zur Navigation springen

Naturschutzbund protestiert : Kritik am Abschuss der Raben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Naturschutzorganisation überprüft Rechtmäßigkeit des Vorgehens. Experte bezweifelt, dass Vögel Jungtiere töten

von
erstellt am 29.Apr.2016 | 04:45 Uhr

Frei zum Abschuss. Das Agrar- und Umweltministerium hatte kürzlich eine Ausnahmegenehmigung für das Abschießen von Kolkraben in der Prignitz erteilt (wir berichteten.) Dagegen protestiert der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und will den Vorfall untersuchen.

Grund für die Ausnahmegenehmigung war eine Einzelmeldung aus der Prignitz, wonach die Rabenvögel mehrere Kälber auf einer Mutterkuhweide verletzt und getötet haben sollen. Der betroffene Landwirt hatte von vier verendeten Kälbern und mehreren verletzten Tieren gesprochen. Verursacher wie Füchse oder Greifvögel hätte er ausgeschlossen. Ein Dutzend Raben seien auf seinen Feldern unterwegs.

Seit den 90er Jahren habe es immer wieder Meldungen von solchen Vorfällen gegeben, teilt der NABU in einer Presseerklärung mit. Daraufhin seien mehrfach Kolkraben bejagt worden. Es handele sich um den größten unter Schutz stehenden Singvogel in Deutschland.

Wissenschaftler betrachten die Schilderungen von den tödlichen Attacken skeptisch. „Raben greifen weder gesunde Tiere an, noch Kälber die sich in einer intakten Mutter-Kind-Beziehung befinden,“ sagt Dr. Dieter Wallschläger. Das hätten Untersuchungen der Universität Potsdam belegt. In allen überprüften Fällen seien die Kälber schon tot, bevor sie von den Raben angehakt wurden. „Auch bei Lämmern waren ganz überwiegend bereits vorgeschädigte Tiere betroffen“, argumentiert der NABU.

Aktuell werde von der NABU Bundesarbeitsgruppe (BAG) Rabenvogelschutz geprüft, wie es zu den Abschussgenehmigungen kommen konnte und wie solide die Prüfung der Schadensmeldung und das Entscheidungsverfahren erfolgten. Dazu laufe eine Anfrage an die untere Naturschutzbehörde des Landkreises Prignitz. Weiterhin werde eine Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz des Landes Brandenburg vorbereitet, in der die BAG um detaillierte verbindliche Auskunft zu dem Vorgang bittet.

„Besonders bitter ist der Abschuss während der Brutsaison. Dabei wird mit dem Abschuss eines erwachsenen Tieres möglicherweise eine ganze Brut vernichtet“, sagt Christiane Schröder, Artenschutzbeauftragte des NABU Brandenburg. Denn die hochintelligenten Tiere leben im engen Familienverbund und versorgen ihre Jungen aufopferungsvoll.

Die Naturschützer bedauern, „dass jahrelange Forschung auf dem Gebiet der Verhaltenskunde von Raben mit einer willkürlichen Verfügung einfach in den Wind geschlagen worden ist“.

„Die Entscheidung, Vögel zum Abschuss freizugeben macht wenig Sinn,“ sagt Dieter Wallschläger. „Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass die entstandenen Lücken in der Rabengruppe sehr schnell durch andere Tiere wieder aufgefüllt werden. Ebenso bleibt auch eine abschreckende Wirkung auf die Tiere aus.“ Der NABU hoffe, dass in Zukunft allein wissenschaftliche Fakten die Grundlage für derartige Entscheidungen sind. Aktionismus sei der falsche Weg.

Das Landwirtschaftsministerium beschäftigt sich bereits mit den Vorwürfen der Naturschutzorganisation, teilte gestern die Pressestelle unserer Zeitung mit. Details könnten aber erst heute genannt werden, da der zuständige Mitarbeiter gestern nicht im Hause war.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen