Lehnen Kleingärtner die Jugend ab?

Wünscht sich mehr junge Menschen in den Kleingartenvereinen: Jörg Swierczinski, 1. Vorsitzender des Kreisverbandes Gartenfreunde Prignitz. Philipp Dickersbach
Wünscht sich mehr junge Menschen in den Kleingartenvereinen: Jörg Swierczinski, 1. Vorsitzender des Kreisverbandes Gartenfreunde Prignitz. Philipp Dickersbach

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17. September 2012, 07:49 Uhr

Prignitz | 18 Prozent. So hoch ist die Leerstandsquote bei den Kleingartenvereinen im Landkreis Prignitz. Es ist die höchste im Land Brandenburg (wir berichteten). "Es fehlt an Nachnutzung", sagt Gerhard Bretschneider, zweiter Vorsitzender des Kreisverbandes der Gartenfreunde. Doch was sind die Gründe dafür?

Fakt ist, dass die Bevölkerungszahl in der Prignitz stetig sinkt. Der Landkreis hat mittlerweile die geringste Bevölkerungsdichte aller Landkreise der Bundesrepublik Deutschland. Der demographische Wandel spielt also eine wichtige Rolle. Doch es gibt auch Kritik an Entscheidungsträgern in den Vereinen und deren Umgang mit jungen, an einer Parzelle interessierten Menschen.

So würden junge Menschen, die sich bei Gartensiedlungen bewerben sofort abgelehnt, berichtet ein Nutzer auf unserer Facebookseite www.facebook.com/prignitzer. Seiner Meinung nach läge der Grund für den hohen Leerstand auf der Hand: Die älteren Menschen wollten ihre Ruhe haben und junge Menschen würden dies gefährden.

Eine 30-jährige Wittenbergerin, die einen Garten besitzt, berichtet davon, dass ihnen viele Steine in den Weg gelegt würden. Mal sei es der Hund, der zu laut bellen würde, dann würden die Ruhezeiten nicht eingehalten. Gleichzeitig dürften langjährige Garteninhaber in der Ruhezeit Rasen mähen, kritisiert sie. "Es findet keine vernünftige Kommunikation statt." Stattdessen würde lieber sofort angeschwärzt. "Als junger Mensch wird man direkt abgestempelt", beklagt die 30-Jährige.

Eine weitere Gartenbesitzerin hat ähnliche Erfahrungen gemacht. "Bei uns wird streng auf Ruhezeiten geachtet und bei anderen Nachbarn bekommt niemand den Mund auf", sagt sie. Die "Jugend" bekomme so keine Chance zu beweisen, dass es nicht immer mit Chaos und Lärm zugehen muss. Ebenso würde bei Beschwerden oft sofort der Vorstand informiert, anstatt die Betroffenen erst einmal direkt anzusprechen. "Hätten wir vorher gewusst, dass es so schwierig werden würde, sich eine kleine eigene grüne Oase zu schaffen, ich glaube, wir hätten die Finger davon gelassen", resümiert sie.

Doch es gibt auch junge Gartenbesitzer, die keinen Grund für Beschwerden haben. Zwar sei es erst "nicht leicht mit den älteren Herren" gewesen, aber jetzt sei alles gut und man sitze oft zusammen, beschreibt ein Nutzer und Gartenbesitzer seine Erfahrungen. Zudem gebe es viele jüngere Menschen, die sich lediglich zum Feiern in einem Kleingarten treffen würden, und das jedes Wochenende. Dennoch sagt auch er: "Jeder, ob jung oder alt, sollte eine Chance bekommen."

Jörg Swierczinski, 1. Vorsitzender im Kreisverband Gartenfreunde Prignitz, räumt durchaus ein, dass es Fälle geben könne, in denen die geschilderten Probleme auftreten. "Doch daraus lässt sich keine Tendenz ableiten", so Swierczinski. Grundsätzlich seien junge Menschen, gerade mit Kindern, willkommen: "Wir wollen das Kleingartenwesen erhalten. Deswegen ist es wichtig, dass junge Menschen kommen." Damit das Zusammenleben gelingt, müssten beide Seiten, also jüngere und ältere Kleingärtner, ihren Teil dazu beitragen. "Wichtig ist, dass Betroffene direkt miteinander sprechen", so der Vorsitzende.

Letztendlich komme den Vereinsvorständen eine entscheidende Rolle zu, da diese auch über Aufnahmeanträge entscheiden würden. Diese sollten durchaus mehr Mut beweisen und in der Satzung festgelegte Bestimmungen flexibel handhaben, rät Swierczinski. Doch eines sei klar: "Wer einem Kleingartenverein beitritt, akzeptiert die Satzung und muss kleingärtnerisch tätig sein". Dazu gehöre neben der Nutzung der Parzelle nach der Faustformel "jeweils zu einem Drittel Laube, Wiese und Kleingarten" auch die Einhaltung von Ruhezeiten.

Eine mögliche Lösung seien eventuell Pachtverträge auf Probe, die etwa für ein Jahr abgeschlossen werden können. Denn auch dem Kreisverband sei daran gelegen, die Zahl der unter 30-jährigen Kleingartenbesitzer, die derzeit bei 3,6 Prozent liegt, zu erhöhen.

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