Cityguide Prignitz : Landkreis-App schwächelt

Übersichtlich angeordnet sind die Kategorien des City-Guides auch in der Web-Darstellung.   Repro: Screenshot
Übersichtlich angeordnet sind die Kategorien des City-Guides auch in der Web-Darstellung. Repro: Screenshot

Der Bedarf nach einer bloßen Serviceseite scheint eher gering zu sein / Mobile Kreisseite kommt vorerst nicht

svz.de von
09. August 2016, 04:45 Uhr

Die neue Landkreis-App kommt nicht so richtig aus den Startlöchern. Eigentlich sollte das „Cityguide Prignitz“ getaufte Programm für Smartphones dem Nutzer dabei helfen, per Routenführung zu lokalen Sehenswürdigkeiten zu gelangen, Angebote im Einzelhandel und der Gastronomie sowie auch Coupons und Schnäppchen aus der Umgebung zu finden, oder den nächsten Geldautomat zu orten. Was im Oktober vergangenen Jahres angedacht wurde, ist aber auf halbem Weg stecken geblieben.

In der Verwaltung könne sich momentan niemand richtig um die Pflege der Inhalte kümmern. Grund: Personalmangel. „Unsere Stelle für Öffentlichkeitsarbeit ist ja ausgeschrieben. Wenn die besetzt ist, kann ich mich wieder intensiver um die Sache kümmern. Wir sind aktuell auch nicht ganz zufrieden mit den Inhalten“, sagt Annette Löther von der Pressestelle des Landkreises. Manche geplanten Inhalte seien noch gar nicht verfügbar. Statistiken zu den Downloadzahlen hat die Kreisverwaltung auch nicht, sie kann also nicht überprüfen, wie sehr die App angenommen wird. Rückfragen gab es von Einwohnern zu der Anwendung bisher keine.

Momentan sei auch der Kontakt zum betreuenden Verlag eher sporadisch. „Weil ich seit einem Jahr zwei Arbeitsplätze belegen muss“, so Löther. Die angekündigte mobile Website des Kreises sei aus Personalgründen bisher auch nicht zu realisieren gewesen. Sie war von Lutz Behrendt, Büroleiter des Landrats, im vergangenen Jahr für Anfang 2016 in Aussicht gestellt worden und sollte die Darstellung der Landkreis-Homepage für Smartphones optimieren.

Die Cityguide-App habe den Kreis bisher gar nichts gekostet, da sie sich über Werbung finanziere, so Annette Löther. Das bestätigt auch Sascha Schulz von der Cityguide AG. „Das wird in der Regel über öffentlich-private Partnerschaften gemacht, ohne Betreiberkosten. Wir refinanzieren uns durch lokale Vermarktung an Werbeträger, arbeiten auch mit Google zusammen und bieten Werbeplatzierungen an. In der Regel erhalten wir zum Anfang eine Liste von unseren Kooperationspartnern und pflegen die Daten ein. Wir greifen auch auf öffentliche Informationsquellen zurück oder holen Daten von kooperierenden Karten-Diensten ein. Schwierig wird es für uns erst, wenn zum Beispiel ein Unternehmen umzieht“, so Schulz.


Wie sieht es mit dem Nutzwert aus?


Im Google-Playstore ist die „offizielle App für den Landkreis Prignitz“ ungefähr 500 mal runtergeladen worden. Sie wird von den Nutzern zwar mit 4,4 Punkten von 5 möglichen bewertet. Aber ist sie angesichts des touristischen Potentials der Prignitz und angesichts von über 75 000 Einwohnern nach einem dreiviertel Jahr damit nicht eher ein Ladenhüter? Ganz so sei es nicht, meint Sascha Schulz. Sie bringe den Kunden wirklich etwas. „Im Applestore landen wir unter dem Suchbegriff „Prignitz“ in den Rankings recht weit oben.“ Zu den Downloadzahlen müsse man die tatsächlichen Aufrufe und die verbesserte Auffindbarkeit durch Google einberechnen.

Nur nützt die Auffindbarkeit wenig, wenn die versprochenen Coupons und besonderen Angebote gar nicht vorhanden sind. Grundsätzliche Informationen wie Standorte von EC-Automaten sind zudem für Einheimische wahrscheinlich weniger relevant. Die Benutzeroberfläche unterscheidet sich in der mobilen und stationären Darstellung nicht, was gut ist für den, der sich mal am Handy, mal am Computer durch den Landkreis navigieren will. Der Effekt ist aber auch, dass es für die Darstellung ziemlich egal ist, ob man sich die App ’runterlädt oder in der Browserdarstellung auf dem Handy aufruft.

Der ehs-Verlag hat für Stendal ebenfalls eine solche City-App aufgelegt. Dort ist der Behördenfinder direkt auf der Startseite und wer das Kinoprogramm aufruft, sieht nicht nur die Telefonnummern der Kinos in der Nähe, sondern deren aktuelle Spielpläne. Erst solche Infos machen den täglichen Nutzwert aus.

Ein bisschen macht es den Eindruck, als seien die Prinzipien von Reiseführer und Branchenbuch digital miteinander vermengt worden. Eine richtig interessante App entsteht dann, wenn deutlich mehr Unternehmen eingetragen sind und mehr aktuelle Informationen ausgespielt werden. Die Voraussetzungen dafür sind da.

Unternehmen, Vereine und Verbände haben die Möglichkeit, zur Aufnahme in der Service-App sich direkt an den betreuenden ehs-Verlag in Magdeburg zu wenden. Nutzer können den Cityguide im Appstore oder bei GooglePlay kostenlos herunterladen. Zu finden ist er auch unter http://prignitz.cityguide.de


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