Fehrbellin : Lara gewinnt ihr Lächeln zurück

Die krebskranke Lara Pawlowisz aus Fehrbellin und ihr Freund Bruno
Die krebskranke Lara Pawlowisz aus Fehrbellin und ihr Freund Bruno

Gehirntumor der Dreijährigen aus Fehrbellin schrumpft langsam. Wenn alles problemlos verläuft, ist ihre Chemo im November abgeschlossen.

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04. Juni 2015, 12:00 Uhr

Überschwänglicher Optimismus wäre zu viel. Aber Zuversicht ist da. Laras Tumor im Kopf ist geschrumpft, von 4,4 Zentimeter Durchmesser auf rund 3,7. Doch vor der dreijährigen Fehrbellinerin liegt noch ein langer Weg.

„Erst müssen wir immer zum Fingerpieks, dann zum Computerpieks“: So erklärt die kleine Lara Fremden ihren Alltag. Das Mädchen hat einen Tumor im Kopf, der nicht operiert werden kann. Seitdem die Familie Pawlowicz aus Fehrbellin (Ostprignitz-Ruppin) diese Diagnose bekommen hat, hat sich ihr Leben vollkommen verändert. Nicht nur für Lara selbst ist nichts mehr wie es einmal war. Ihre Eltern Melanie und Martin müssen seitdem mit dem Gedanken leben, dass ihre Tochter schwerkrank ist. Die Mutter ist zu Hause, um sich um das Mädchen zu kümmern, mit ihr von einer Chemotherapie zur nächsten zu fahren und für sie da zu sein, während der Vater arbeiten muss.

Lara selbst würde vor allem eines gern: eine ganz normale Dreijährige sein. Ihre Familie bemüht sich, ihr genau das zu ermöglichen. Kleine, bunte, temporäre Tattoos schmücken den Arm des Mädchens, am Hals prangt ein Schmetterling. „Lara liebt derzeit Kleider“, sagt ihre Mutter Melanie Pawlowicz. Daher muss ein rosafarbenes Kleidchen mit hellrosa Herzen einfach sein. Die Dreijährige schaut gern fern, futtert Eis und fotografiert mit ihrer eigenen kleinen Kamera. Doch schon beim Fahrradfahren hört die Spontanität auf. Geht es Lara wirklich gut genug dafür? Wie lange hält sie durch? Diese Fragen müssen sich die Eltern immer wieder stellen. Schon der Weg zur Eisdiele könnte ihr Kind überfordern.

Die vielen Behandlungen gehören für die Dreijährige mittlerweile zu ihrem Alltag dazu. Immer wieder muss sie in ein Labor nach Neuruppin fahren, um ihre Blutwerte untersuchen zu lassen – besagter Fingerpieks, von dem Lara spricht. Es ist eine Erleichterung für die Familie, dass das nun in der Fontanestadt möglich ist. Früher musste Lara für diesen Termin extra nach Berlin fahren. „Solange Lara keine Schmerzen oder andere Probleme hat, reicht der Weg nach Neuruppin“, erklärt Melanie Pawlowicz. Die Blutwerte entscheiden dann, ob eine Chemotherapie in Berlin möglich ist – Laras Computerpieks. Der tut ihr manchmal schon weh, sagt das Mädchen. Denn für die Behandlung muss ihr Port, den sie in der Brust trägt, angesprochen werden. Doch nachdem Lara ein anderes Kind gesehen hat, das mittels Katheter mit den Medikamenten versorgt wurde, wollte sie lieber bei ihrer eigenen Methode bleiben. Denn so kann sie problemlos duschen gehen – beim Katheter würden immer Schläuche aus ihrem kleinen Körper hinausführen, die auch zu sehen wären.

Auch wenn alles recht positiv klingt, leicht hatte es die Familie in den vergangenen Monaten nicht. Lara hat kurz nach Weihnachten auf ihre übliche Chemotherapie plötzlich allergisch reagiert. Die Behandlung musste umgestellt werden. Ein neuer Turnus wurde eingeführt, sodass sie nun 25 Stunden für eine einzige Therapie braucht, die alle paar Wochen anfällt. Doch Lara hat nun weniger Schmerzen, ist insgesamt fitter – nur die Blutwerte spielen mitunter verrückt, erklärt ihre Mutter.

Im November soll die Chemotherapie abgeschlossen sein – wenn alles problemlos weiterläuft. Denn allein die Allergie hat die Familie zeitlich zurückgeworfen. Wenn alles klappt, hat Lara dann anderthalb Jahre voller Finger- und Computerpieks, voller Angst und Schmerzen hinter sich. „Wir hoffen, dass sich der Tumor auch mit den neuen Medikamenten weiter so wie bisher zurück entwickelt“, so Melanie Pawlowicz.

Dass der „Stein im Kopf“, wie Lara den Tumor nennt, aber ganz verschwinden wird, ist unwahrscheinlich. „Unser Ziel ist es, dass er so klein wie möglich wird“, sagt die Mutter. Dann hofft die Familie auf ein normales Leben. Entwickelt hat Lara sich trotz ihrer Krankheit ganz normal. Sie steht anderen Kindern in ihrem Alter in nichts nach.

Es gibt Tage, an denen Lara so fit ist wie jede andere Dreijährige auch. Dann müssen ihre Eltern sie mitunter sogar bremsen – vor allem, wenn sie ihren Freund Bruno von nebenan hört. Dann will die kleine Fehrbellinerin spielen und toben. „Wenn wir mit ihr auf den Spielplatz gehen, sucht sie immer Kontakt zu anderen Kindern, egal wie alt sie sind“, erklärt Melanie Pawlowicz. Verläuft alles wie erhofft, dann kann Lara ab November auch wieder in den Kindergarten gehen und da viele neue Freunde finden.

Die Dreijährige ist tapfer und meistens gut gelaunt, trotz ihres Schicksals. Nur an einer Sache hatte sie schwer zu knabbern: Eigentlich hatte sie schon wieder Haare, durch die neue Chemotherapie sind diese aber wieder ausgefallen, was das Mädchen wirklich unglücklich gemacht hat. Doch Lara hofft jetzt einfach, dass sie bald wieder Haare hat – Schleifchen und Spangen würden schließlich wunderbar zu ihrer neuen Leidenschaft für Kleider passen.

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