Tourismus : „Kurs Elbe“ steht in der Kritik

Stadtführer Jürgen Schmidt wünscht sich bei Tourismusprojekten eine stärkere Einbeziehung der Macher vor Ort .
Stadtführer Jürgen Schmidt wünscht sich bei Tourismusprojekten eine stärkere Einbeziehung der Macher vor Ort .

Stadtführer fühlen sich übergangen und wünschen sich von der Projektleitung mehr Aufmerksamkeit

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02. September 2015, 08:00 Uhr

Zweifellos sei die Projektidee „Kurs Elbe. Hamburg bis Wittenberge“. zur Belebung des Wassertourismus eine gute Idee, sagt Gästeführer Jürgen Schmidt aus Wittenberge. „Nur warum redet die Projektleitung nicht mit uns, die wir an der Basis mit Touristen arbeiten?“, fragt er im Namen der Wittenberger Stadtführer und reagiert damit auf unseren Beitrag „Mit Volldampf die Elbe hinauf“.

Bis jetzt habe Schmidt in diesem Jahr 47 Reisebusse betreut, die Gäste durch Wittenberge und die Prignitz geführt. „Zwei Drittel von ihnen kamen aus Hamburg“, sagt er und spricht von guten Beziehungen in die Hansestadt. Wittenberge sei im dortigen Reisemarkt längst zu einem Begriff geworden. Das sei nicht nur seine Erfahrung, sondern auch die des Wittenberger Tourismusbetriebes.

Um so mehr frage er sich, warum es von Seiten des Projektes „Kurs Elbe“ keine Angebote zu Treffen oder zu einem Erfahrungsaustausch gebe. „Ich habe das Gefühl, wir werden nicht wahrgenommen, ja uns gibt es gar nicht“, sagt Jürgen Schmidt. Und die Aussage des Projektleiters Jens Kowald, dass es zwischen Hamburg und Wittenberge keine Möglichkeiten für einen spannenden achtstündigen Aufenthalt an Land gebe, könne er rein gar nicht nachvollziehen.

In Wittenberge ließe sich mit Leichtigkeit ein solcher Aufenthalt gestalten. „Allein unsere kulinarische Stadtführung in drei unterschiedlichen Varianten dauert fünfeinhalb Stunden.“ Drei Museen, darunter das größte Bahnmuseum des Landes Brandenburg, Industrietouren – alle Bausteine seien beliebig miteinander kombinierbar.

„Dabei rede ich noch gar nicht von Fahrten mit dem Oldtimerbus ins Hinterland: Plattenburg, Rühstädt, Lenzerwische, Pilgern, Schlösser und Adel. Bisher gab es in diesem Jahr 60 davon“, so Schmidt. Er ist richtig sauer im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wittenberge ist touristisch zu einem Leuchtturm geworden, warum sehen ihn manche nicht?“

Jens Kowald nimmt diese Kritik entgegen. Dass es in Wittenberge solche guten Angebote gebe, sei ihm selbstverständlich bekannt. „Aber derzeit halt nur in Wittenberge und nicht entlang der Strecke, so wie ich es auch formuliert hatte“, reagiert Kowald.

Und das sei nicht seine Bewertung, sondern die Aussage des Kreuzfahrtanbieters Nicko Cruises. Letztendlich müssten doch diese Anbieter überzeugt von so einer Route sein, damit sie diese in ihr Angebot aufnehmen, erklärt Kowald.

„Kurs Elbe“ sei ein Vermittler, könne informieren, „aber wir selbst bieten keine Pauschalreisen an“. Für fraglich hält Kowald, ob Angebote wie die von Schmidt erwähnte kulinarische Stadtführung, passend seien. „Kreuzfahrer verpflegen sich komplett selbstständig an Bord.“

Dass Reedereien sehr wohl Interesse an Wittenberge und der Prignitz haben, beweisen zwei langjährige Partner, mit denen Jürgen Schmidt zusammenarbeitet, darunter die Phoenix Reisen GmbH mit der Saxonia. Sie lege regelmäßig in Wittenberge an. In diesem Jahr allerdings mussten Fahrten abgesagt werden, da seit Monaten die Wasserstände in diesem Flussabschnitt zu niedrig waren, erklärt Schmidt. Im Herbst würden wieder Kreuzfahrer anlegen.

Dass Reedereien nur Interesse haben, wenn acht Stunden Landgang sinnvoll gefüllt werden können, glaubt Schmidt nicht. Jedenfalls habe er in all seinen Berufsjahren als professioneller Gästeführer diesen Fall noch nicht erlebt. „Drei bis vier Stunden sind meine Erfahrungen.“ Er betont, dass er das mit öffentlichem Geld finanzierte Projekt „Kurs Elbe“ befürwortet, erinnert an die einst bestehende Schifffahrtslinie Hamburg-Wittenberge. „Vielleicht wird es ja in der zweiten Projektphase bis 2017 Gespräche mit uns geben“, sagt er. Dem steht Jens Kowald aufgeschlossen gegenüber. Beide Seite könnten die Initiative ergreifen, denn dass es „Kurs Elbe“ gibt, sei bekannt. „Wir waren mehrfach in Wittenberge und mehrfach hat die Zeitung über uns berichtet“, sagt Kowald.  

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