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Der Prignitzer

24. November 2017 | 06:58 Uhr

Wittenberge : Kritik am Tauchprojekt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Experte äußert Bedenken an Aktion für Menschen mit Handicap – Mitinitiator widerspricht.

von
erstellt am 18.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Menschen mit Handicap sollen Tauchen lernen. Dabei spielt auch der Tauchturm auf dem Gelände der Alten Ölmühle in Wittenberge eine Rolle, denn dort sollen sich die Tauchneulinge später auch betätigen.

Das aber kritisiert Chris Roemer. „Ich halte den Tauchturm für ungeeignet“, sagt der Tauchlehrer, der selbst Menschen mit Handicap die Unterwasserwelt näher bringt. „Das Wasser in dem Turm ist zu tief und es ist zu kalt. Behinderte Menschen sind kälteempfindlich, und ich glaube nicht, dass dort tatsächlich 27 Grad Wassertemperatur erreicht werden können“, sagt Roemer. Er arbeitete 13 Monate selbst in dem Tauchturm, kennt die Verhältnisse dort. Er meint, dass der Turm schon wegen der Architektur und der fehlenden Isolierung nicht die 27-Grad-Marke bei der Wassertemperatur erreichen könne.

Aus baulicher Sicht hat Roemer Zweifel, dass sich Menschen mit Handicap im Tauchturm wohlfühlen werden. Einige kämen gar nicht erst zum Becken, „weil es keinen Aufzug gibt, sondern nur eine steile Treppe“. Des Weiteren sei der Beckenrand zu hoch. „Querschnittgelähmte bräuchten eine Hebevorrichtung oder spezielle Matten, über die sie sich ins Wasser gleiten lassen könnten“, so Roemer. Grundsätzlich sei das Tauchen für Menschen mit einer Beeinträchtigung möglich und er begrüße das auch. „Dazu braucht man Leute mit einer speziellen Ausbildung. Sowohl im Wasser als auch draußen, damit im Notfall schnell gehandelt werden kann.“ Roemer fragt, inwiefern die Wissenschaftler der Uni Potsdam, die das Projekt begleiten, fachlich in der Lage sind, das Geschehen einzuschätzen.

„Wir wollen die Gesundheitswerte der Teilnehmer analysieren und schauen, wie sich das Projekt didaktisch umsetzen lässt. Denn bei Menschen mit Handicap müssen die Tauchlehrer anders agieren als sonst“, erklärte Henning Ohlert vom Department Sport- und Gesundheitswissenschaft der Uni Potsdam vor Kurzem bei der Auftaktveranstaltung in der Alten Ölmühle. Er untersucht die Leistungsfähigkeit von Menschen mit Behinderung. Außerdem lehrt er zu didaktischen und integrationspädagogischen Aspekten.

Lutz Lange, Geschäftsführer der Genesis GmbH, betont auf Anfrage, dass das Wasser im Tauchturm zwischen 24 und 27 Grad Celsius habe. „Darüber hinaus bieten wir in unterschiedlichen Tiefen Plattformen zum Ausruhen und schrittweisen Abtauchen.“ Die Tauchlehrer seien qualifiziert für dieses Pilotprojekt, hätten Zusatzlehrgänge besucht, in denen es um das Thema Tauchen mit Menschen mit Behinderung ging. „Und die Lebenshilfe hat ein strenges Auswahlverfahren, was die Kandidaten betrifft. Wir beginnen mit niemandem, der eine äußerliche körperliche Beeinträchtigung hat, wie zum Beispiel eine Querschnittlähmung“.

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