Wittenberge : Langohr und Co. ziehen um

Mit der Instandsetzung des alten Zollamts an der Elbe erhalten Fledermäuse ein aufgewertetes neues Winterquartier.

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20. August 2015, 08:00 Uhr

Keine Chance für das Braune Langohr und Co.: Für den kommenden Winter müssen sich Fledermäuse, sollten sie bislang das ehemalige Zollamt als Quartier genutzt haben, eine andere Bleibe suchen. Die Wohnungsbaugesellschaft hat die denkmalgeschützte Fast-Ruine an der Promenade mit viel Aufwand und Liebe zum Detail zu einem Wohnhaus umgebaut. „Bevor es ans Bauen ging, mussten die Fledermäuse zu ihrem Recht kommen, und sie sind es“, sagt WGW-Geschäftsführer Torsten Diehn mit Verweis darauf, dass in der Nähe für die Tiere ein Ausweichquartier entstand. Der Grund für das Bemühen: „Sämtliche heimischen Fledermausarten genießen strengen Schutz“, sagt Marcus Pankow von der unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis.

Fledermäuse nehmen nicht jedes Quartier an. „Alle Bedingungen müssen exakt stimmen“, so Thomas Leschnitz. Und diese Bedingungen seien im Sommer- auch noch anders als im Winterquartier. Leschnitz ist faunistischer Gutachter und damit auch zuständig für die fliegenden Säugetiere. Er hat das alte Zollamt vor Baubeginn begutachtet, kam zu dem Schluss, „dass es sich um ein potenzielles Quartier handelt“. Wenn die flinken Nachtjäger dieses mit der Gebäudesanierung verlieren, musste ein Ausgleich geschaffen werden, verdeutlicht Bernd Lindow als der zuständige Sachbereichsleiter bei der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises die Gesetzeslage.

Und die Fledermäuse müssen nicht einmal weit umziehen. Denn nur einige hundert Meter Luftlinie entfernt vom Zollamt blieb nach dem Abriss von Neubaublöcken ein alter Heizungsschacht erhalten. „Wir wissen, dass er bereits jetzt von Braunen Langohren für die Winterruhe genutzt wird“, sagt Pankow. Und Leschnitz verweist darauf, dass das unterirdische System alle Grundvoraussetzungen für eine sichere Überwinterung bietet. „Es ist frostfrei und die Luftfeuchtigkeit stimmt.“

Da das alte Zollamt als Überwinterungsquartier für die Tiere nicht mehr verfügbar ist, haben Naturschutzbehörde und Landesumweltamt den Heizkanal für die fliegenden Säuger gemütlicher gemacht. Die Fachleute sagen natürlich aufgewertet. Das bedeutet, Hohlblocksteine wurden deponiert, in denen die Fledermäuse Schutz finden können. Die Einfluglöcher wurden vergrößert. Gegen Störungen von Menschen helfen verschlossene Eingänge, so Pankow und Leschnitz.

Und wie macht man den Fledermäusen klar, wo sie im nächsten Winter schlafen werden? Die Fachleute sind sich sicher, dass die Tiere das neue Quartier finden. „Jetzt beginnen die jungen Tiere, sich nach ihrem ersten geeigneten Winterquartier umzusehen. Wir sprechen von der Schwärmphase“, sagen die beiden. Es läge nahe, dass sie bei ihren Erkundungsflügen auf das stillgelegte Rohrsystem stoßen. Für die Alttiere, die sich neu orientieren müssen, sei es günstig, dass sich auch das Ausweichquartier am Wasser befindet. Das erleichtere ihre Suche. 

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