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Der Prignitzer

24. November 2017 | 16:19 Uhr

Lachend ziehen sie durch ihr Dorf

vom

svz.de von
erstellt am 20.Aug.2012 | 10:40 Uhr

GroSS Warnow | Flower Power, schöne Bauerstöchter und frisch gezapftes Bier von Wirtin Astrid Roock. Groß Warnow feierte sich am Wochenende selbst. Das Dorf wurde 700 Jahre alt. Für viele war das Anlass, die alte Heimat zu besuchen, andere wollen sie gar nicht erst verlassen.

"Hier habe ich meine Feuerwehr, meinen Fußball, meine Familie. Ich will nicht wegziehen", sagt Martin Schmidt. In seinen bunten Klamotten lacht er in die Kamera und versprüht Lebensfreude, wie sie einst für die Flower-Power-Zeit charakteristisch war. Zwar müsse er täglich nach Lübeck oder Hamburg zur Arbeit fahren, aber das sei ihm egal. "Ich habe zeitweilig in Dänemark, Holland und Lübeck gelebt, aber zu Hause ist zu Hause."

Aus den Boxen dröhnt der Hit "Dschingis Khan", Ute Schmidt und Margot König singen lautstark mit. "Das war unsere Zeit", rufen sie in ihren schrillen Kostümen, die teils selbst gefertigt, teils ausgeliehen sind. Janine Littmann hatte die Idee zu diesem Motto. Selbst viel zu jung, um diese Zeit mit erlebt zu haben, fand sie den Gedanken lustig und die Stimmung auf dem Wagen gibt ihr Recht.

Astrid Roock zapft auf dem Schankwagen "Zum Goldenen Stern" Bier, so wie seit mehr als 30 Jahren hinterm Tresen des Dorfkrugs. Bezahlen muss heute niemand. "Freibier als Dankeschön für die Treue, als Dank an die Warnower, dass es uns noch gibt", sagt Astrid Roock. Dorfkneipen hätten es nicht leicht, aber sie wolle nicht klagen. "Wir haben unsere Stammkunden und viele Familienfeiern, darunter Silberhochzeiten von Paaren, die bei uns schon geheiratet haben."

Aus Leipzig ist ihr Schwager Gilbert Roock angereist. Er mimt einen Wasserträger. "Das hat mein großer Bruder zur Jahrfeier vor 25 Jahren gemacht", erzählt er. Auch wenn er in Leipzig lebe, liebe er seine Heimat in der Prignitz. "Man darf nie vergessen, wo man seine Wurzeln hat." Dem stimmt Marko Schmidt zu. In Klein Warnow aufgewachsen, lebt und studiert er mittlerweile in Wismar. Zur Jahrfeier hat er eine Woche bei seinen Eltern verbracht und zusammen mit Vater Hartmut Schmidt einen Umzugswagen gebaut. Dieser zeigt eine Windmühle. "Sie hat hier von 1734 bis 1984 gestanden", weiß Marko Schmidt, der auf seinem Arm Sohn Emil trägt.

Während die Erntekrone, eine Flüchtlingsfamilie und Kinder der Grundschule mit den anderen Wagen durchs Dorf ziehen, genießen Christiane und Bernd Possenau das Schauspiel aus der ersten Reihe. Sie haben es sich auf Stühlen am Straßenrand bequem gemacht und wer mag, bekommt einen kühlen Weißwein oder etwas anderes gereicht. "Es muss ja auch Zuschauer geben", verrät Possenau lachend, warum er selbst nicht am Umzug teilnimmt. Aber der gebürtige Groß Warnower hat sein Grundstück so wie alle anderen Einwohner entlang der Straße geschmückt. "Das ist doch ein richtiges Ereignis, jeder gibt sich Mühe, jeder macht mit", sagt Bernd Possenau.

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