Schlachtefest : Küchentipps vom Fleischer

Matthias Schlede zerlegt eine Schweinehälfte und erklärt den Besuchern des Schlachtefestes anschließend die einzelnen Teile des Tieres und ihre Verwendung in der Küche. Fotos: Hanno Taufenbach (3)
Matthias Schlede zerlegt eine Schweinehälfte und erklärt den Besuchern des Schlachtefestes anschließend die einzelnen Teile des Tieres und ihre Verwendung in der Küche. Fotos: Hanno Taufenbach (3)

Wustrower Schlachtefest zieht hunderte Besucher an / Familie Schlede erklärt und zeigt ihr Handwerk /

svz.de von
03. November 2014, 12:00 Uhr

Lecker Krustenbraten oder lieber ein deftiges Stück Kassler mit Kraut und Kartoffeln? Wer am Sonnabend seinen Mittagstisch nach Wustrow verlegte, bekam fleischige Leckereien, aber brauchte Geduld. Der Besucherandrang auf dem dortigen Schlachtfest übertraf die Erwartungen des rührigen Heimatvereins bei weitem.

An beiden Ortsenden stehen Autoschlangen am Straßenrand, im Dorf sind alle Seitenwege zugeparkt. Menschentrauben an jedem Stand, die Kaffeemaschinen laufen pausenlos und Mareike Knispel eilt von Tisch zu Tisch, schenkt Kaffee nach. Währenddessen zerlegt Matthias Schlede fachgerecht ein Hausschwein. Er schneidet die zwei Streifen Filet heraus, präsentiert die Backen und sagt: „Die eignen sich als geräucherte Einlage im Grünkohl.“

Stück für Stück trennt er vom Schwein ab, erklärt die Arbeitsschritte des Schlachtens und geizt wahrlich nicht mit Küchentipps für den nächsten Sonntagsbraten. Die Besucher sind wissbegierig und lassen sich diese Chance nicht entgehen.

Auch das Schauschlachten am Nachmittag bietet einen zwar ungewohnten, aber gerade für ältere Besucher vertrauten Anblick. Die Hausschlachterei ist in der Prignitz fast ausgestorben. Neben Familie Schlede aus Lenzen schlachtet nur noch Jürgen Hildebrandt in Kletzke, sagt Fleischermeister Jürgen Schlede.

Seit dem ersten Schlachtefest 1991 in Breese ist er mit dabei. Zwischenzeitlich gab es das Fest in Lenzen, seit drei Jahren in Wustrow. „Die Zusammenarbeit mit dem hiesigen Heimatverein ist super“, freut er sich. Seine Tiere kommen aus der Region, unter anderem aus Vielank und Seedorf. Eineinhalb Tiere hat er für den Mittagsimbiss verarbeitet, per Würfellos können Besucher ein Ferkel gewinnen, dem Meister beim Wurstmachen zuschauen und und natürlich auch beim Schlachten. „Heute muss die ganze Familie helfen , dass alleine sind sieben Personen und auch Freunde unterstützen uns“, so Jürgen Schlede.

Wer bei dem Überangebot an Fleisch seinen Appetit verliert, darf sich freuen: „Vegetarische Gemüsesuppe“ steht auf der Tafel am Eingang zur alten Schule. Christiane Saß hat gekocht und die Vorsitzende des Heimatvereins nahm die Zutaten aus ihrem eigenen Garten. „Wir müssen ja auch an die Vegetarier denken“, sagt sie.

Der Verein hat rund 50 Mitglieder, das Dorf zählt nur 70 Einwohner. „Wenn wir unseren Spieleabend machen, kommen 30 Gäste und wir haben wieder Kinder im Dorf“, freut sie sich. Der jüngste Bewohner sei erst ein halbes Jahr alt.

Für das Schlachtefest haben sie Kuchen gebacken. Acht Frauen schälten Äpfel, eine 83-jährige Besucherin machte den Hefeteig. Was der Heimatverein macht, macht er mit Liebe. Vielleicht schmeckt es deshalb in Wustrow immer so gut.


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