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Landesregierung : Kreisstadt: Wirtschaft fordert Perleberg

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Unternehmer fürchten um Arbeitsplätze und Neuansiedlung, machen sich stark für den hiesigen Standort

von
erstellt am 06.Jul.2017 | 21:00 Uhr

Die Warnsignale sind angekommen. Während Neuruppin mit Aktionen auf sich als Kreisstadt aufmerksam macht und Akteure Landtagsabgeordnete um ihre Zustimmung für den künftigen Kreissitz bitten, treten Perlebergs Befürworter zurückhaltender auf. Das wird sich ändern, kündigt die Wirtschaftsinitiative Westprignitz (WIW) an.

Ihre Mitglieder haben in dieser Woche diskutiert und Aktionen beschlossen, so der Vorsitzende Torsten Diehn. „Wenn wir den Kreissitz verlieren, hat das auch Konsequenzen für die Wirtschaft“, sagt er. Das sei keine im Raum stehende Drohkulisse, sondern bitterer Ernst, ergänzt Lutz Lange, ebenfalls WIW-Vorsitzender.

Besorgt hätten sich Konzerne und Unternehmer der Region an die WIW gewandt. Austrotherm und Minimax nennt Lange als Beispiele. „Die Flexibilität der Kreisverwaltung und ihre Nähe waren mit ausschlaggebend für ihre Ansiedlung in Wittenberge, sagt er. Rund 120 Arbeitsplätze sind in kürzester Zeit neu entstanden, weitere Investitionen geplant. Bei einer Kreisstadt Neuruppin befürchten sie eine Unterbrechung des direkten Drahtes. Neuruppin hingegen sei mit den vielen Landesbehörden und ihren rund 1300 Mitarbeitern stark aufgestellt und würde es bleiben.

Es wäre auch ein Stück Verlust an Glaubwürdigkeit der Landesregierung. Schon die lange versprochene A 14 kann bis jetzt nur magere drei fertige Abschnitte vorweisen, sagt Lange. Stattdessen wissen die Unternehmer noch immer nicht, wann sie bis Magdeburg durchgängig auf der A 14 fahren können. „Bisher war die Regierung ein verlässlicher Partner der Wirtschaft und wir denken, dass wir auch jetzt eine Lösung finden können“, bekräftigt Lutz Lange.

Wenn ein Unternehmen neue Standorte plant, gehe es nicht nur um Fördermöglichkeiten. „Wo ist die Verwaltung, wo sitzt die Genehmigungsbehörde, wie gut kennen sich deren Mitarbeiter vor Ort aus“, nennt Lange Standardfragen der Investoren. Darüber habe man in dieser Woche mit Beate Fernengel, Präsidentin der IHK Potsdam, gesprochen und sie um Unterstützung gebeten.

Die Zusammenarbeit mit der Kreisverwaltung sei auch ein entscheidender Grund für die erfolgreiche Entwicklung des Regionalen Wachstumskerns Prignitz (RWK). Der Erfolg lasse sich mit geschaffenen Arbeitsplätzen, Investitionen, Ansiedlungen belegen, erklärt Lange. Mehrfach hat die Landesregierung öffentlich bekundet, dass der RWK Prignitz einer der erfolgreichsten im Land sei. „Diesen Erfolg verdanken wir auch der kreislichen Wirtschaftsförderung mit dem Führungsduo Edelgard Schimko sowie Uwe Büttner“, hebt Lange hervor. Wenn Perleberg nicht mehr Kreisstadt sein sollte, gingen nicht nur Arbeitsplätze in der Verwaltung, sondern auch in der Wirtschaft verloren, ist die WIW überzeugt. Die Folgen würden die Bürger spüren.

Perlebergs Bürgermeisterin Annett Jura begrüßt, dass sich die Wirtschaft Aktionen plant. Zusammen mit dem Kreis habe man Argumente für Perleberg aufbereitet, der Landesregierung zur Verfügung gestellt. Das Bekenntnis des Kreistages liegt vor, jetzt gehe es um starke Signale aus der Bevölkerung.

Genau die erwartet Jura. „Wir gehen das Ziel selbstbewusst an“, sagt sie. Im Gespräch mit der WIW seien Ideen für Aktionen entstanden. Jura spricht von einer Kampagne und Informationen für die Menschen. Der Wittenberger Interessenring und der Bürgerverein Perleberg wollen mitarbeiten. Sie setze auf Perlebergs Händler und auf die regionalen Verbände der IHK und Handwerkerschaft. „Wirtschaft braucht Verwaltung vor Ort“, sagt Annett Jura.

 

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