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Immense Regenfälle in der Prignitz : Land unter auf vielen Wiesen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Durch Hochwasser geschädigte Agrarflächen sind in der Prignitz nichts Neues – das Ausmaß der aktuellen Wasserlandschaft schon

svz.de von
erstellt am 31.Jul.2017 | 21:00 Uhr

„So viel Wasser hatten wir noch nie und nicht so lange.“ Landwirt Siegmund Mackel aus Wustrow vermeidet es inzwischen, einige seiner Wiesen aufzusuchen. Mehr als 100 der 175 Hektar stehen zum Teil meterhoch unter Wasser. „Das ist seit vier Wochen so, das Wasser fließt nicht ab, immer mehr kommt hinzu.“

Am Wochenende eskalierte die Lage, die deutlich über den Wiesen liegende Gemeindestraße nach Lanz geriet unter Wasser, wurde gesperrt. „Der Wasserstand stabilisiert sich, aber es fließt noch Wasser darüber“, so Mackel. „Hier ist der tiefste Punkt der Löcknitz-Niederung. Der Fluss kann unter anderem wegen Sandbänken nicht rasch genug abfließen.“

Für den Biohof ist ein Großteil der Heuernte verloren. Er kann kein Futter verkaufen, es reicht nicht einmal für die eigenen Tiere. Vier bis sechs Wochen dürfte es dauern, bis die Wiesen getrocknet sind. Der Schaden beträgt mindestens 100 000 Euro, Mackel fürchtet um den Hof.

Der Landwirt verweist auf Probleme für die Bürger. „Über die gesperrte Straße fahren die Senioren zur Tagespflege. Hier leben viele Ältere, die der Hochwasserschutz überfordert und wir haben keine Feuerwehr.“ Mackel will mehr Beachtung für Karthane und Löcknitz, für die es keine Alarmpegel wie für die Stepenitz und Dömnitz gebe. Nötig sei eine Notfallnummer, um rasch Informationen zu erhalten und weiterzugeben, Hilfe zu organisieren. Zudem müssten die Löcknitz-Studien auf den Tisch und die Betroffenen in die Suche nach neuen Konzepten eingebunden sein.

In Wustrow wächst auch die Angst, dass bei steigenden Wasserständen unterirdische Stromkabel beschädigt sowie Klärgruben überflutet und Kolibakterien großräumig verteilt würden. Denn die neue Wasserwelt fängt am ersten Haus an. Bei Familie Fleischer sind Teile ihres Parks abgesoffen und Wasser von den Wiesen hat den mehr als eineinhalb Meter hohen Damm zum Teich überflutet. Dieser ist jetzt Teil der einige hundert Hektar großen „Seen“. Bis nach Bernheide wurden große Agrarflächen überflutet. Hinter dem Ort bevölkern Hunderte Enten und viele Störche die Wasserwelt. „Vor vier Wochen fielen 100 Liter Regen je Quadratmeter in Teilen der Prignitz, vom 24. bis 27.  Juli nochmals 80 bis 100 Liter, mehr als ein Drittel der gesamten Jahresmenge“, sagt Bernd Lindow, Sachgebietsleiter Natur- und Gewässerschutz beim Landkreis. Er will nach der Ferienzeit bei einer Gewässerschau an der Löcknitz mit allen Betroffenen Lösungen suchen.

„Es sieht schlecht aus“, bringt es Thilo Banitz, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Groß Lüben, auf den Punkt. „Seit Samstag hat sich die Lage nochmals verschärft. Das Wasser der Karthane läuft auf die Wiesen und Felder. Das Grünland zwischen Klein Lüben und Haaren steht stark unter Wasser. In diesem Ausmaß habe ich das noch nicht erlebt“, so Banitz, der seit 1984 in der heutigen Agrargenossenschaft arbeitet. Die Firma bewirtschaftet insgesamt 1800 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Etwa 300 Hektar seien nass. „Das betrifft sowohl Weidefläche als auch Felder, die gemäht werden für das Winterfutter. Bei Getreide werden wir hundertprozentig Ernteausfälle haben.“ In Zahlen fassen könne er den Schaden bisher noch nicht. „Man kann nur hoffen, dass das Wasser schnellstmöglich versickert“, so Banitz. 
 

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