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Berührender Filmabend : Kurt Böwe als Prignitzer Landarzt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im Fernsehfilm „Späte Ankunft“ spielte der Mime eine Wunschrolle – Samstagabend wurde in Krumbeck daran erinnert

svz.de von
erstellt am 22.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Kulturelle Erlebnisse gibt es auch weit jenseits der Großstädte. Davon ist Schriftsteller Jürgen Rennert, 2014 von Berlin nach Krumbeck (Amt Putlitz-Berge) gezogen, zutiefst überzeugt. Und nicht nur das: Gemeinsam mit dem Verein Krumbecker Freuden e. V., den es schon seit zehn Jahren gibt, organisiert er Kultur im Dörfchen nahe der Landesgrenze zu Mecklenburg Vorpommern.

An die 80 Gäste fand sich Samstagabend im Vereinshaus zu einem Filmabend zusammen. Natürlich nicht irgendein Filmabend, sondern einer, der mit dem Schauspieler Kurt Böwe, der hier lebte und hier in Frieden unter einem Findling ruht, zu tun hat. Mit von der Partie: Heidemarie Böwe, Kurt Böwes Frau, und die Regisseurin des aufgeführten Zweiteilers „Späte Ankunft – Ein Landarzt“ (Fernsehfilm, DDR, 1989), Vera Loebner.

Die Handlung des atmosphärischen Streifens ist in der Prignitz angesiedelt: 1896 verlässt der Berliner Nobelarzt Dr. Wilhelm Hinrich Holtfreter (Kurt Böwe) seine gut situierte Gattin und übernimmt im preußischen Landkreis Westprignitz die Landarztpraxis des verstorbenen Dr. Tochtenhagen. Ein Schritt, der damals wie heute vielfach mehr auf Unverständnis als auf Beifall trifft. Die Parallelen zur ganz aktuellen Gegenwart sind erstaunlich und sorgten in der einen oder anderen Filmszene am Samstag beim Publikum für Schmunzeln und Raunen …

Im Reigen der Mimen waren übrigens damals die profiliertesten Darsteller der DDR-Schauspielkunst: u. a. Ulrich Mühe, Jenny Gröllmann, Fred Delmare, Jaecki Schwarz, Rolf Ludwig, Barbara Dittus. Heidemarie Böwe plauderte zu Beginn ein wenig aus ihren Erinnerungen und gab Aufschluss darüber, warum dieses Filmprojekt für ihren Gatten etwas ganz Besonderes war: „Für Kurt war der Arzt, respektive der Landarzt, von Kind an ein ständiger Begleiter im realen Leben, da er an schwerem Asthma litt. Seit ich ihn kenne, also seit ich 26 war, äußerte er immer wieder den Wunsch, dass er so gern einmal einen Landarzt spielen würde. Es war ihm eine Herzensangelegenheit.“ Auf die Fontanezeit als Handlungsraum habe man sich u. a. wegen der schönen Optik verlegt und „damit man nicht so viel lügen muss“, wie Vera Loebner mit einem Augenzwinkern erläuterte. Auch, wenn das heute noch viel weniger der Fall sei, hätte das Sinnieren und Philosophieren über das Leben wohl bereits 1989 in der ärztlichen Praxis wohl nur noch wenig Raum eingenommen. Die Rückverlagerung der Handlung um knapp 100 Jahre ließ den Filmemachern jedoch dafür Raum.

So war es Samstag ein wirklich ungewöhnlicher und berührender Kinoabend, wie man ihn heute sicher selten erlebt. Noch dazu einer, in dem der 2000 verstorbene Kurt Böwe selbst eine tragende Rolle spielte. Die Veranstaltung reiht sich ein in die zahlreichen Aktivitäten des Krumbecker Freuden e. V., wie Schatzmeisterin Rita Henkel berichtet. 2005 gründete sich der Verein zur Pflege der Heimat und des Brauchtums, übernahm die „Kulturbaracke“ im Ort und versucht, dieses Haus und das Dorf mit eigenen Ideen zu bereichern und zu beleben. Dabei, so Henkel, beschränken sich die Vereinsmitglieder durchaus nicht nur auf Krumbeck und die nähere Umgebung, sondern dehnen ihre Erkundungen weiter aus, z. B. bis nach Grabow oder Malchow. Jahreszeitliche Veranstaltungen im Dorf und kulturelle Perlen, wie die Samstagabend, runden das Vereinsangebot ab.  

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