldet. Falsch, sagt Perlebergs Stadtwehrführer Thomas Gäde. Er selbst habe die Wehr am Sonnabendabend in der Leitstelle einsatzfähig angemeldet.

Gemeinsam mit Groß Buchholz hatten Quitzower Kameraden vergangenen Sonnabend an einer Ausbildung teilgenommen. "Wir sind dorthin mit dem Quitzower Fahrzeug und einem Mannschaftswagen gefahren", sagt Gäde. Da die Weiterbildung außerhalb des Stadtgebietes stattfand, habe er beide Wehren in der Leitstelle abgemeldet. Ein völlig normaler Vorgang, so der Stadtwehrführer. Genauso selbstverständlich habe er sie abends wieder angemeldet. "Ich rief dazu persönlich in der Leitstelle an."

Gäde ist selbst Mitglied bei den Quitzowern und als die Unfallmeldung am Dienstag auf seinem Pieper ankam, fuhr er zum Gerätehaus. Dort war er der Einzige. Erstaunt rief er in der Leitstelle an, fragte nach dem Grund. "Am Telefon teilte man mir mit, dass Quitzow noch immer nicht als einsatzbereit geführt wird. Daraufhin veranlasste ich die Nachalarmierung." Er selbst sei nur in seiner Funktion als Stadtwehrführer verständigt worden.

Quitzow ist rund 1,5 Kilometer von der Unfallstelle entfernt, hatte somit den kürzesten Anfahrtsweg. Außerdem ist sie zusammen mit Groß Buchholz die örtlich zuständige Wehr und damit automatisch zu alarmieren, erklärt Gäde. Wie es zu diesem Fehler kommen konnte, will er geklärt haben. Und nicht nur Gäde und Kameraden der Feuerwehren erwarten mittlerweile Antworten. Mehr als 3000 Personen haben auf unserer Facebook-Seite die Beiträge über diesen Unfall gelesen, diskutiert und es werden Fragen zur Zuverlässigkeit der Leitstelle gestellt. Jeder Bürger des Landkreises hofft, dass im Notfall die Leitstelle die Rettungskräfte richtig verständigt, schnell Hilfe kommt - bei Bränden, bei Verkehrsunfällen, bei medizinischen Notfällen. Doch genau daran mehren sich die Zweifel.

Vergangenen Freitag wurden Feuerwehren in die entgegengesetzte Richtung geschickt. Erst im dritten Anlauf fanden die Rettungskräfte nach mehr als 20 Minuten den richtigen Unfallort. Und als Ende Juli ein Ehepaar auf der B 189 bei Perleberg tödlich verunglückte, hat die Leitstelle Wittenberge und Weisen, aber nicht die eigentlich zuständigen und viel dichter gelegenen Perleberger Wehr alarmiert.

Gestern gab es in Potsdam ein Treffen zwischen Landkreis und Leitstelle zur Auswertung dieser Einsätze. Nach ersten Informationen unserer Zeitung könne die Leitstelle die gegen sie erhobenen Vorwürfe entkräften. Für Freitag ist dazu eine Pressekonferenz angekündigt.

Unterdessen hat die Polizei die Ursache des tödlichen Unfalls von Dienstagabend vermeldet. Der 59-jährige Pkw-Fahrer aus Frankreich haben ein anderes Fahrzeug überholt und sei dann frontal mit einem im Gegenverkehr befindlichen Krad zusammengestoßen. Der 50-jährige Kradfahrer aus der Prignitz starb noch an der Unfallstelle.

Der Franzose wird polizeilich gesucht und er roch nach Alkohol. Ein Test ergab 0,25 Promille. Einen festen Wohnsitz konnte er nicht angeben. Da er die durch die Staatsanwaltschaft festgelegte Sicherheitsleistung finanziell nicht aufbringen konnte, wurde er vorläufig festgenommen.

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