Wittenberger Eisenbahngeschichten : Kruckenberg-Relikte existieren

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Erinnerung an legendären Triebwagen lebt in Wittenberge noch. Eisenbahnunglück von 1912 aber kaum bekannt.

svz.de von
04. März 2014, 12:00 Uhr

Existieren in Wittenberge und Umgebung noch Bauteile des legendären Schnelltriebwagens SVT 137 155? Auf die Bitte des Bahn und Technik begeisterten Mario Sembritzki hin veröffentlichte der „Prignitzer“ Ende Januar diese Frage und bat seine Leser um Mithilfe. Mitstreiter des Dresdner Verkehrsmuseums hatten sich an Sembritzki gewandt. Denn bekannt ist, dass der legendäre Schnelltriebwagen, nachdem er 1939 bei einer Probefahrt einen schweren technischen Defekt erlitt, über viele Jahrzehnte im hiesigen Raw stand.

Es waren vor allem ehemalige Beschäftigte des Raw, die sich beim „Prignitzer“ meldeten und von ihren Erinnerungen an den Kruckenberg-Triebwagen erzählten. Und es gibt auch eine eindeutige Antwort auf die Frage, ob hier noch Relikte des Technikwunders existieren. Ja, sie existieren. Ein ehemaliger Lokführer und Willi Kübeck aus Lindenberg wissen, dass auf einem Grundstück nahe dem Kypgraben in der Kyritzer Straße ein Segment des Kruckenberg als Art Schuppen genutzt wurde bzw. wird. Auch in einem Garten in der Blumensiedlung soll so ein umfunktioniertes Stück des ausgeschlachteten Triebwagens stehen, berichteten Wittenberger. Da die Besitzer der Grundstücke sich bisher auch bei Mario Sembritzki nicht meldeten, können die Relikte aber nicht für die Eisenbahnfreaks in Dresden fotografiert werden.

Während der Kruckenberg-Wagen und sein Defekt vielen Wittenbergern ein Begriff sind, scheint das schwere Eisenbahnunglück, das sich 1912 auf dem Wittenberger Bahnhof ereignete, so gut wie gar nicht (mehr) im Stadtgedächtnis verankert zu sein. Reinhard Meyer befasst sich mit Wittenberger Geschichte und macht, angeregt durch die Kruckenberg-Geschichte, auf den Unfall aufmerksam. In Meyers Besitz befindet sich auch die oben abgebildete Ansichtskarte. Sie zeigt die beiden Züge, die am 15. März 1912 zusammenstießen. Die Wittenberger Chronik von 1997 berichtet, dass um 2.20 Uhr der Postzug 6067 aus Hamburg das Einfahrtssignal am Bahnhof überfährt und mit einem nach Lüneburg ausfahrenden Güterzug zusammenstößt. Ein Zugführer und der Wagenwärter werden getötet, vier Zugbeamte verletzt. Drei Postzugwagen brennen aus. Schweine aus dem anderen Zug müssen notgeschlachtet werden.


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