Kritik am Schwimmunterricht

<fettakgl>Schwimmen ist für Kinder</fettakgl> keine Selbstverständlichkeit mehr. Der Schwimmverband macht dafür die Schulen verantwortlich. <foto>dpa</foto>
Schwimmen ist für Kinder keine Selbstverständlichkeit mehr. Der Schwimmverband macht dafür die Schulen verantwortlich. dpa

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21. Januar 2013, 09:46 Uhr

Potsdam | Ein Kopfsprung, tauchen und eine Bahn kraulen - auch nach der Grundschulzeit haben manche Kinder keine Grundkenntnisse im Schwimmen. "Immer wieder gibt es an Schulen auch 16-jährige Nichtschwimmer", sagt der Landesvorsitzende des Schwimmmeisterverbandes, Joachim Wunstorf. Grund dafür sind vor allem Mängel im schulischen Schwimmunterricht. "Das Bildungssystem weist immer noch jegliche Kritik von sich", sagt Wunstorf.

Indes geht die Zahl der Nichtschwimmer in den fünften Klassen nach Angaben des Bildungsministeriums seit Jahren zurück: Betrug ihr Anteil 1996 noch rund 16 Prozent, waren es in den jüngsten Erhebungen im Jahr 2010 nur noch 5,5 Prozent. "Die Fähigkeiten der Schüler zu schwimmen, hat sich seit Mitte der 1990er-Jahre deutlich verbessert", hieß es in einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage vor eineinhalb Jahren. Schwimmunterricht ist in der 3. oder 4. Klasse vorgeschrieben, bis zur 10. Klasse soll das Erlernte zusätzlich in 15 Unterrichtsstunden gefestigt werden.

Schwimmmeister Wunstorf reicht das nicht: "Die Situation ist nicht besser geworden". Neben der Schule würden aber auch die Eltern oft versagen. "Sie verlassen sich auf die Schule, und die Schule verlässt sich auf sie - es gibt kein Miteinander", kritisiert er.

Viele Verantwortliche begriffen nicht, warum gute Schwimmfähigkeiten so wichtig seien. "Wenn die Kinder unsicher sind und Wasser schlucken, geraten sie sofort in Panik", berichtet Wunstorf. Die Gefahr werde größer, desto älter und unabhängiger die Kleinen sind. Ein Kind sollte spätestens bis zum 9. Lebensjahr schwimmen können.

Von guten Fähigkeiten haben Joachim Wunstorf und das Ministerium ganz unterschiedliche Vorstellungen: Der Landesregierung reicht es, wenn ein Kind 25 Meter schwimmen kann - die Technik ist eher zweitrangig. Wunstorf hingegen ist davon überzeugt, dass 100 Meter schon Zweitklässlern zugemutet werden könnten. "Damit kann im Ernstfall wirklich das Überleben gesichert werden."

Auch beim Landesverband der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes gibt es Zweifel am Schwimmunterricht der Schulen. Das Gesamtbild sei nicht besser geworden, sagt Mathias Brümmer, Landeswart im Bereich Schwimmen. Zu ihm und seinen Kollegen kommen vor allem die Kinder, die auch nach dem Schulunterricht im kühlen Nass keine sicheren Schwimmer geworden sind. "Sie haben Angst vor dem Wasser und vor allem Technikschwierigkeiten", berichtet Brümmer. In den Schulkursen gehe es vor allem darum, die Schüler zügig durch das Programm zu bringen. "Das hilft bei Problemen natürlich nicht weiter", betonte er. Stephan Breiding, Sprecher des Bildungsministeriums, sieht die Lage weniger dramatisch. "Die Voraussetzungen, um schwimmen zu lernen, sind gewährleistet", sagt er. Kinder, die schwache Schwimmer seien, werde es immer geben. Da seien auch die Eltern gefragt, die helfen könnten, das Erlernte zu üben und festigen. "Aber wir können immer noch besser werden", räumt Breiding ein.

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