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EU-projekt „MobiPro“ : Lehrlinge aus Spanien

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Unternehmen finden oft keine geeigneten Auszubildende – junge Spanier sollen Arbeitskräftebedarf sichern

von
erstellt am 05.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Heutzutage muss man flexibel sein, um Arbeit zu finden. Dazu gehört es auch, sich außerhalb seiner Heimat zu bewerben. In Miguels Vazquez Flores Fall bedeutete das, seine Heimat zu verlassen, eine neue Sprache zu erlernen und in über 2000 Kilometer Entfernung ein neues Leben zu beginnen. Der 22-Jährige gehört zu den 26 jungen Spaniern, die im vergangenem Jahr über das EU-Projekt „MobiPro“ einen Ausbildungsplatz in der Prignitz fanden. Auf Grund des großen Interesses, das Unternehmen im ländlichen Raum an der Ausbildung von ausländischen Jugendlichen zeigten, hat sich die IHK Potsdam entschlossen, ein weiteres Projekt für 2015 zu betreuen. Gestern startete sie mit einer Veranstaltung in die neue Phase.

„Ich hatte keine Arbeit in Spanien. Dann hörte ich über einen Freund von diesem Projekt“, erzählt Miguel. Wie ihm damals, so geht es vielen jungen Spaniern. Jeder Zweite der unter 25-Jährigen wäre dort im vergangenem Jahr arbeitslos gewesen, weiß Wolfgang Spieß, Leiter des Geschäftsbereichs Bildung der IHK Potsdam. In der Prignitz hingegen ist das Gegenteil der Fall. Hier gebe es mehr Ausbildungsplätze als Schulabgänger, erklärt Spieß. „Viele Jugendliche verlassen für die Lehre die Prignitz. In diesem Jahr wird es 609 Schulabgänger im Landkreis geben. Statistisch gesehen werden 10 Prozent davon ihren Abschluss nicht schaffen. 50 Prozent wollen ein Studium aufnehmen.“ Für die Lehrstellen in der Prignitz würden nicht mehr viele Schulabgänger übrig bleiben.

Duale Ausbildungsangebote und Azubi-Speeddatings, also schnelle Kennlernrunden zwischen Unternehmen und Lehrlingen, hätten die Situation zwar verbessert, doch diese Projekte reichten nicht aus, „um alle offenen Ausbildungsplätze zu belegen“, so Spieß.

Vor diesem Hintergrund begann die IHK Potsdam im September 2013 mit den Vorbereitungen für ein Pilotprojekt für die Ausbildung von ausländischen Jugendlichen im Hotel- und Gaststättenbereich in den Regionen Prignitz und Potsdam. „Europa ist nicht nur der Euro. Europa ist mehr“, meint Wolfgang Spieß. Wenn es hier Fachpersonalmangel gibt und in Spanien eine hohe Quote von Arbeitslosen, ist das Projekt eine logische Konsequenz. „Die Plätze werden jedoch nur dann vergeben, wenn sich kein Jugendlicher aus der Prignitz dafür findet. Es handelt sich um keinen Verdrängungswettbewerb.“

Von den 26 Spaniern, die im August in die Ausbildung starteten, seien noch 19 dabei, darunter beispielsweise Dario Saviotti, der bei Lucullus in Wittenberge lernt und gestern bei der Auftaktveranstaltung für die Verpflegung sorgte. Einige hätten inzwischen den Fachbereich gewechselt, erläutert Spieß. „Nicht alle wollten in der Gastronomie bleiben. Das ist jedoch normal. Wir sind gut aufgestellt.“ In diesem Jahr wurde in Zusammenarbeit mit den Unternehmen, dem RegionalCenter Prignitz in Pritzwalk sowie dem Berufsbildungszentrum Prignitz (BBZ) ein Konzept entwickelt, das für 30 junge Menschen aus Spanien eine berufliche Perspektive zum Beispiel als Mechatroniker, Hotelfachmann oder Bankkauffrau bietet. Insgesamt 75 junge Erwachsene aus Spanien bewarben sich auf 33 Plätze und hoffen nun auf ein Praktikum in einem Prignitzer Unternehmen, um sich dadurch ab Herbst für eine Lehrstelle zu empfehlen.

Und Miguel? Der fühlt sich wohl hier und hat sich eingelebt. Inzwischen arbeitet er bei Cleo Schreibgeräte in Bad Wilsnack, erzählt er: „Die Arbeitssituation ist besser als in Spanien. Ich möchte hier bleiben.“

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