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"Landwirtschaft heißt Anbau, Vattenfall macht Raubbau"

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erstellt am 30.Okt.2012 | 11:41 Uhr

Zu einem großen Dorffest als zentrale Veranstaltung gegen neue Braunkohle-Tagebaue in Brandenburg lädt das Bündnis Heimat und Zukunft für morgen nach Atterwasch im Landkreis Spree-Neiße ein. Mario Tumm sprach mit Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg, der zusammen mit den Landtagsabgeordneten Monika Schulz-Höpfner (CDU) und Sabine Niels (Grüne) zu den Initiatoren des Bündnisses zählt.

Ein Jahr gibt es das Bündnis Heimat und Zukunft. 540 Menschen haben die Erklärung unterschrieben. Sind Sie damit zufrieden?

Jung: Zufrieden bin ich erst, wenn feststeht, dass die Braunkohleverstromung in Brandenburg mit den genehmigten Tagebauen 2035 endet.

Was kümmert einen Landwirt aus Nordbrandenburg die Braunkohle im Südosten des Landes?

Der Bauernbund ist landesweit organisiert, zwei unserer Mitglieder in der Lausitz sollen nach den Plänen der roten Landesregierung abgebaggert werden. Außerdem würden mehrere tausend Hektar fruchtbarer Ackerboden vernichtet. Landwirtschaft heißt Anbau, Vattenfall macht Raubbau. Deshalb sind wir Bauern natürliche Verbündete der Energiewende.

Windräder, Solarflächen und Biogasanlagen bereiten auch Probleme. Darf man das vergessen?

Nein. Windräder sollten tausend Meter Abstand zu Siedlungen halten, Solarflächen sollten nicht auf dem Acker entstehen und bei Biogas sollte der Bonus für Großanlagen zurückgenommen werden. Aber grundsätzlich ist die Förderung der erneuerbaren Energien goldrichtig und eine ökonomische Erfolgsgeschichte, mit der Deutschland weltweit vorangeht.

Gerade wurde der Anteil für erneuerbare Energien im Strompreis erhöht. Kann es wirklich eine Energiepolitik ohne Braunkohle geben?

Es war immerhin unsere Kanzlerin, die mit der Energiewende den Abschied vom Atom- und Kohlestrom verkündet hat. Wenn die Energiekonzerne, die jährlich zweistellige Renditen einfahren, jetzt die erneuerbaren Energien für Preiserhöhungen verantwortlich machen, so ist das vorgeschoben. Problematisch sind nur noch die Schwankungen bei Sonne und Wind - dafür brauchen wir vorübergehend Reservekraftwerke auf Gasbasis.

Es gibt Beispiele, wie ehemalige Tagebaue für Landwirtschaft und Tourismus genutzt werden. Zählt das nicht?

Das ist Augenwischerei. Tatsächlich wird es viele Jahrhunderte dauern, bis sich auf den Geröllhalden eine dünne Humusschicht gebildet hat, sodass Landwirtschaft lohnt. Auch der Tourismus ist an den toten Restseen bislang weitgehend ausgeblieben. Die Braunkohle sichert immer weniger Arbeitsplätze, gleichzeitig richtet sie die Region wirtschaftlich zugrunde.

Die Veranstaltungen in Atterwasch bringen kurzfristige Aufmerksamkeit. Was läuft in der Zwischenzeit?

Vor allem politische Überzeugungsarbeit. Die Grünen sind in dieser Sache eh auf unserer Seite, in der märkischen Union gibt es inzwischen eine starke Strömung gegen neue Tagebaue. Auch die Linken sind bei diesem Thema gespalten. Nur in Brandenburgs SPD wird nicht diskutiert, sie steht - übrigens im Gegensatz zur Bundespartei - wie ein Block zur Braunkohle. Das ist für mich ein Phänomen.

Was glauben Sie in den nächsten Jahren mit dem Bündnis zu erreichen?

Die rote Landesregierung will bis 2015 neue Tagebaue beschließen, durch die fünf Dörfer abgebaggert und zweitausend Menschen enteignet und vertrieben würden. Das wäre ein Verbrechen gegen Mensch und Umwelt und eine Totalblockade der Energiewende in unserem Land auf sehr lange Sicht. Ich kann nicht die Zukunft vorhersagen, aber wir werden unseren Teil dazu beitragen, dass diese Pläne scheitern.

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