Angekommen in der Prignitz : Künftig steht ein Syrer am Herd

Renas Fermann lernt bereits vor Beginn seiner Ausbildung die ersten Arbeiten in einer Großküche.
Renas Fermann lernt bereits vor Beginn seiner Ausbildung die ersten Arbeiten in einer Großküche.

Renas Fermann beginnt fernab seiner Heimat eine Ausbildung im Kreiskrankenhaus und setzt sich unter den Bewerbern durch

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31. Mai 2017, 12:00 Uhr

Fleisch brutzelt in der Pfanne. Renas Fermann greift in das Salzfass und würzt die Koteletts. Auf den ersten Blick hat der Syrer Routine am Herd, auf den zweiten zeigt sich: Noch sitzt längst nicht jeder Handgriff. Muss auch nicht, denn der 26-Jährige beginnt erst am 1. August mit seiner Kochlehre im Kreiskrankenhaus Prignitz. Bis dahin arbeitet er als Küchenhilfe in der Perleberger Klinik.

Seine Geschichte gleicht der anderer Syrer. Der gebürtige Kurde hat in Syrien die Schule beendet, fünf Jahre als Kellner in einem Restaurant in Damaskus gearbeitet, erzählt er. Auch in der Türkei habe er Erfahrungen in der Gastronomie sammeln können. Doch der Krieg habe sein Leben zerstört, er floh nach Deutschland, lebte zunächst in Niedersachsen, mittlerweile in Karstädt, wo auch sein Cousin wohnt.

Dank eines Sprachkurses versteht und spricht er immer besser Deutsch. „Aber mir ist langweilig“, sagt er. Die Langeweile führte ihn bereits im vergangenen Jahr ins Krankenhaus, die ihn betreuende Akademie Seehof und vor allem sein Lehrer hatten den Kontakt vermittelt. In der Küche absolvierte er ein sechswöchiges Praktikum, fand schnell Spaß an der Arbeit. „Außerdem lerne ich in der Küche die Sprache schneller und besser.“

Sein Entschluss stand fest: Er bewarb sich um eine Lehrstelle. Mit ihm gab es anfangs rund 20 Bewerber, sagt Küchenchef Volker Pagel. Einige meldete sich nie wieder, andere legten beim Praktikum keinen besonders großen Eifer an den Tag. Ganz anders Renas Fermann. „Wir haben uns für ihn entschieden, auch nach einem Gespräch mit meinen Kollegen, die schließlich mit Renas zusammenarbeiten müssen“, meint Pagels.

Sprachlich sei es eine Herausforderung, aber es gebe Fortschritte. Warenkunde zu den verwendeten Lebensmitteln, Salate anrichten, Gerichte für die Patienten portionieren. Von Woche zu Woche übernimmt Renas Fermann mehr Aufgaben, dürfte bestens gerüstet in die dreijährige Ausbildung starten. „Ich schätze seine Pünktlichkeit und seinen Fleiß“ lobt der Küchenchef, der aktuell keine Lehrlinge betreut.

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