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Landkreis Prignitz ruft Katastrophenfall aus

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erstellt am 05.Jun.2013 | 09:57 Uhr

Perleberg/Potsdam | Der Landkreis Prignitz hat gestern Nachmittag für das Flussgebiet der Elbe den Katastrophenfall ausgerufen. Das teilte Landrat Hans Lange (CDU) mit. In Nordbrandenburg wird der Höhepunkt der Flutwelle am Wochenende erwartet. Am Pegel Wittenberge wird für Sonntag mit einer Rekordmarke von 7,50 Meter gerechnet. Das wären 14 Zentimeter mehr als beim jüngsten Hochwasser Ende Januar 2011. Ausgelegt ist der Deich aber nur für 7,45 Meter - plus einem Meter zur Sicherheit.

Die Wasserstände in Brandenburg steigen und steigen - noch ist kein Ende in Sicht und Prognosen schwierig. Die Unsicherheit sorgt vor allem in dem vom Elbe-Hochwasser bedrohten Mühlberg für Nervosität. Seit gestern gilt auch dort Katastrophenalarm. Rund 200 Bewohner mussten ein Seniorenheim verlassen.

"Die Sicherheit der Menschen ist nicht mehr zu gewährleisten", sagte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) in Potsdam in der Landtagssitzung. Der Landrat von Elbe-Elster, Christian Jaschinski (CDU), rief die Bewohner der Mühlberger Altstadt auf, im eigenen Interesse ihre Häuser freiwillig zu verlassen. Betroffen wären laut Angaben etwa 2500 Menschen. Insgesamt leben in Mühlberg rund 4000 Menschen. Die Verantwortlichen schließen dort Pegelstände von bis zu 10,20 Meter nicht aus. Dies wäre höher als bei der Rekordflut vom August 2002. Mehr als 200 Polizisten sowie 100 Feuerwehrleute helfen Behörden und Menschen vor Ort.

Die höchste Alarmstufe 4 gilt für den gesamten Landkreis Elbe-Elster. Bei Herzberg an der Schwarzen Elster brach am Morgen auf 20 Meter Länge ein Deich. Bei Bad Liebenwerda wurde ein Deich geflutet. In Cottbus wurde die Alarmstufe 3 ausgerufen. Weil an der Talsperre Spremberg noch mehr Wasser in die nach Cottbus fließende Spree abgelassen wird, strömt das Wasser besonders schnell durch die Stadt. Zehn Brücken sind gesperrt. Das kontrollierte Ablassen hat einen Nachteil: Die Eisenhydroxid-Belastung im Spreewald steigt. Bislang hielt der Stausee zwischen Spremberg und Cottbus den Rostschlamm ab.

Die Katastrophenschutzleitung des Landes hat ihre Arbeit aufgenommen. Bislang haben die Landkreise 800 000 Sandsäcke bestellt, allein 500 000 sollen in die Prignitz gehen.

Im Süden und Osten Deutschlands trieb das Hochwasser bereits Zehntausende Menschen aus ihren Häusern. In Halle wurden etwa 30 000 Menschen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. In Niedersachsen wurde mit Rekordpegelständen der Elbe gerechnet. Auch die historische Stadtinsel von Hitzacker muss voraussichtlich morgen geräumt werden. Betroffen seien 250 Menschen.

In Bayern überschwemmte das Hochwasser der Donau mehrere Ortschaften. Bei der Evakuierung spielten sich dramatische Szene ab. In Thüringen beruhigte sich die Lage dagegen allmählich und vielerorts begann das Aufräumen. Die Bundesregierung will neben der Soforthilfe von 100 Millionen Euro für Unternehmen in den Hochwasser-Regionen ein 10-Punkte-Programm auflegen. Damit soll der Wiederaufbau unterstützt werden.

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