Starkregen in der Prignitz : Land unter in Perleberg

Während die Feuerwehr, draußen versucht, die Wassermassen vom Krankenhaus wegzupumpen...
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Während die Feuerwehr, draußen versucht, die Wassermassen vom Krankenhaus wegzupumpen...

Keller des Kreiskrankenhauses läuft voll / Gewerbegebiet an der B 5 knöchelhoch unter Wasser / Hennings Hof und Vion ebenfalls betroffen

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30. Juli 2014, 16:23 Uhr

Starkregen mit Gewitter, überflutete Straßen und Betriebsflächen, Autos radtief im Wasser und die Feuerwehren im Dauereinsatz. So ließe sich der Mittwochvormittag in Perleberg im Stenogrammstil beschreiben.

Zwischen 7 und 11.40 Uhr fallen 69 Liter Regen pro Quadratmeter, berichtet Hobbymeteorologe Günter Redlin. Er spricht gar von heftigem Starkregen, das heißt, binnen einer Stunde schüttet es mindestens 25 Liter auf den Quadratmeter. „Und es war sogar noch mehr. Ich musste mehrmals raus, um den Niederschlagsbecher zu entleeren, sonst wäre er übergelaufen“, so der 84-Jährige.

Kurz vor halb zehn der erste Einsatz für die Perleberger Ortsfeuerwehr. Im Neuen Hennings Hof ist eine Pumpenanlage vollgelaufen, muss entleert werden, wie vom Hoteldirektor zu erfahren ist. Die Wehr hat die Sache hier halbwegs unter Kontrolle, da kommt der nächste Hilferuf: Wasser im Keller des Kreiskrankenhauses. „Das hat absolute Priorität“, betont Einsatzleiter Uwe Schleich.

Am Kreiskrankenhaus hat sich der Regen in einer Senke der Zufahrt zum Hof gesammelt, läuft von hier in den Keller. Während die Feuerwehr pumpt und pumpt, hält Geschäftsführer Karsten Krüger Krisensitzung mit seinen Abteilungsleitern. Die Quintessenz: Der Krankenhausbetrieb ist nicht beeinträchtigt. „Betroffen sind vor allem die Haustechnik, die ihre Werkstätten im Keller hat und die Wäscherei“, sagt Krüger. Die Stromverteilung, die ebenfalls im Keller liegt, sei sicher. „Und wenn wirklich etwas ausfällt, ist nur das Haus 8 betroffen, alles andere läuft normal weiter.“ Alle Reinigungskräfte seien von den einzelnen Stationen in den Keller beordert worden, um schnellstens wieder Ordnung zu schaffen.

Inzwischen ist die Quitzower Wehr, unterstützt von Kameraden aus Groß Buchholz, bei Vion im Einsatz. „Unsere versiegelte Betriebsfäche steht unter Wasser, einschließlich des Parkplatzes“, so Roland Banse, Leiter Qualitätswesen. In die Gebäude kann das Wasser nicht, aber in die Autos. Damit das nicht passiere, läuft die Pumpe der Feuerwehr auf Hochtouren. Ein ähnliches Bild an der Zufahrt zum Gewerbegebiet Quitzow. Die Straße hier und der Parkplatz eines Autohauses stehen radtief unter Wasser, für Pkw kein Durchkommen mehr. Das Wasser droht ins Autohaus, in die Werkstatt und etwas entfernt in eine Lagerhalle eines Getränkegroßhandels zu laufen. „Das können wir gerade noch verhindern“, so Uwe Schleich.

Kaum ist die Lage im Krankenhaus unter Kontrolle, geht es sofort in Richtung Gewerbegebiet, wo Kameraden bereits versuchen, das Wasser abzuleiten. Es reicht nicht. Über die B 5 wird eine Schlauchbrücke gelegt, um das Wasser aus tiefer liegenden Schächten geradewegs auf den gegenüberliegenden Acker zu pumpen. Für die Kraftfahrer heißt es: hier geht es fortan nur im Schritttempo vorbei. Trotz Verkehrswarnung nehmen immer noch viele Fahrzeuge diesen Weg, der Stau ist vorprogrammiert.

Von 9.30 bis 16 Uhr sind rund 30 Kameraden der Wehren aus Perleberg, Düpow, Quitzow, Spiegelhagen, Groß Buchholz, unterstützt von der Karstädter Wehr im Einsatz.

Mit dem Starkregen sind die Wettereskapaden vorerst vorbei. „Die warme Luftmasse wird von einer kalten nach Osten weggeschoben, so dass in den nächsten Tagen schönes Wetter bei angenehmen Temperaturen zu erwarten ist“, sagt Thomas Endrulat, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Lokal begrenzte Platzregen wie gestern seien indes im Sommer normal. „Die Gewitterzellen haben einen Durchmesser von etwa 10 Kilometern. Dort regnet es extrem, während es jenseits der Zelle nur geringen oder gar keinen Niederschlag gibt.“

Für die Landwirte ist ein Regentag wie Mittwoch noch nicht problematisch, sagt die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, Christina Stettin. Derzeit bestimmen die Getreide- und die Rapsernte das Geschehen auf den Feldern. Lang anhaltenden Regen, vor allem aber Hagelschlag, „können wir aber gar nicht gebrauchen“, fügt Stettin an. Hagel schlägt Raps und auch reife Getreideähren aus bzw. ab. Viel Regen kann Lagergetreide zur Folge haben. In jedem Falle würde die Qualität des Erntegutes leiden. Nach den Worten von Stettin erwarten die Prignitzer Bauern in diesem Jahr eine recht gute Ernte.

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