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Der Prignitzer

12. Dezember 2017 | 03:47 Uhr

Lachszucht in der Region geplant

vom

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2012 | 07:21 Uhr

Prignitz | Seit 13 Jahren läuft in der Stepenitz das Projekt zur Wiederansiedlung des Lachses. Millionen Jungtiere wurden seitdem ausgesetzt, Millionen Euro ausgegeben. Doch vom eigentlichen Ziel, dass sich der Bestand selbst reproduziert und Besatzmaßnahmen überflüssig werden, ist man weit entfernt. Es stellt sich die Frage nach dem Sinn des Projektes. Brauchen wir wirklich den Lachs in der Stepenitz? Ja, sagen die Projektverantwortlichen.

Jahr für Jahr werden in der Stepenitz Jungtiere ausgesetzt, von hier suchen sie sich ihren Weg in die Weltmeere. Immer begleitet von der Hoffnung der Fischereibiologen, einige von ihnen irgendwann wieder zu sehen. "Unser Ziel bleibt es nach wie vor, einen Bestand aufzubauen, der sich selbst reproduziert", sagt Steffen Zahn vom Institut für Binnenfischerei in Potsdam. Er begleitet das Projekt von Anfang an.

Die Stepenitz war einst die Heimat der Lachse. Während der Stör als größter Fisch mit einer Länge von bis zu vier Metern die Elbe nicht verließ, stiegen vor allem Lachse und Meerforellen die Stepenitz bis nach Putlitz und Telschow auf, um hier für Nachwuchs zu sorgen. All das ist lange her und nur noch in den verstaubten Büchern der Prignitzer Museen nach zu lesen.

1999 brachte der Landesanglerverband Brandenburg gemeinsam mit dem Institut für Binnenfischerei in Potsdam Sacrow das Projekt Lachs 2000 auf den Weg. Zu diesem Zeitpunkt waren Lachs und Meerforelle mehr als 100 Jahre aus der Elbe und der Stepenitz verschwunden.

Schlechte Wasserqualität der Elbe, aber auch zahlreiche Staubauwerke in dem Fluss versperrten ihnen lange Jahre den Weg in die angestammten Laichgewässer. Entsprechend groß war das öffentliche Interesse bei der ersten Besatzmaßnahme an der Dömnitz im Frühjahr 1999.

Zahlreiche Journalisten, Lokalpolitiker und Angler warteten auf die ersten Lachse. 90 000 Stück sollten es sein. Sie kamen in Plastiksäcken im Kofferraum von Kleintransportern. Brütlinge, erst wenige Tage alt, nur wenige Zentimeter groß. Heute, 13 Jahre später, ist das Interesse weder bei Lokal-, noch bei der Landespolitik übermäßig groß. Der Lachsbesatz in der Stepenitz ist zur Normalität geworden.

Spektakulärer dagegen sei die Kontrollfischungen, die alljährlich im Herbst im Perleberger Stadtgebiet stattfinden. Denn dann sind sie zu sehen - die Lachse. Bis zu einem Meter groß, bunt gefärbte Männchen und unscheinbar wirkende Weibchen. Noch immer bleiben Passanten beeindruckt stehen und wagen einen Blick in die Hälterbecken an der Ziegelhofbrücke in Perleberg.

Doch die Bilanz dieser Kontrollen ist ernüchternd. Von den ausgesetzten Junglachsen in der Stepenitz und einigen Nebengewässern kehren zur Zeit etwa 0,6 Prozent als Laichfische in die Region zurück,erklärt Zahn.

Es habe zwar schon Jahre, gegeben, da stieg die Quote auf 1,6 Prozent. Aber auch das sei immer noch zu wenig, um den Bestand zu sichern. "Wir brauchen mindestens eine Rückkehrerquote von drei Prozent", erklärt Zahn und räumt ein: Davon sei man noch weit entfernt.

Ursachenforschung werde betrieben. "Wir wissen nicht, wo die Fische verloren gehen. Ob sie in den Fischernetzen auf den Weltmeeren enden, von anderen Fischen oder beim Laichaufstieg über die Nordsee von Seehunden gefressen werden. Sie können auch in den Netzen der Nebenerwerbsfischer landen. Wir können es nicht genau sagen", räumt Zahn ein.

Vielleicht, so die Vermutung, finden die Lachse den Weg zurück auch nicht richtig, weil ihnen die Prägung auf das Heimatgewässer fehlt. In den vergangenen Jahren wurden nur noch Smolts, Junglachse, die etwa ein halbes Jahr alt sind, ausgesetzt. Sie stammen aus dem Fluss Skjern aus Dänemark.

Um die Prägung der Jungfische zu verbessern, habe man mit einem Angelverein aus der Region, dem Institut in Potsdam und dem Landesanglerverband ein Projekt auf den Weg gebracht, um selbst Junglachse aufzuziehen. An der Stepenitz soll eine Aufzuchtanlage gebaut werden, in der aus dem Laich der aufgestiegenen Lachse Jungfische herangezogen werden, die dann auch wieder in der Stepenitz ausgesetzt werden sollen. Aber noch sei die Finanzierung des Projektes nicht gesichert, heißt es aus dem betreffenden Verein.

"Man muss die Wiederansiedlung des Lachses als Teil eines Gesamtkonzeptes sehen", sagt Andreas Koppetzki, Hauptgeschäftsführer des Landesanglerverbandes. So habe die Meerforelle von dem Projekt bereits so profitiert, dass sie teilweise für die Beangelung bereits frei gegeben wurde. Auch für den Lachs stehe das Ziel, dass er irgendwann durch die Mitglieder des Verbandes beangelt werden kann, so Koppetzki.

Von der geschaffenen Durchlässigkeit der Gewässer profitieren aber alle Fischarten, nicht nur Lachs und Meerforelle und so hat der Erfolg viele Väter. "Es ist schon ein großer Erfolg, dass jährlich Lachse und Meerforellen in die Stepenitz zum Laichen zurückkehren. Das die Menge der Rückkehrer noch nicht ausreicht ist klar, aber daran werden wir weiter arbeiten", zieht Steffen Zahn ein Fazit.

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