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Der Prignitzer

21. November 2017 | 02:08 Uhr

Leitstelle legt Protokolle offen

vom

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erstellt am 17.Aug.2012 | 06:15 Uhr

Prignitz | Falsche oder ungenaue Ortsangaben der Anrufer haben zu den aus Sicht der Öffentlichkeit teils unkoordinierten Rettungseinsätzen in den vergangenen drei Wochen geführt. Die Leitstelle Potsdam habe richtig gehandelt, allerdings räumt sie auch einen Fehler und Nachholbedarf bei der Qualifizierung ihrer Mitarbeiter ein. Das ist das Fazit der gestrigen Pressekonferenz zu den Anfragen unserer Zeitung.

Im Detail ging es um den Einsatz am Freitag vor einer Woche. Auf der B 5 war eine Autofahrerin am Abzweig Bootz verunglückt. Feuerwehr, Rettungssanitäter und Polizei fanden zunächst nicht den Unfallort. Um 9 Uhr gab es laut Protokoll den ersten Anruf in der Leitstelle. Als Unfallort wurde die B 5, etwa fünf Kilometer vor Perleberg, genannt, sagt Erich Schlotthauer, im Landkreis Sachbereichsleiter Katastrophenschutz.

9.03 Uhr erhielt die Polizei einen Anruf mit der Ortsangabe Glövzin-Perleberg. 9.05 Uhr fragte die Leitstelle bei der Polizei nach und diese nannte den Abzweig Waterloo als Unfallort. "Demzufolge war es richtig, die Perleberger und Karstädter Wehr in diese Richtung zu schicken", so Schlotthauer. Erst 9.16 Uhr habe ein Bürger der Leitstelle den richtigen Unfallort mitgeteilt, 9.17 Uhr korrigierte dann auch die Polizei die Ortsangabe.

9.25 Uhr traf die Feuerwehr ein, 9.28 Uhr der Rettungsdienst. Ausgehend vom Zeitpunkt der richtigen Ortsangabe sei die vorgeschriebene Hilfsfrist eingehalten worden, so Schlotthauer. Um weitere Wartezeiten zu vermeiden, sei es richtig gewesen, die fahrenden Feuerwehren im Einsatz zu belassen, statt weitere, örtlich näher gelegenen Wehren nachträglich zu alarmieren.

Eine falsche Ortsangabe beantworte auch die Frage zum Unfall am 27. Juli, bei dem ein Ehepaar starb. 16.01 Uhr ging bei der Polizei der Notruf ein. "Die Ortsangabe lautete B 189 Weisen Waldhaus", zitiert Schlotthauer aus dem Protokoll. Daher seien Weisen und Wittenberge alarmiert worden. Notarzt und Rettungsassistenten suchten ebenfalls hier nach den Verletzten. 16.08 Uhr versuchte die Polizei, den Anrufer zu erreichen, was nicht gelang. 16.15 Uhr habe ein zweiter Anrufer den richtigen Ort gemeldet: B 189 bei Perleberg. Drei Minuten später traf der Rettungsdienst ein, 16.20 Uhr die Feuerwehr. Auch in diesem Fall sei es richtig gewesen, nicht die Perleberger Wehr nachträglich zu alarmieren.

Schlotthauer sagte: "Die Nachfragen zu diesen Einsätzen sind berechtigt, das Interesse der Öffentlichkeit ist nachvollziehbar." Die Ereignisse zeigen, dass Bürger besser informiert werden müssen, wie ein korrekter Notruf abzusetzen ist. Zugleich sollten die Disponenten in der Leitstelle verstärkt geschult werden, qualifiziert nachzufragen, wenn es um die Ortsangaben geht.

Dass es bei den Qualifikationen Nachholbedarf gibt, räumt Rainer Schulz, als Bereichsleiter Gefahrenvorbeugung für die Leitstelle Potsdam zuständig, ein. 26 Disponenten und sieben Schichtführer arbeiten in der Leitstelle. Zehn Mitarbeiter hätten noch nicht den geforderten Abschluss als Rettungsassistent. Auch bei der Feuerwehr-Qualifikation hätten noch nicht alle Angestellten den geforderten Abschluss.

Allein dieses Jahr seien sechs Kollegen neu eingestellt worden, nennt Schulz eine Ursache. Drei von ihnen hätten bisher auch nicht die Disponentenausbildung absolviert. "Sie arbeiten mit Mentoren zusammen", sagt Schulz.

Schulz räumt ein, dass es am Wochenende zu einem Fehler gekommen war. Ein Disponent habe die Feuerwehr Quitzow nicht zurück in den Status einsatzbereit gestuft, obwohl dieser Samstagabend gemeldet wurde. Daher war Quitzow Montag zunächst nicht zu dem tödlichen Motorradunfall am Abzweig Schönfeld gerufen worden. Der Vorfall sei mit dem Disponenten ausgewertet worden. Auch diesen Vorfall hatte unsere Redaktion aufgedeckt.

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