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neue Schweinezucht : Landwirt glückt Neustart

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach einem Großbrand baut Ralf Remmert in Neudorf neue Stallanlage und setzt auf mehr Tierwohl

von
erstellt am 12.Sep.2017 | 03:50 Uhr

Der Anlass für den Neubau des Abferkelstalles in Neudorf ist ein trauriger. Im Januar 2016 brannte der alte Abferkelstall ab, mehr als 1500 Tiere kamen dabei um. „Wir haben in der Zwischenzeit ein eigenes Stallkonzept entwickelt und umgesetzt. Sicherlich ist noch nicht alles perfekt, denn wir hatten keine Zeit zu üben“, sagt Geschäftsführer Ralf Remmert. Aber jahrelange Erfahrungen seien eingeflossen.

Das neue Konzept schütze die Ferkel und berücksichtige zugleich den Bewegungsdrang der Sau. Das Ferkelnest sei größer als allgemein üblich, wird über eine Fußbodenheizung erwärmt und kann zusätzlich gar noch mit dimmbaren Rotlichtlampen weiter erwärmt werden. Anders als in alten Stallanlagen gibt es keine seitlichen Fenster, sondern Lichtplatten im Dach. „Sie sorgen für mehr Tageslicht“, erklärt Ralf Remmert.

Nur in den ersten Tagen wird die Sau im Abferkelkorb belassen. Sie kann diesen rückwärts verlassen, aber nur wenn sie ein kleines Hindernis überwindet, mit dem die Ferkel geschützt werden sollen. So hat zwar jede Sau ihren Stand und die Ferkel ihr eigenes Nest. Dennoch können sich alle Tiere im Stall frei bewegen und haben Beschäftigungsmaterialien. „Die Futtertröge werden einige Tage nach dem Abferkeln entfernt. Die Tiere bekommen dann ihr Futter in einem zentralen Trog im Stall. Diesen können auch die Ferkel nutzen. Die Sau ist also gezwungen, sich zu bewegen“, erklärt Remmert.

Eine Abteilung im Stall ist mit zwölf Abferkelbuchten ausgestattet. Vier dieser Abteilungen hat der Stall, der etwa 750 000 Euro gekostet hat. „Tierschutz und Tierwohl stehen bei unserem Konzept im Mittelpunkt. Die Gesellschaft verlangt das heute und auch wir als Landwirte wollen natürlich, dass es unseren Tieren so gut wie möglich geht“, sagt Remmert.

Allerdings sei man immer noch Landwirt. Neben dem Tierwohl gehe es um Wirtschaftlichkeit: Energieverbrauch, Sterblichkeitsrate der Jungtiere und der Umgang mit den Tieren zählen genauso viel wie Tierschutz.

Ringelschwänze würden nicht kopiert, junge Eber nicht kastriert. „Dadurch, dass wir unsere Tiere selbst aufziehen, haben wir eine Kreislaufwirtschaft. Das bedeutet, dass wir kaum Krankheiten in den Beständen haben und nur dann Antibiotika einsetzen, wenn wirklich Tiere erkrankt sind“, sagt Ralf Remmert, der sein Fleisch unter der Marke „markStück“ vermarktet und damit neue Trends für Qualität und Haltung setzen will. In Neudorf hält das Unternehmen etwa 1300 Sauen und 3500 Mastplätze vor.

Als ein zweites Standbein soll die Jungtieraufzucht etabliert werden. In einem Versuchsstall haben Jungschweine eine abgedunkelte und durch Matten getrennte Ruhezone, einen Trockenbereich, in dem sie auf Einstreu toben und fressen können. Dieser Bereich hat einen festen Untergrund, indem der ehemalige Spaltenboden verschlossen wurde.

Im Nassbereich ist die Tränke untergebracht. Eine auf Rollen gelagerte Gummimatte befördert Exkremente nach draußen. „Sicherlich geht es den Schweinen hier gut, aber der Arbeitsaufwand ist auch nicht klein“, fasst der Geschäftsführer zusammen.

 

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