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Der Prignitzer

19. November 2017 | 11:44 Uhr

Gastronomie : Lehrlinge aus dem Süden

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Caterer Lucullus bildet Spanier und Ungarn zu Fachkräften aus, auch weil sich kaum Einheimische bewerben

von
erstellt am 29.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Seit Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind aus der Küche des Wittenberger Gastronomiebetriebes Lucullus regelmäßig Sätze auf Spanisch und Ungarisch zu hören. „Die Verständigung ist manchmal tatsächlich noch ein Problem“, sagt Geschäftsführer Thomas Schneider. Dennoch lässt er nichts auf seine „Azubi-Immigranten“ kommen. „Sie sind hoch motiviert und versuchen, die kommunikativen Defizite durch viel Fleiß auszugleichen.“

Seit 16 Jahren ist Lucullus – mit einer Produktion von rund 1000 Essensportionen täglich einer der größten Caterer in der Region – anerkannter Ausbildungsbetrieb. „Mit durchweg hohem Niveau, wir haben regelmäßig an Wettbewerben teilgenommen, bei denen unsere Jungs und Mädchen gute Platzierungen erreichten“, so Schneider. In den letzten drei Jahren habe man jedoch massive Probleme gehabt, die freien Azubistellen zu besetzen. „Und von den wenigen Bewerbern erfüllten die meisten unsere Anforderungen nicht.“

Einen Ausweg bot die IHK Potsdam, die als Projektträger von MobiPro-EU, einer Initiative des Bundesarbeitsministeriums und der Bundesagentur für Arbeit zur Förderung Europäischer Auszubildender, junge Spanier und Ungarn an deutsche Unternehmen vermittelt. „Das war für uns eine echte Chance, die Stellen zu besetzen“, sagt Schneider. Zunächst habe es via Computer einen Videochat gegeben, zum Teil mit Dolmetscher. Mit der Zusage für Praktika im Unternehmen absolvierten die angehenden Azubis zunächst einen dreimonatigen Deutschkurs und kamen dann in die Prignitz. „Seit dem 1. August sind insgesamt drei Ungarn und vier Spanier bei uns, und ich habe großen Respekt davor, dass die jungen Männer und Frauen diesen Schritt gegangen sind, um ihre Zukunft zu gestalten“, so der Kochprofi.

Für die Azubis ist es eine Chance, der schwierigen Arbeitsmarktsituation in ihren Heimatländern zu entfliehen. „Man bekommt in Spanien kaum Ausbildungsplätze oder keine Stelle im Anschluss“, sagt Dario Saviotti. Hier ist das anders.“ Sein Chef bestätigt, dass Lucullus stets Interesse daran habe, die selbst ausgebildeten Fachkräfte auch zu behalten. Enrique Frances ist ebenfalls froh, in Wittenberge seine Ausbildung machen zu können, sieht aber auch Schwierigkeiten. „Die Sprache zu lernen fällt mir nicht leicht, die Trennung von der Familie auch nicht. Und natürlich muss man sich als Spanier erstmal an die deutsche Tugend Nummer eins gewöhnen: Absolute Pünktlichkeit.“ Grinsen in der Runde. Alle sieben sind sie froh, endlich ordentlich ins Berufsleben starten zu können.

Europäische Auszubildende als Zukunft für die deutsche Gastronomie? Für Thomas Schneider durchaus denkbar. „Wir haben in unserer Branche das Problem der mäßigen Löhne in Verbindung mit den typischen Arbeitszeiten und finden dementsprechend schwer Personal – egal ob ausgebildete Fachkräfte oder Azubis. Wenn junge Ausländer so motiviert zu uns kommen, nehmen wir sie gerne in Ausbildung.“ Allerdings könnte sich perspektivisch zumindest am Lohnniveau was ändern. Denn Fachkräfte müssten mehr verdienen als ungelernte Küchenhelfer. Und selbst für die gilt dann der Mindestlohn von 8,50 Euro.

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