Prignitz-Bus : Kritik am neuen Fahrplan hält an

Mag die Anbindung in der Stadt noch funktionieren, sorgt der Fahrplan im ländlichen Gebiet für anhaltende Kritik von Bürgern.
Foto:
Mag die Anbindung in der Stadt noch funktionieren, sorgt der Fahrplan im ländlichen Gebiet für anhaltende Kritik von Bürgern.

Besonders Dorfbewohner fühlen sich vom neuen Busverkehr abgehängt / Landkreis verteidigt neues Konzept

von
09. August 2016, 21:00 Uhr

Kaum ist der neue Busfahrplan für den Landkreis in Kraft, gibt es weitere Kritik. Besonders die kleinen Orte fühlen sich abgehängt. So kritisiert Thomas Breitlauch, Bürgermeister von Gülitz-Reetz, in einem Schreiben an die Redaktion, dass der Fahrplan „am Bürger vorbei“ gestaltet worden sei.
„Für uns Wüsten Vahrnower heißt das: Keine Busanbindung mehr in den Ferien. Noch nicht einmal die Möglichkeit des Rufbusses wurde uns durch das Konzept des Landkreises zugestanden, da wir weniger als 150 Einwohner haben. So sieht also die sogenannte Daseinsfürsorge des Landkreises aus und das bei einer immer größer werdenden Zahl von Einwohnern, die das Renteneintrittsalter lange überschritten haben“, so Breitlauch.

Er schildert die praktischen Probleme, die sich aus dem Fahrplan ergeben. „Wir nehmen einen fiktiven Rentner im Alter von 80 Jahren, verwitwet, keine Bezugspersonen im Dorf. Er fährt mit dem Fahrrad nach Baek, steigt dort in den Bus und gelangt so zum Einkaufen nach Perleberg. An dieser Stelle muss bemerkt werden, dass nur ein Discounter direkt an der Buslinie liegt und hier auch eine Haltestelle vorhanden ist. Sollte der Rentner andere Märkte als Ziel haben, wird es komplizierter und die Wege werden weiter. Nach dem Einkauf trägt er diesen zur Bushaltestelle und fährt zurück nach Baek. Dort lädt man seine Einkäufe auf das Fahrrad und fährt zurück nach Wüsten Vahrnow. Die Gülitzer fahren noch drei Kilometer weiter. Diese ,kleine Radtour’ unternehmen die älteren Einwohner beider Orte jetzt ganzjährig während der Ferien.“

Den Kreistagsmitgliedern empfiehlt Breitlauch, diese Tortur einmal auf sich zu nehmen, „damit sie endlich verstehen, was den Bürgern durch diese Entscheidung angetan wird“. Sein Unverständnis äußerte er darüber, dass ein externes Gutachten „ohne ausreichende Prüfung die Grundlage einer so schwerwiegenden Entscheidung bildet“.

Auch in Hinzdorf herrscht Kopfschütteln über den neuen Busverkehr. „In den Schulferien fährt überhaupt kein Bus mehr“, so Dieter Klaen, der sich im Namen seiner Schwiegermutter an den „Prignitzer“ wandte. „Es kann doch nicht sein, dass Hinzdorf ausgehungert wird. Es ist ein Ortsteil von Wittenberge“, meint er weiter und fügt an: „Während der Schulzeit müssen die Leute, die auf einen Bus angewiesen sind, schon morgens um 6.45 Uhr mit dem Schulbus nach Wittenberge fahren. Wenn sie aber erst um 9 oder 10 Uhr einen Arzttermin haben, sollen sie sich auf der Straße aufhalten? Das gleiche gilt für die Rückfahrt. Da sind die Leute auch auf den Schulbus angewiesen.“ Ohne Auto oder Mitfahrgelegenheit sei man auf Dörfern mit weniger als 150 Einwohnern aufgeschmissen. Ältere Leute kämen einfach nicht weg, fasst Dieter Klaen das Problem zusammen.

Edelgard Schimko, Sachbereichsleiterin Wirtschaft beim Landkreis, zu dem auch der ÖPNV gehört, betont gegenüber dem „Prignitzer“, dass sie Verständnis für die Kritik Einzelner an dem neuen Fahrplansystem habe. „Man muss aber den Ausgangspunkt für die Umgestaltung kennen. Denn der Bedarf war auf einigen Rufbusstrecken einfach nicht da. Wir müssen auch an die Wirtschaftlichkeit denken.“ Edelgard Schimko verweist auf Zählungen, nach denen teilweise nur eine bis zwei Fahrten auf einer Linie erfolgt wären. „Die Rufbusse wurden stellenweise kaum genutzt. Das frühere Angebot können wir so nicht mehr vorhalten“, erklärt Schimko.

Grund dafür sei ein Gerichtsurteil zu sogenannten Gelegenheitsfahrten. Der Fall spielte zwar nicht in der Prignitz, hatte aber auch Auswirkungen auf die hiesige Fahrplanstruktur. „Ein Taxifahrer hatte geklagt, weil er die einzelnen Rufbusfahrten als staatliche Konkurrenz zu den Privatunternehmen sah. Er bekam Recht.“ Seitdem dürfen Rufbusse nur noch dort fahren, wo es auch eine Buslinie gibt, Abweichungen sind ausgeschlossen. „Das zwang uns zum Handeln. Wollten wir überall einen Rufbus haben, müssten wir alle Orte an eine jeweilige Buslinie anbinden. Und das geht finanziell nicht.“

 
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen