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Der Prignitzer

17. Dezember 2017 | 20:49 Uhr

Landkreis der Alten und Kranken?

vom

svz.de von
erstellt am 03.Dez.2012 | 05:58 Uhr

Prignitz | Dass immer mehr junge Menschen ihr berufliches und privates Glück weit außerhalb der Prignitz suchen und dementsprechend dem Landkreis fehlen, ist ein Fakt, der den rapiden Altersanstieg erklärt. Hinzu kommt der allgemeine Anstieg des Durchschnittsalters der Gesellschaft. Dennoch bringt dieser Umstand vor allem in der Prignitz weitreichende Konsequenzen mit sich. Fast jeder zweite Prignitzer wird vorraussichtlich 2030 über 65 Jahre alt sein, was neue Probleme, vor allem im Bereich der Pflegedienste, mit sich bringt. Steuert die Prignitz also einem Pflegenotstand entgegen? Der aktuelle Bericht zur Pflegestatistik des Gesundheits- und Sozialausschusses des Kreistages Prignitz zeichnet ein erschreckendes Bild, zeigt aber auch gleichzeitig Chancen auf.

"Mittlerweile ist jeder vierte Prignitzer über 65 Jahre, 2020 werden es laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 33,1 Prozent sein und im Jahre 2030 bereits 46,2 Prozent. Das bringt eine hohe Pflegewahrscheinlichkeit mit sich und ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung", verdeutlicht der zuständige Geschäftsbereichsleiter beim Landkreis, Torsten Uhe.

Zahl der Pflegebedürftigen steigt - Fachkräfte fehlen

So sind bereits jetzt 5083 Personen im Landkreis 80 Jahre und älter. Auch hier würde nach Schätzungen des Landesamtes die Anzahl bis zum Jahr 2020 auf 8840 Personen ansteigen. Die daraus resultierende steigende Zahl an Pflegebedürftigen kann mit dem derzeitigen Personal in diesem Bereich allerdings nicht abgedeckt werden. Schon jetzt liegt die Prignitz mit 54,3 Pflegebedürftigen je 1000 Anwohnern am oberen Ende des Landesdurchschnitts. Lediglich die Uckermark und der Landkreis Ostprignitz Ruppin weisen ähnlich hohe Werte auf. "Im Dezember 2011 lag die Zahl der Pflegebedürftigen im Landkreis bei 4388. Das ist ein Anstieg von 11 Prozent zu 2009", verdeutlichte Anja Meißner, die die Pflegestatistik vorstellte. Von den Pflegebedürftigen wird jeder fünfte bereits in einem Heim betreut, die übrigen 80 Prozent werden zu Hause durch Angehörige (60 Prozent) und Pflegedienste (40 Prozent) umsorgt.

Vor allem die Pflegedienste scheinen deshalb in Zukunft verstärkt gefordert zu sein. Beim Personal im ambulanten und stationären Bereich liegen deshalb beruflich gesehen gute Zukunftsaussichten. "Schon jetzt ist in der Karstädter KMG Klinik eine Pflegestation in Planung. Zusätzlich konnte auch der Pflegestütztpunkt Perleberg in diesem Jahr bereits über 700 Kontakte verzeichnen - Tendenz steigend - und eine Eröffnung einer Außenstelle im Wittenberger Bürgerzentrum steht kurz bevor", erklärte Meißner. Im Landkreis arbeiten aktuell bereits 1253 Personen im ambulanten und stationären Bereich (625 in Pflegeheimen, 528 in Pflegediensten). Diese Zahl wird sich in den kommenden 20 Jahren wohl um ein vielfaches erhöhen. Dementsprechend Arbeitsplätze in der Region generieren. Doch fehlen schon jetzt häufig gut ausgebildete Fachkräfte.

Und das bei weiter stetig sinkenden Zahlen an Menschen im arbeitsfährigen Alter. So lag der Prozentsatz der 15- bis 65-Jährigen im vergangenen Jahr bei 64 Prozent. Auszugehen ist 2020 von einem Wert von 57 Prozent, 2030 voraussichtlich nur noch 46 Prozent. Doch ist die Prignitz auf den gewaltigen Pflegekräftebedarf vorbereitet?

"Auch wenn wir als Krankenhaus mit keiner größeren Fallstruktur rechnen, so verändert sich doch die Morbidität", verdeutlicht der Pflegedienstleiter des Kreiskrankenhauses Prignitz, Bernd Riese. Doch sieht auch er den Altersanstieg und dessen Folgen für die Region kritisch. Vor allem der Struktur der Pflegeheime misst er viel Bedeutung bei. "Das der Bau an Kapazitäten notwendig ist, ist sicher. Doch man muss überlegen, baut man nur noch Luxusheime oder bedenkt man auch die Einkommens- und Rentenschwächeren, denn die Kassen allein können das nicht stemmen", so Riese.

Pflegeberuf reagiert bereits auf demographischen Wandel

Doch bereits jetzt reagiert das Kreiskrankenhaus auf die kommende Altersstruktur, und zwar im Bereich des Personals. "Auch hier steigt das Durchschnittsalter an, deshalb lehren wir bereits jetzt bestimmte schonende Pflegetechniken und setzten auf entsprechende Geräte", so der Pflegedienstleiter, der auch die veränderten Lebensarten samt Ernährung für Problemfelder hält. "Man muss ja alles im Kontext sehen. Überalterung, Lebensart und die finanzielle Entwicklung, sind alles Fakten, die zusammhängen."

Dem pflichtet auch der Zuständige für die Öffentlichkeitsarbeit des DRK, Hartmut Watschke , bei wenn er sagt: "In einem schrumpfenden Landkreis, insbesondere hinsichtlich der erwerbstätigen Generation, wird es für Pflegedienste nicht einfacher werden, ausreichendes und gleichzeitig geeignetes Personal unter Vertrag zu haben. Arbeitgeber bewerben sich schon jetzt bei potenziell Interessierten bzw. Absolventen der Pflegeberufe und nicht mehr umgekehrt." Der Sprecher des Wohlfahrtsverbandes stellte zudem heraus, dass "die Arbeitsbedingungen und vor allem die gesellschaftliche Anerkennung der Pflegeberufe stimmen müssen. Diese ist derzeit immer noch in Deutschland eine Katastrophe."

Nur dann ist eine Abwendung des Pflegenotstandes eventuell möglich.

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